Umweltministerium

Daueraufreger Wolfsjagd

Umweltministerin Svenja Schulze legt einen Entwurf zum einfacheren Abschuss von Wölfen vor. Heute soll abgestimmt werden.

Wenn Wölfe Nutztiere reißen, soll der Abschuss der Raubtiere einfacher werden. Einem Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) zufolge sollen einzelne Wölfe eines Rudels künftig auch dann getötet werden können, wenn nicht klar ist, welcher Wolf zugebissen hat – und zwar „bis zum Ausbleiben von Schäden“. Voraussetzung sei, dass Wölfe vor Ort Nutztiere gerissen haben. Die geschützten Tiere vorsorglich abzuschießen, bliebe verboten.

Den Referentenentwurf leitete das Bundesumweltministerium am Montag an die Fachverbände zur Stellungnahme – ein wichtiger Schritt im Gesetzgebungsverfahren. Zwischen Umwelt- und Agrarministerium hatte es monatelang Streit gegeben um die Frage, unter welchen Bedingungen Wölfe geschossen werden können. Die Tiere stehen in Europa unter Schutz. Am Mittwoch solle das Kabinett in Berlin über einen Gesetzentwurf abstimmen.

Was Naturschützer bejubeln, bereitet Schäfern und Tierhaltern Probleme. Immer wieder werden Tiere getötet. Bislang konnten Wölfe zum Abschuss freigegeben werden, die wiederholt Schutzzäune überwanden und Tiere rissen. Vielen reicht das nicht. Der Umgang mit Wölfen ist zu einem politischen Daueraufreger geworden und ist ein wichtiges Wahlkampfthema in Ostdeutschland, wo in Sachsen, Brandenburg und Thüringen Landtagswahlen anstehen.

Auch deswegen wuchs der Druck auf Schulze und Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), einen Kompromiss zu finden. Das Kanzleramt hatte zuletzt vermittelt – dass die sogenannte Verbändeanhörung eingeleitet wurde, dürfte bedeuten, dass Schulze aus der Regierungszentrale grünes Licht für ihre Vorschläge hat. Es sei „keinem normal denkenden Menschen“ zu erklären, dass bisher reißende Wölfe erst geschossen werden dürften, „wenn der DNA-Abgleich gemacht und der Wolf bei erneuter Tat ertappt worden ist“, sagte Klöckner.

„Die Richtung stimmt“

Der Entwurf sieht zudem vor, das Füttern und Anlocken von Wölfen zu verbieten. Mischlinge zwischen Wolf und Hund in der freien Natur sollen „entnommen“ werden, wie es im Amtsdeutsch heißt. Der Abschuss von Wölfen soll künftig erlaubt werden können, wenn sie „ernsten“ landwirtschaftlichen Schaden anrichten. Bisher ist im Naturschutzgesetz von „erheblichen“ Schäden die Rede, was „existenzbedrohend“ meint.

Kritik hagelte es von mehreren Seiten: „Die Richtung stimmt, aber für eine Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung reicht das noch nicht“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. Der Jagdverband nannte den Vorschlag einen „kleinen Schritt“, es brauche aber ein umfassendes Konzept. Unter anderem fordern die Jäger, grundsätzlich zuständig zu sein, wenn es um den Abschuss geht.

Wie viele Wölfe ganz genau in Deutschland leben, ist nicht bekannt. Der Bauernverband schätzte 2018 ihre Zahl auf 970 bis 1300. (dpa)

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