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Ob Donald Trump wohl gerade einem Hit von den Ärzten lauscht?

Musik im Wahlkampf

Debil mit Dezibel

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Alt-Rocker Ozzy Osbourne sagt, US-Präsidenschaftskandidat Donald Trump sei "der neue Hitler". Der Mann hat Unrecht. Hitler wäre nie zu Helene Fischer irgendwo aufmarschiert!

Man muss ja mal sagen: Adolf Hitler wäre niemals zu „Atemlos“ beim Reichsparteitag aufmarschiert. Und das nicht nur, weil Helene Fischer Russin ist. Der Führer hatte Aufmarschierhymnen – außer der deutschen – nicht nötig, er verließ sich auf die Strahlkraft der eigenen Schmissigkeit. Insofern hat Hardrocker Ozzy Osbourne unrecht, wenn er nun behauptet, US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sei „der nächste Hitler“. Trump marschiert praktisch nirgendwo auf, ohne „Start me up“ von den Rolling Stones oder „Dream on“ von Aerosmith erschallen zu lassen – vielleicht weil er im Stillen ahnt, dass mit Solariumbräune allein kein brauner Staat zu machen ist.

Die Künstler reagieren abtrünnig: R.E.M.-Sänger Michael Stipe ließ verkünden, Trump möge „unsere Musik“ nicht für seine „debile Farce von einer Kampagne“ benutzen, und die Herren Jagger und Tyler forderten den „Wahnsinnigen“ auf, „jegliche Nutzung“ ihrer Songs „unverzüglich einzustellen“.

Worüber Trump, dann doch ganz Führerkraft, nur debil lächelte – und die Stones einfach weiterbenutzte. Künstlerpersönlichkeitsrecht? Pfff.

Hierzulande muss sich die Alternative für Deutschland (AfD) mit ähnlich zarten Volksseelen herumplagen. Der Berliner DJ Paul von Dyk möchte nicht, dass die sogenannte Partei sein Lied „Wir sind wir“ bei ihren sogenannten Veranstaltungen spielt. Man kann Herrn von Dyk verstehen – wer lässt sich schon gern von Björn „Bernd“ Höcke zu deutschem Kulturgut erklären?

In der Konsum- und Verhaltensforschung kennt man natürlich längst das Phänomen, mit Musik Gefühle und Fantasien zu entfachen. 2004 kam eine Texterin in den USA auf die Idee, einen Klassiker von Johnny Cash zu Werbezwecken zu verwenden – sie meinte, der Refrain „And it burns, burns, burns, the ring of fire“ eigne sich hervorragend für ein Hämorrhoidenmedikament. Die Familie des bereits verstorbenen Cash meinte das eher nicht.

Aber wo wir gerade bei feurigen Ringen sind: Hitler fand ja Richard Wagner toll. Doch die einzige Aufmarschierhymne, die mit allen harmoniert, die noch heute von Großreichtümern träumen, war, ist und bleibt „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten. Und jetzt alle: O-o-oh. Arschloch!

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