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Der Stierkampf ist angezählt

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Von: Klaus Ehringfeld

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Juan Pablo Sanchez beim Stierkampffestival in Mexiko, April 2021.
Juan Pablo Sanchez beim Stierkampffestival in Mexiko, April 2021. © Imago

Ein Gericht in Mexiko untersagt das blutige Spektakel. Vorläufig jedenfalls.

Als die Stierkampfsaison im Februar in Mexiko-Stadt zu Ende ging, waren auch die wieder auf der Straße, die von der blutigen Tradition nichts halten. Wie jeden Sonntag kamen sie mit Fotos von blutenden Stieren und Plakaten. Wie immer riefen sie: „Mörder, Kriminelle, man tötet keine Tiere!“. Auch die Polizei war aufmarschiert, um Fans und Gegner:innen des Stierkampfs zu trennen, der noch immer Zehntausende in die „Plaza de Toros“ lockt, die größte Stierkampfarena der Welt.

Schon lange machen Tierschützer:innen Druck auf das lokale Parlament der Hauptstadt, das Spektakel zu untersagen. Ende Dezember brachte die Tierschutzkommission einen Gesetzentwurf ein, um ein Verbot zu erreichen. Aber während die Politik noch berät, hat die Justiz überraschend gehandelt.

Kulturelles Erbe? Geschenkt!

In einem Eilverfahren ordnete ein Bundesrichter Ende der Woche die Aussetzung des Stierkampfs in der Stadt an. Er entsprach damit einer Unterlassungsklage der Bürgervereinigung „Gerechte Justiz“, die argumentierte, das Spektakel sei für die Tiere „entwürdigend“ und verstoße gegen das „Recht auf eine gesunde Umwelt“. Bis zum Hauptsacheverfahren am 2. Juni darf damit kein Stierkampf mehr in Mexiko-Stadt angesetzt werden.

In Lateinamerika ist Mexiko neben Kolumbien und Ecuador eine Hochburg des Stierkampfs, den im 16. Jahrhundert die Spanier einführten. Bisher haben zwar einige der 32 Bundesstaaten Mexikos die Stierkämpfe verboten, aber noch immer argumentieren die Befürworter:innen mit angeblichem „kulturellen Erbe“.

In Juristenkreisen gehen nicht wenige davon aus, dass das aktuelle Verfahren das endgültige Aus für die Stierkämpfe in Mexiko einläuten könnte, zumal sich nun auch das Oberste Gericht (SCJN) damit befasst und das Argument des kulturellen Erbes aushebeln könnte. Zumal das Interesse am Stierkampf abnimmt. Die 50 000 Menschen fassende „Plaza de Toros“ ist nur noch selten ausverkauft.

Proteste gegen Stierkämpfe im März 2022 in Mexiko City. imago images
Proteste gegen Stierkämpfe im März 2022 in Mexiko City. imago images © Imago Images

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