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Kater Palmerston will lieber aufs Land.

Chief Mouser Palmerston

Der Diplomat tritt ab

  • vonKatrin Pribyl
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Ab in den Ruhestand: Londons Chief Mouser Palmerston quittiert den Dienst.

Die Briten haben für das sogenannte Sommerloch die wunderbare Bezeichnung „silly season“, verrückte Jahreszeit. Es sind jene Ferienwochen, in denen die nach Themen lechzenden Zeitungen plötzlich Tiergeschichten auf die Titelseiten heben oder royale Banalitäten zu Großaufregern aufplustern. Die Politik ist im Urlaub. Dementsprechend selten werden dieser Tage Pressemitteilungen aus den Ministerien verschickt.

Umso überraschender landete gerade jene Mitteilung in den Postfächern der Journalisten, die einen Abschied verkündete – in höchst seriöser Form und Wortwahl. Da stand also geschrieben, dass der Chief Mouser Palmerston sich nach mehr als vier Jahren aus dem diplomatischen Dienst verabschieden und in den Ruhestand gehen werde. Damit nicht genug: Auf dem Twitter-Account teilte der schwarz-weiße Kater seinen Brief mit seinen mehr als 111 000 Followern. Die Zeit sei für ihn gekommen, erklärte er da seinem Vorgesetzten Simon McDonald, dem höchsten Beamten des Außenministeriums. „Nun kann ich mehr Zeit abseits des Rampenlichts genießen und mich entspannen.“ Unterschrieben ist das Dokument mit zwei Pfotenabdrücken. Silly season? Oder alberne Briten?

Tatsächlich hat der Kater, benannt nach dem im 19. Jahrhundert amtierenden Außenminister und späteren Premierminister Viscount Palmerston, in den vergangenen Jahren immer wieder für ein Schmunzeln gesorgt, mitunter sogar für Schlagzeilen. Das wiederum lag vornehmlich an seinem angespannten Verhältnis zu Larry. „Larry the Cat“ ist der gefleckte Chef-Mäusefänger der Downing Street und wurde 2011 engagiert, um das Rattenproblem in den alten Gemäuern zu lösen. Seitdem streunert der Kater vor der berühmten schwarzen Tür mit der Nummer Zehn herum, um das Premierminister-Herrchen vor politischem Raubwild zu schützen. Nicht selten verspottet er auf Twitter – Larry hat fast 400 000 Follower – Kabinettsmitglieder oder kritisiert gar die Regierung.

Die Briten, das steht außer Zweifel, beherrschen politisches Entertainment. Palmerston zog erst 2016 von einem Tierheim in Süd-London ins Regierungsviertel, weil die Prunkbauten in Londons Whitehall als Paradies für unerwünschte Nager gelten. Es begann ein Katzentheater ungeahnten Ausmaßes.

Reporter zählten wie bei einem Wettbewerb die Menge der jeweils gefangenen Mäuse und heizten den Revierkampf an. Gleichwohl gerieten die beiden konkurrierenden Kater immer wieder aneinander, ein Fotograf will einmal gar Blut gesehen haben und erzählte in Interviews mit der Weltpresse geschockt von entstandenen Verletzungen. Selbst die ranghöchsten politischen Reporter der BBC veröffentlichen regelmäßig Updates vom „Katzenwahnsinn in der Downing Street“. Einmal erschien im „Guardian“ ein in Ich-Form geschriebener Artikel von Larry, der mit dem Satz begann: „Ich werde nie vergessen, wo ich war, als ich hörte, dass wir für den Ausstieg aus der EU gestimmt haben.“

Nun räumt Palmerston das Feld und auch die Fehde scheint beendet. „Genieße deinen Ruhestand, alter Freund“, hieß es auf Larrys Account. Diesen wird Palmerston auf dem Land genießen. Keine silly idea.

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