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„Joe“ ist gerettet.
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„Joe“ ist gerettet.

Was soll das?

Der gefakte Langstreckenflug

  • vonAndreas Sieler
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Der Fall Joe: wie eine Taube in Australien weltweit die Netzgemeinde bewegt. Die Kolumne „Was soll das?“.

Es ist eine ziemlich fantastische Geschichte, sogar eine mit Happy End. Und eine, bei der wohl auch ein bisschen die Wahrheit auf der Strecke blieb. Stichwort Strecke: Rund 15 000 Kilometer soll eine Renntaube von Montgomery im US-Bundesstaat Alabama bis nahezu ins australische Melbourne zurückgelegt haben, wo sie passenderweise von einem Mann namens Kevin Chelli-Bird entdeckt wurde. Solche Langstreckenleistungen sollen in der Natur zwar vorkommen, wohl aber selten.

Der angeblich etwas ausgemergelte Vogel, dessen Ring am Bein auf seine Herkunft verwies, wurde daraufhin aufgepäppelt und, wie das nunmal so läuft, prompt zum Internetstar. Der Finder taufte das Tier „Joe“, nach dem kommenden US-Präsidenten Joe Biden. Und während die Netzgemeinde den reiselustigen „Joe“ feierte, fand man im australischen Landwirtschaftsministerium die Geschichte überhaupt nicht lustig.

Eine Sprecherin des Ministeriums ließ verlauten: Die Taube sei „nicht gesetzeskonform für den Import vorbereitet worden“, ein „Risiko für die Bio-Sicherheit“ und somit gemäß den strikten Quarantäne-Regeln des Landes einzuschläfern.

Zusammengefasst: Man findet also eine Taube, benennt sie nach dem (baldigen) amerikanischen Präsidenten, um sie dann umzubringen. Das ist, gelinde gesagt, keine diplomatische Glanzleistung. Zudem hat Australien beim Thema Einwanderung bekanntermaßen ein grundsätzliches Problem. Und während durch menschliche Migration, die man „down under“ zu verhindern weiß, keine negativen Auswirkungen bekannt sind, hat in der Vergangenheit so manches importierte Tier – Kröten, Kamele und ja, auch das süße Kaninchen – eine Spur der Verwüstung in der Flora und Fauna des Kontinents hinterlassen.

Zurück zu „Joe“, der Taube: Nicht nur die schien zunächst vom Kurs abgekommen zu sein, auch der australische Vize-Premier Michael McCormack vermittelte einen solchen Eindruck nachhaltig: Sollte Joe entgegen geltender Bio-Sicherheitsmaßnahmen eingereist sein, „dann hat er Pech gehabt“. An den Vogel adressiert: „Flieg nach Hause oder trage die Konsequenzen.“

So viel Herzlosigkeit wurde dann auch in sozialen Netzwerken angeprangert, wo ohnehin seit Tagen, nicht ohne Augenzwinkern, die wildesten Theorien über „Joe“ rumflatterten: Etwa die Vermutung, er sei ein fanatischer Trump-Anhänger und nach dem Sturm aufs Kapitol auf der Flucht. Andere interpretierten eine eventuelle Tötung des Vogels schlicht als Kriegserklärung. Unter den Hashtags #savethepigeon solidarisierten sich tausende Userinnen und User mit „Joe“, auch eine Petition wurde gestartet. Nicht ohne gelegentliche Anmerkungen, wie schön es doch wäre, würden auch Geflüchtete so viel Solidarität erfahren.

Finder Chelli-Bird bereute inzwischen, das Tier nach Joe Biden benannt zu haben: „Vielleicht hätten wir ihn Donald nennen sollen“ – um den Präsidenten um Begnadigung zu bitten oder ihm diplomatische Immunität zu gewähren, sagte er der Plattform „nine.com.au“. Auch lokale Politiker, wie Victorias Gesundheitsminister Martin Foley, appellierten an etwas mehr Mitgefühl seitens der Behörde. Immerhin: Laut „9 News“ bemühte sich am Freitag mittlerweile auch die Landwirtschaftsbehörde um eine einvernehmlichere Lösung – zunächst war die Rede von einem Rücktransport in die USA, was wiederum dortige Behörden aber genehmigen müssten.

So viel Bürokratie war am Ende gar nicht erforderlich, denn die Geschichte nahm eine für Taube „Joe“ rettende Wende: Am Freitag berichteten australische Medien unter Berufung auf eine Sprecherin der „American Racing Pigeon Union“, dass der Ring am Bein der Taube wohl eine Fälschung sei und es sich um eine in Australien heimische Taubenart handle. Auch der vermeintliche amerikanische Besitzer des Tieres erkannte laut der Nachrichtenagentur AFP den Vogel nicht wieder. Und laut Experten sei das Tier noch nicht einmal eine Renntaube.

Dann meldete sich das Landwirtschaftsministerium: man sei überzeugt, dass das Beinband eine Fälschung sei, ließ die Behörde am Freitag schließlich wissen. In der Angelegenheit würden somit keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Happy End: die Todesstrafe ist vom Tisch, „Joe“ ist gerettet.

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