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Mehr als 20 Gemälde hat Kim Asmussen in den Schnee gestampft - freilich nicht alle so groß wie dieses.
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Mehr als 20 Gemälde hat Kim Asmussen in den Schnee gestampft - freilich nicht alle so groß wie dieses.

Kunstwerke im Schnee

Der Schnee als Leinwand: Der Trittbrettmaler von Ontario

  • Uta-Caecilia Nabert
    VonUta-Caecilia Nabert
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Der Kanadier Kim Asmussen hat eine ziemlich coole Leidenschaft. Und beim Blick von oben auf die glitzernden Ornamente, die er Schritt für Schritt in den Schnee zeichnet, wird nicht nur ihm warm ums Herz.

Draußen herrschen minus 15 Grad. Kim Asmussen braucht eine Minute, bis er sich im Flur aus seinem Parka geschält hat. Dann greift er zum Hörer, bereit für das Interview. „Brrr“ hört man im Hintergrund seine Frau – sie ist gerade aus dem verschneiten Garten hereingekommen. Es ist 12 Uhr mittags in der kanadischen Provinz Ontario. Der pensionierte Schulleiter war bis eben damit beschäftigt, draußen eine Eisskulptur für die örtliche Bibliothek zu schnitzen. Doch seit dem vergangenen Jahr hat er sich vor allem auf Schneeschuhbilder spezialisiert.

Damit tritt er im wahrsten Sinne des Wortes in die legendären Fußstapfen des Schneeschuhkünstlers Simon Beck. Der Engländer machte sich in den vergangenen Jahren einen Namen durch unzählige Ornamente und Schneegemälde, die er in den Skigebieten Europas nach Spaziergängen hinterließ.

Vorbild ist der Schneeschuhkünstler Simon Beck

2015 begab sich Beck schließlich nach Kanada. Das Reisemagazin „Toque & Canoe“ sowie der Lake Louise Tourismusverband hatten ihn eingeladen. Daraufhin stapfte der Oxford-Ingenieur durch den Nationalpark Banff in der Provinz Alberta. Bilder seiner Arbeit, unter anderem ein überdimensionales Ahornblatt und ein heulender Wolf, sorgten damals landesweit für Aufsehen. „Ich sah die Fotos im Internet und fragte mich, ob ich das auch kann“, erinnert sich Asmussen. Und siehe da, gerade ist er es, dessen Geschichte durch die kanadischen Medien geht.

Der heulende Wolf – ein Werk von Asmussens Vorbild Simon Beck.

Seine ersten Gebilde schuf der 62-Jährige im vergangenen Winter. Als dann draußen kein Schnee mehr lag, saß er drinnen am Rechner und skizzierte mithilfe einer Software Entwürfe für die kommende Saison. Lange verbrachte Asmussen mit der Planung, denn: „Wenn man einmal eine Markierung im Schnee gemacht hat, kann man sie nicht mehr löschen. Es ist anders als beim Zeichnen auf Papier.“

Die geometrische Form als Ausgangspunkt

Manche seiner Werke tragen Namen, sie heißen: „A Star is born“ oder „A star within a star“. Alle beginnen mit einer geometrischen Form – einem Sechseck, einem Quadrat, einem Dreieck. Danach zeichnet der Schneeschuh-Enthusiast hin und herlaufend Linien oder Kreise hinein. Heraus kommen große Sterne oder kreisförmige Ornamente. Alles, was er braucht, sind seine Skizze, ein Kompass, ein Stock und ein Seil. „Das Seil ist für die Kreise. Jemand steht in der Mitte, ich laufe um ihn herum, verbunden durch den Strick, so dass ich mich im immergleichen Abstand bewege.“ Den Stock nutzt der Schneemaler, um Linien und Hilfslinien einzuzeichnen.

Windstille und Neuschnee bieten die besten Bedingungen.

Nach Vollendung der Werke steigt eine Drohne auf und fotografiert das Kunstwerk. Gut zu sehen sind die Gemälde auch, wenn man auf einem Hügel steht oder am Hang eines Sees. „Die Einwohner hier im Dorf freuen sich, kommen vorbei und sagen Dinge wie: „Sieht toll aus, mach weiter so!“. Deswegen hat Asmussen einen Plan: Bald wird er an der Autobahn entlangstapfen und dort zeichnen, um LKW-Fahrer:innen auf ihrer langen Reise zu erfreuen.

Die meisten Werke entstehen auf dem Baseballfeld seines Heimatortes.

Der See als Leinwand

Die meisten Bilder des Kanadiers entstehen auf dem Baseballfeld seines Heimatortes Schreiber, 1200 Kilometer nordwestlich von Toronto. Auch die Seen in der Umgebung seines 1000-Seelendorfes nutzt er als Leinwand, unter anderem den Lake Superior. Macht Asmussen einen Fehler, kann er ihn, wie er sagt, nicht einfach ausradieren. Fällt jedoch Schnee, verschwindet das Bild ganz schnell. „Wunderbar“, sagt der ehemalige Lehrer dann. „Jetzt kann ich ein neues zeichnen.“

Zwei Sterne, viele Schritte: „A star within a star“.

Der ideale Tag für solch ein Projekt ist sonnig, windstill und folgt auf starken Schneefall. In 15 bis 30 Zentimetern Neuschnee malt es sich am besten. Unter diesen Bedingungen entstehen zudem die besten Fotografien, da sie der Drohnenkamera erlauben, Kontraste im Schnee zu erfassen.

Der Mann der Schneeschuhe: Kim Asmussen.

Mehr als 20 Gemälde hat der Nachfahre deutscher Einwanderer inzwischen in den Schnee gestampft. Je nach Komplexität und Größe dauert die Arbeit zwischen drei Stunden und drei Tagen. Dabei helfen ihm bis zu zwölf Personen. Vor Corona waren das vor allem Schüler:innen, nun hält er befreundete Rentner:innen auf Trab, die den Winter aufgrund des Lockdowns nicht wie geplant im sonnigen Ausland verbringen können.

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