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Strand vor Lissabon: Viele Touristen haben Portugal wegen der Delta-Variante und drohender Quarantäne verlassen müssen.
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Strand vor Lissabon: Viele Touristen haben Portugal wegen der Delta-Variante und drohender Quarantäne verlassen müssen.

Coronavirus

Delta-Variante in Portugal: Hotels leeren sich, Kliniken werden voller

Die Corona-Pandemie bedeutet für Portugal eine Achterbahnfahrt. Wähnte man sich dem Schlimmsten vor kurzem entgangen, spitzt sich die Lage wieder drastisch zu.

Lissabon - An der Algarve setzte trotz Temperaturen von knapp 30 Grad das große Zittern ein, als die deutschen Urlauber in Portugal zu Hunderten vorzeitig die Koffer packen. Joao Fernandes, Chef der regionalen Tourismusbehörde, spricht von einem „schweren Schlag“. Der Grund seiner Sorge: Das deutsche Robert Koch-Institut hat das Land als Coronavirus-Variantengebiet eingestuft - weshalb sämtliche deutsche Touristen die Rückreise antreten, um noch vor Dienstag (29.06.2021) wieder zu Hause zu sein und eine Quarantäne zu umgehen.

Delta-Variante: Portugal auf der Schwarzen Liste

Großbritannien hatte vor einigen Wochen bereits das südliche EU-Land auf die Schwarze Liste gesetzt und damit für Bestürzung gesorgt, denn von dort kommen die meisten Urlauber nach Portugal. Fernandes fürchtet nun, dass die Schweiz, Österreich und viele andere dem deutschen Beispiel folgen werden, wie er dem Radiosender TSF sagt.

Doch nicht nur das Gastgewerbe macht sich Sorgen. Während sich die Hotels leeren, werden die Krankenhäuser immer voller. Die Zahl der Patient:innen mit Covid-19 stieg am Sonntag abermals um 30 auf 477. Davon lagen 116 auf der Intensivstation. So hoch waren diese Werte zuletzt Mitte April gewesen. Nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hat Portugal inzwischen mit einer 14-Tage-Inzidenz von gut 124 Infektionen pro 100 000 Einwohner den höchsten Wert aller 30 erfassten Länder. Zum Vergleich: Deutschland lag am Montag (28.06.2021) bei 25.

Delta-Variante in Portugal: Lissabon besonders von Corona betroffen

Vor allem die Lage im Großraum Lissabon ist besorgniserregend, wo seit Wochen rund zwei Drittel aller landesweiten Ansteckungen verzeichnet werden - obwohl nur etwa 27 Prozent der 10,3 Millionen Bürger Portugals dort leben. Die besonders ansteckende Delta-Variante macht in Lissabon bereits mehr als 70 Prozent aller neuen Fälle aus, Tendenz stark steigend.

Während die Dynamik bei den Fallzahlen hoch ist, bleibt eines wie gehabt: Für kaum ein anderes Land bedeutet die Pandemie eine solche Achterbahnfahrt wie für Portugal. „Ein Wechselbad der Gefühle. Wir sind mal die Besten, mal die ganz Bösen“, sagt Café-Betreiber Nuno in Lissabon. „Vielleicht werden wir bei guten Nachrichten zu nachlässig - und bei schlechten sehr diszipliniert.“

Portugal wurde anfangs als „Musterschüler“ in den Himmel gelobt, während etwa Spanien zu Beginn der Corona-Pandemie rasch im Strudel versank. Doch dann wies Portugal im Winter plötzlich im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Neuinfektionen und Todesfälle auf als jedes andere Land der Erde. Die Bundeswehr schickte Ärzte und Sanitäter ins Land. Im Mai hatte man dann erneut mit die niedrigsten Infektionswerte Europas - und nun geht es wieder bergauf mit den Zahlen und bergab mit der Stimmung.

Delta-Variante: Reiseveranstalter sagen wegen Corona Touren nach Portugal ab

Deutsche Reiseveranstalter haben ihre Touren nach Portugal inzwischen für mehrere Wochen abgesagt. Bei Tui Deutschland gilt das für Buchungen mit geplanter Anreise bis einschließlich 31. Juli. Die DER Touristik sagte ihre Portugal-Reisen bis zum 13. Juli ab.

Für die Opposition und viele Medien ist die Schuldfrage geklärt: Die linke Regierung sei verantwortlich. Den Zorn zog sich Ministerpräsident António Costa vor allem mit der Entscheidung zu, das Champions-League-Finale zwischen Manchester City und dem FC Chelsea Ende Mai von London nach Porto zu verlegen, und damit 16.500 britische Fußballfans ins Land zu lassen, die auf den Straßen der Portwein-Metropole nicht nur die Maskendisziplin schleifen ließen, sondern sich teils hemmungslos betranken und auch prügelten, während die Portugiesen noch sehr viele Restriktionen beachten mussten.

Delta-Variante: Coronavirus wird die Grenzen Portugals überqueren

Oppositionsführer Rui Rio sprach über das Treiben in Porto von „einer Schande“. Auch im Ausland wurden kritische Stimmen laut, die einen Zusammenhang mit den explodierenden Fallzahlen in Lissabon sehen. Der Sozialist Costa räumte zwar ein: „Nicht alles lief gut ab.“ Fehler aber will er nicht gemacht haben. Am Rande des EU-Gipfels warnte er vorige Woche vielmehr die europäischen Nachbarn vor der grassierenden Delta-Mutante: „Ich fürchte, Portugal ist nicht die letzte Grenze, die diese Variante überquert.“ (ktho/dpa)

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