Uwe Buckendahl steht mit seinem Gießkannen neben einem Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt in Leipzig.
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Uwe Buckendahl steht mit seinem Gießkannen neben einem Straßenbaum auf dem Lindenauer Markt in Leipzig.

Stadtbäume

Dein Freund, der Baum

Gerade in Großstädten ist das schattenspendende Grün unverzichtbar. Viele Stadtbäume aber leiden unter der zunehmenden Trockenheit. Deutschlandweit bilden sich nun nachbarschaftliche „Gießgruppen“.

Dreimal in der Woche füllt Uwe Buckendahl seine beiden roten und gelben Gießkannen und macht sich auf den Weg zu „seiner“ Linde. Der imposante Baum steht in Leipzig – und bekommt seit einiger Zeit regelmäßig von ihm Wasser. 2019 hörte der ehemalige Lehrer von der Initiative „Gieß den Kiez“ der Leipziger Stiftung „Ecken wecken“. Seither schleppt der 69-Jährige regelmäßig Wasser.

„Man sollte nicht immer nur meckern und fordern, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen“, sagt er. „Ich will es in meinem Kiez doch schön haben.“ Sorgfältig umkreist Buckendahl mit dem Wasserstrahl den Baum. Mit seinem Hobby ist er nicht allein. Vielerorts rufen Kommunen, private Initiativen, Umweltschützerinnen und Umweltschützer dazu auf, die Bäume vor der Haustür zu wässern.

Laut Naturschutzbund BUND gibt es „Gießgruppen“ etwa in Berlin, Köln oder Frankfurt am Main. Hilfe ist aus Expertensicht dringend nötig. „Die Trockenheit wirkt sich verheerend auf die Stadtvegetation aus“, sagt Christian Hönig, Referent beim BUND Berlin. Er empfiehlt, einmal pro Woche acht bis zehn Eimer Wasser pro Baum. „Mit dem ersten Eimer vorsichtig angießen bis sich die Bodenporen öffnen und das Wasser aufnehmen und dann gießen bis die Pflanzgrube gesättigt ist.“

Dass Bäume unter Trockenheit leiden, könne man erkennen, wenn sie etwa ihre Blätter einrollen oder abwerfen, Äste kahl und Kronen licht werden. Gerade Straßenbäume haben wenig Platz für ihre Wurzeln, Wasser kann nur „sehr begrenzt“ gespeichert werden, so Hönig. Hinzu komme, dass Grundwasserstände in den Städten meist niedrig gehalten werden, so dass die Bäume nur schwer an Wasser kommen.

Allein in Berlin hat sich laut Hönig in den vergangenen drei Jahren die Zahl der jährlich gefällten Straßenbäume auf rund 6000 erhöht - 20 Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Ute Bedbur kennt das. Vor ihrem Balkon in Berlin musste jüngst ein Baum gefällt werden. So wurde sie auf das Thema aufmerksam und beschloss gemeinsam mit ihrer Hausgemeinschaft aktiv zu werden.

„Eine Straße ist mindestens doppelt so schön, wenn da Bäume stehen“, sagt die 67-Jährige. Gießpläne hängen seit Mai in den Hauseingängen und sollen helfen, die 13 Straßenbäume vor der Wohnanlage zu bewässern. Joachim Bauer hingegen hält das Gießen nur bei Jungbäumen für sinnvoll. Bei alten Exemplaren wisse man oft gar nicht, wo überall Wurzeln entlangführen – und das Wasser erreicht diese nicht.

Bauer leitet in der deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (Galk) die Arbeitsgemeinschaft zu Stadtbäumen, in der sich die Kommunen zum Thema austauschen. „Trockenheit ist überall ein großes Thema“, sagt der Kölner. Seine Stadt, in der rund 80 000 Straßenbäume stehen, fördert derzeit 1400 Baumpatenschaften.

Allein in diesem Jahr sind in der Rheinmetropole rund 200 solcher Patenschaften dazugekommen. Wer eine übernimmt, bekommt etwa einen Wassersack, der am Baum nach und nach das kostbare Nass abgibt.

Zwar hat es in den vergangenen Wochen immer wieder geregnet, insgesamt aber bleibt es in Deutschland zu trocken. So fielen im Juni im Schnitt etwa 90 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Der Wert lag damit zwar im langjährigen Mittel – regional aber war es weiterhin sehr trocken.

So fielen etwa in Teilen Brandenburgs und Sachsens laut dem Deutschen Wetterdienst weniger als 15 Liter pro Quadratmeter. Man müsse entsprechend auch über andere Bäume nachdenken, so Bauer. Bundesweit testen die Kommunen derzeit knapp 40 Arten, die gut mit trockenen Standorten zurechtkommen.

Palmen zum Beispiel seien zwar für den Sommer denkbar, kämen aber mit dem Frost im Winter nicht zurecht. Für vielversprechend hält Bauer etwa Arten wie den Feldahorn.

Der Feldahorn ist zwar einheimisch, aber bisher kaum verbreitet. Auch Exoten wie den japanischen Schnurbaum bringt Bauer im Hinblick auf neue Stadtbäume ins Gespräch.

Wurde früher ein frisch gepflanzter Stadtbaum drei Jahre lang vom Grünflächenamt gewässert, sind mittlerweile viele Kommunen zu sieben Jahren übergangen. Danach müsse sich der Baum aber selbst versorgen. „Wir können ihn ja nicht immer am Tropf halten“, sagt Bauer. Christiane Raatz, André Jahnke, dpa

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