Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bald wird geheiratet: Semmelrogge mit Freundin Regine Prause.
+
Bald wird geheiratet: Semmelrogge mit Freundin Regine Prause.

65. Geburtstag

Das Stehaufmännchen

Er kann Shakespeare und Trash-TV. Und seine Rolle in „Das Boot“ ist heute Kult. Jetzt feiert Martin Semmelrogge seinen 65. Geburtstag.

Sein Markenzeichen: die Stimme. Mit der kann Martin Semmelrogge das Rumpelstilzchen ebenso sprechen wie Piraten, Krötenechsen oder Gangster. Viele kennen ihn schon seit den 70er Jahren. In der legendären Kinderserie „Die Vorstadtkrokodile“ hat er einen Fiesling gespielt, damals waren die Haare noch rot. Er hat in Klassikern wie „Tadellöser & Wolff“ mitgemacht, im Film „Bang Boom Bang“ und in zahlreichen Serien. Er spielte viel Theater und war sich auch fürs Trash-Fernsehen nicht zu schade.

Seine berühmteste Rolle: der Zweite Wachoffizier neben Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer in „Das Boot“. Die Sprüche hat er heute noch drauf. Martin Semmelrogge, einer von Deutschlands bekanntesten Charakterdarstellern, wird am heutigen 8. Dezember 65 Jahre alt.

Seine Agentur nennt ihn „das Stehaufmännchen der deutschen Schauspielkunst“. Eine Biografie hat er „Das Leben ist eine Achterbahn“ genannt. Bei Martin Semmelrogge war einiges los. Höflich gesagt: Nicht alles lief glatt, aber das ist schon ein bisschen her.

Seit 20 Jahren wohnt Semmelrogge auf Mallorca. Am Telefon quatscht er drauf los. Mit 65 denken andere an Ruhestand, er auch? „Als Schauspieler bist du nie im Ruhestand, weil das eine Leidenschaft ist. Solange die brennt, machst du das natürlich gerne. Es gab Jahre, da bist du total unter Strom. Da arbeitest du. Jetzt ist es ruhiger. Jetzt geht ja gerade nix. Kollege Corona!“

Er sei breit aufgestellt, sagt Semmelrogge. „Ich bin gesegnet mit meiner Stimme, das Arbeiten geht auch auf Mallorca. Ich habe Theater gespielt und mache gerade ein Hörbuch, ,Blitzfreak‘.“ Im Fernsehen läuft im Dezember im Ersten die neue Staffel von „Falk“ an, da spielt er wieder den windigen Anwalt Blankenstein.

Und wenn er nicht arbeitet? „Ich habe immer was zu tun. Heute zum Beispiel war ich joggen, dann war ich im Wasser, dann essen und bei einem Bekannten, mit dem ich Oldtimer mache. Gestern Nacht war ich für zwei Rap-Stücke im Studio mit meinem Team. Und ich habe Hausputz gemacht mit einem Kollegen.“ Bald will er seine Freundin Regine Prause heiraten, die er schon „meine Frau“ nennt. Es gibt noch bürokratische Hürden. „Ich muss nach Amerika, da ist meine alte Heiratsurkunde. Irgendwann wird es schon klappen.“

Er lebe jeden Tag, als hätte er Geburtstag, sagt Martin Semmelrogge, hier im Jahr 1997.

Semmelrogge kommt aus Bad Boll bei Stuttgart, war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Dustin und Joanna, die sich ebenfalls dem Schauspiel widmen. Das liegt in der Familie: Semmelrogges Vater Willy war vom Fach. Rückblicke sind nicht sein Ding. Über seine Probleme mit dem Gesetz, die Zeit im Gefängnis, Alkohol und Drogen mag er nicht mehr sprechen. „Weil das durch ist, ich definiere mich nicht darüber. Man kann sich ja mein Buch kaufen.“

Er gucke immer nach vorne, nicht nach hinten. „Für mich ist es immer am wichtigsten, was ich jetzt mache.“ Er habe viele schöne Rollen gespielt. Zu Corona fällt ihm was Passendes frei nach „Das Boot“ ein: „Das muss das Boot abkönnen.“ Man müsse Präsenz zeigen, bereit sein für alles, sagt Semmelrogge. „Alles andere findet sich. Ich habe Shakespeare und Beckett gespielt, aber das muss ich nicht immer machen.“ Jüngst hat er Geschichten aus seinem Leben veröffentlicht. Titel: „Mir selbst auf ewig ein Rätsel“.

Was im Fernsehen heute besser als früher ist? „Ich finde die Streamingdienste wie Netflix und Amazon gut, da läuft ja gerade die Miniserie mit mir, ,Für umme‘. Die machen Gewinn und Qualität.“ Und es gebe tolle junge Regisseure, wie etwa in „Falk“. „Das sind alles so kleine Coen-Brüder. Wichtig ist, dass Inhalt drin ist. Ich mag keine Klischeerollen. Den unangepassten, freiheitsliebenden Typus, den ich verkörpere, der ist authentisch und den lieben die Leute auch an mir.“

Anruf bei „Falk“-Regisseur Peter Stauch (45). Wie war es, mit so einem Urgestein für eine Serie zu drehen? Stauch schwärmt. Semmelrogge sei ein „totales Unikum“. Beim Dreh sei er sehr gut vorbereitet gewesen. „Das ist echt, was er macht.“ Die Auseinandersetzung mit ihm lohnt sich aus seiner Sicht. „Wenn man ihn nicht schätzt, spürt er das sofort.“ Wenn Semmelrogge bei einem Regisseur eine Vision erkennt, ist er demnach voll dabei. Und: „Dieser Mann ist unfassbar komisch.“

Semmelrogge hat vieles gemacht: auch Trash-Fernsehen wie „Promi Big Brother“ und „Das Sommerhaus der Stars“. Wenn das „Dschungelcamp“ ihm eine Million geben würde: Na klar, auch dort würde er einziehen, sagt er. „Warum nicht? Damit kann ich viele schöne Sachen machen, aber das würden die nicht zahlen. Wichtig wäre, dass einer aus der Schauspielbranche mitmachen würde.“ Semmelrogge ist schon eine Weile im Geschäft. Die Leute erkennen ihn, besonders mit Corona-Maske, wie er erzählt. „Man konzentriert sich dann auf Stimmen. Da falle ich natürlich total auf.“

Wie er seinen Geburtstag feiern will? „Meine Frau wird mich bestimmt überraschen mit etwas kleinem Süßen. Ich werde ein bisschen mit der Harley fahren, wenn das Wetter gut ist, werde in mein Lieblingsrestaurant gehen, wo es eine tolle Salatbar gibt. Ich werde mit meinem Team essen gehen, vielleicht auch ins Kino. Ins Fitnessstudio gehe ich auch gerne.“ Er lebe eigentlich jeden Tag wie seinen Geburtstag. „Hauptsache ich bin gesund und bleibe gesund.“ Was er unbedingt noch sagen will: „Meine Frau macht den besten Erdbeer-Mascarpone-Gugelhupf. Sie ist mein Traum-Mädel.“ (Caroline Bock, dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare