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Fallende Regentropfen ziehen auf einer Wasseroberfläche Kreise.
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Zuviel oder zu wenig Nass von oben - der Mensch will die Dosis gern bestimmen.

Wetter

Den Regen manipulieren

  • VonSandra Danicke
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Wolken beschießen oder Frösche verheiraten - was Menschen alles versuchen, damit es schauert

Ja, das Wetter. Der Regen vor allem. Mal gibt es zu viel davon, dann wieder regnet es viel zu lange nicht. Während unsereiner sich bloß beklagt, machen sich die Menschen im Südwesten der USA daran, etwas zu unternehmen. Im Hochsommer, wenn es besonders trocken ist, führen US-amerikanische Ureinwohnerstämme einen Regentanz auf. Zumindest diejenigen von ihnen, die sich noch auf ihre Traditionen berufen, etwa die Zuni, die das Ritual alljährlich am 19. August begehen.

Für einen anständigen Regentanz braucht es allerdings spezielle Kleidung, sonst wird das nichts. Edelsteine – vor allem Türkis – gehören dazu, bestimmte Muster besänftigen die Götter, und in der Kopfbedeckung der Frauen sollten sich unbedingt Ziegenhaar und eine Adlerfeder befinden; bei den Männern werden Pferdehaare benötigt. Dann kann es losgehen. Die Schritte des Regentanzes sind jedoch ziemlich kompliziert.

In Thailand wird eine Katze durchs Dorf getragen und bespritzt

Anders als bei den Kreistänzen, die man aus einschlägigen Fernseh-Dokumentationen kennt, stehen Männer und Frauen in getrennten Reihen und tanzen Zickzack-Linien; wie das genau geht, wird seit Jahrhunderten mündlich überliefert. An den Beinen befestigte Schellen bestimmen den Rhythmus und sollen das Plätschern von Wasser imitieren. Ganz ähnlich läuft es im Nordosten Thailand ab, nur dass man hier eine Katze durchs Dorf trägt. Vor jedem Haus wird sie vom Hausherren mit Wasser bespritzt. Ihr Geschrei soll innerhalb weniger Tage Regen bringen.

Hin und wieder klappt das. Auch im Süden Indiens kommen Tiere zum Einsatz: Um den Regengott zu besänftigen, verheiraten Dorfbewohner in üppigen Zeremonien … Frösche. Nach hinduistischer Tradition werden die Tiere mit Blumen geschmückt und mit Kurkuma eingerieben. Während die Geistlichen das Frosch-Paar segnen, spielt eine Blaskapelle Lieder aus Bollywood-Filmen. Da hat wenigstens jeder was davon, und die Zeremonie klingt auch viel netter als das Ritual, das man vor langer Zeit im alten China praktizierte, wo Schamanen so lange in einem Feuerring tanzen mussten, bis der Schweiß durch die Gegend spritzte.

FR7-Autorin Sandra Danicke vollführt furiose Tänze, mitunter fing es währenddessen an zu regnen. Zufall?

Heute geht man in China anders zu Werk. Bereits im Jahr 2008 schoss man in China mehr als 1000 Raketen in die Luft, um Wolken zum Abregnen zu bringen, die sonst die Staatsgäste bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking durchnässt hätten. Die dafür nötige Technik – Silberjodid-Partikel werden mithilfe von Flugzeugen in die Wolken eingebracht, wodurch sich Regentropfen bilden – wird auch in Deutschland punktuell eingesetzt, um beispielsweise Weinbaugebiete vor drohendem Hagelschlag zu schützen.

China will ab 2025 den Regen auf der Tibetanischen Hochebene kontrollieren

Was China aber derzeit plant, sprengt alle bekannten Dimensionen. In einem Gebiet von 5,5 Millionen Quadratkilometern (also etwa 15-mal so groß wie die Bundesrepublik), das auf der Tibetischen Hochebene liegt, will man ab 2025 den Regen kontrollieren. Ziel des Programms ist es, Naturkatastrophen einzudämmen, die mit Regenfällen zusammenhängen, die Landwirtschaft optimal mit Wasser zu versorgen und Ökosysteme im trockenen Norden Chinas zu revitalisieren.

Das Programm, das den größenwahnsinnigen Titel „Zähmung des Himmels“ trägt, sieht nicht nur das Anzapfen von Wolken vor. Mit einer ausgefeilten Technologie wollen Forschende ganze Wolkenströme in die gewünschte Richtung – etwa zu ausgetrockneten Feldern – lenken. Die Rede ist von „Wolken-Autobahnen“. Klingt praktisch, hat aber Tücken. Wenn die Wolken ihren natürlichen Weg verlassen, könnte dem Nachbarland Indien das benötigte Wasser entzogen werden, so die Befürchtung.

Die möglichen Folgen solcher Manipulationen zeigt ein Fall aus Mexiko, wo der Autohersteller Volkswagen um eine seiner Fabriken eine sogenannte Hagelabwehr installiert hatte, um seine Fahrzeuge vor Schäden zu schützen. Die muss man sich wie eine Art Kanone vorstellen, die bei bestimmten Wetterbedingungen automatisch Schockwellen in die Atmosphäre schießt, um Hagelbildung zu verhindern. Die örtlichen Bäuerinnen und Bauern jedoch berichteten, dass die Hagelabwehr eine Dürre auslöste, die Ernteausfälle gingen in die Millionen. Volkswagen kündigte daraufhin an, in Zukunft Netze über die geparkten Autos zu spannen, um sie vor Hagelkörnern zu schützen. China sollte es vielleicht doch lieber noch einmal mit den schwitzenden Schamanen probieren. Einen Versuch wäre es wert.

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