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 Gesellschaftsspiele erleben in Corona-Zeiten einen  Boom.
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Gesellschaftsspiele erleben in Corona-Zeiten einen Boom.

Brettspiele

Das Spiel hat begonnen!

  • Alexander Kraft
    vonAlexander Kraft
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Im Pandemiejahr entdecken viele das Zocken für sich. Im Trend liegen sowohl kooperative Runden wie Solo-Partien. Ein Überblick zu den Neuheiten – pünktlich zur Weihnachtszeit.

Gesellschaftsspiele erleben in Corona-Zeiten einen unglaublichen Boom. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk sind sie seit jeher. Aber wer soll bei 1500 Neuheiten im Jahr den Überblick behalten? Die FR hat sich umgeschaut: Der große Trend 2020 sind kooperative Spiele. Das zweite Thema, wiewohl scheinbar völlig gegensätzlich, sind Solospiele. Diese treffen nicht nur den Zeitgeist all der Einsamen im Homeoffice. Sie haben auch mehr mit den „Koop’s“ gemein, als man denkt.

Der Begriff „Kooperative Spiele“ hat sich seit einigen Jahren eingebürgert. Alle gemeinsam stellen sich den Herausforderungen, die das Spiel in immer neuen Varianten aus der Schachtel zaubert. Bezeichnend für den Trend: Im Juli wurde mit „ Die Crew “ ein Karten-Stichspiel „Kennerspiel des Jahres“. Stiche machen kooperativ? Doch, das geht.

Das ist aber bei weitem nicht die abgefahrenste Idee. Man schaue sich nur mal das ein Quadratmeter große Wimmelbild von „ MicroMacro “ an. Oder aber „Ghost Adventures “: Bei dem Geschicklichkeitsspiel hat jede:r eine Spieltafel mit Vertiefungen. Der oder die Startende versetzt den kleinen Brummkreisel in Rotation, manövriert ihn um die Hindernisse auf seinem Brett – und lässt ihn aufs Tableau der oder des nächsten plumpsen. Aber auch „ Das verfluchte Puppenhaus “ ist ein Hingucker und funktioniert die ganze Schachtel zu einem spooky 3D-Puppenhaus um.

Micromacro

So genial das Spielprinzip der Koop’s ist, zwei Punkte sorgen immer wieder für Stirnrunzeln: Einzelne Spieler:innen neigen dazu, rabiat die Wortführung an sich zu reißen, dominieren den ganzen Tisch. Und in vielen Spielen gibt es die Anweisung, dass nur indirekte Kommunikation erlaubt ist. Gerade wenn man das Genre noch nicht kennt, mutet das seltsam an.

Die Erklärung: In vielen Koop’s übernimmt jede:r einen Charakter mit einzigartigen Fähigkeiten. Erst im präzisen Zusammenspiel entwickeln diese ihre Schlagkraft. Werden ihre Aktionen durch Karten gesteuert (was oft der Fall ist), darf man eben nicht verraten „Ich kann mich vier Felder bewegen“, oder „Ich verhau das Monster mit Stärke 5“. Erlaubt sind nur vage Andeutungen à la „Ich bin echt schnell“. Wie man diese komisch verklemmte Situation elegant umgeht, zeigen „ Switch&Signal “, vor allem aber das Spiel „ Paleo “.

Paleo

Wie aber bremst ein Spiel ein Alpha-Tier aus, das die ganze Runde zutextet? Den Anfang machte „ Magic Maze “: Bis zu acht Spieler:innen müssen unter Zeitdruck (Sanduhr) die Bewegung von vier Figuren koordinieren. Aber komplett ohne zu reden! Klingt durchgeknallt? Geht aber. Weshalb jetzt mit „ Magic Maze on Mars “ die dritte Variante vorliegt. Ebenfalls mit Sanduhren, gleich mehreren sogar, arbeitet „ Kitchen Rush “. Das fängt die Hektik in einer Restaurantküche ein – ganz klar: Wenn die Gäste toben, bleibt keine Zeit für Dominanzspielchen. Höchst bemerkenswert an all diesen Titeln: War Koop früher komplex, so erobert die neue Generation die Familienrunde. Auf „ Andor Junior “, einer Neuheit aus der beliebten „Andor“-Fantasywelt, steht sogar „Ab 7 Jahre“.

Doch auch für Viel- und Expertenspieler:innen gibt es spannendes neues Futter. Lang erwartet etwa die deutsche Version von „ Aeon’s End “: Bis zu vier Magier:innen wehren Monster ab. Der Kick ist, dass der Koop-Modus stimmig mit der Spielmechanik (Karten-)Deckbau verknüpft ist. Bereits den dritten Spin-Off legt der Koop-Klassiker schlechthin, „ Pandemie “, vor. Aber in „ Season 0 “ werden nicht weltweit Seuchen konzertiert bekämpft. Die Akteur:innen springen ins Jahr 1962, als CIA-Agent:innen im Kalten Krieg sollen sie die Sowjets und ihre Biowaffe stoppen – oder sind sie nur Marionetten von J.Edgar Hoover? Ein noch dickeres Kaliber ist „ Gloomhaven “, das in den USA als bestes Brettspiel aller Zeiten gilt. Mit dem Ableger „Die Pranken des Löwen “ wird dieser Hammer nun sehr viel zugänglicher gemacht.

Als eigene Koop-Klasse haben sich Rätsel-Spiele etabliert. Den Vogel schießt die an Escape-Room-Events angelehnte „ Exit “-Reihe mit zehn Millionen verkauften Exemplaren ab. Zur Einordnung: Als sehr gut gelten für Brettspiele 10 000 Stück. Beim Stichwort Rätseln sind Krimis nicht weit und die Baker Street liegt um die Ecke. Einer von Sherlock Holmes‘ Lieblingssprüchen: „Das Spiel hat begonnen!“ Den Meisterdetektiv haben gleich mehrere Verlage unter Vertrag genommen. Schön und ausgesprochen atmosphärisch gestaltet ist „ Sherlock Holmes: Beratender Detektiv “.

Frage an Dr. Watson: „Was, mein Lieber, haben nun diese Koop-Spiele mit Solospielen gemein?“ Schweigen. Genießerischer Zug an der Pfeife. „Ganz einfach: Ob allein oder zu mehreren – in beiden Fällen ist das Spiel der Gegner!“ (Es soll übrigens sehr viele geben, die, wie uns nicht Holmes, sondern die Presseabteilung von Kosmos verriet, ihr „Exit“ lieber solo lösen.)

Hallertau

Zurück ans Brett: Ein dezidiertes Solospiel ist zum Beispiel „Under falling Skies “, bei dem der US-Kinohit „Independance Day“ Pate stand. Klingt nach Ballerspiel, ist aber dank cleverer Würfelmechanik ein hübscher Hirnverzwirbler. Ganz irdisch kommt „ Hallertau “ daher: Uwe Rosenberg, einer der versiertesten Tüftler in der deutschen Autor:innen-Szene, knobelt seine komplexen Spiele gerne erst einmal mit sich selbst aus. Was vor 15 Jahren manieriert wirkte, hat längst Schule gemacht. Die dänische Spieleschmiede Automa Factory hat sich sogar darauf spezialisiert, überragende Titel mit einem Solo-Zusatz auszustatten (siehe die Spiele „Flügelschlag “, „Scythe “ oder „Gaia Project “).

All das ist bei einem Genre nicht notwendig: Puzzle. Sie sind im Corona-Jahr durch die Decke gegangen. 60 Prozent Zuwachs, im Handel waren die Regale im Sommer (!) teils leergefegt. Der Clou: Die komplett einfarbigen Puzzles der „Krypt “-Reihe von Ravensburger. 736 Teile monochrom in Schwarz, Gold, Silber oder jetzt auch Pink – da braucht’s ein ganz scharfes Auge für die Formen der Nasen, Ecken und Ausbuchtungen.

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