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Das Signal stand auf Rot

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Von: Patrick Guyton

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Die Unfallstelle ist inzwischen zur Bergung freigegeben. Balk/dpa
Die Unfallstelle ist inzwischen zur Bergung freigegeben. Balk/dpa © dpa

Beim Münchner S-Bahn-Unglück gilt ein Lokführer als Beschuldigter

Die Ursache für das S-Bahn-Unglück in Schäftlarn südlich von München am vergangenen Montag scheint festzustehen: Demnach zeigte das Signal auf dem Gleis in Richtung München Rot, es war also überfahren worden. Das sagte Steffen Küpper, Leiter der Verkehrspolizei, am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Er betonte aber, das sei der „derzeitige Stand der Ermittlungen“. Über den Gesamtverlauf des Unfalls lägen „noch keine stichhaltigen Ergebnisse“ vor.

Der Triebwagenführer wird nach Angaben von Anne Leiding, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, als Beschuldigter geführt. Der 54-Jährige liege noch schwer verletzt im Krankenhaus, ebenso der Kollege, der den anderen Zug gesteuert hat.

Der Beschuldigte hat sich einen Anwalt genommen und macht derzeit keine Angaben. Seine Wohnung wurde durchsucht und sein Handy beschlagnahmt. Beide Fahrer hatten keinen Alkohol im Blut. Die Sprecherin will sich aber noch nicht eindeutig äußern, ob es sich nun um menschliches oder technisches Versagen handelte.

Am vergangenen Montag waren auf der Strecke der S7 in Schäftlarn zwei S-Bahnen ineinandergefahren. Ein 24-jähriger Fahrgast wurde dabei getötet, es gab sechs Schwerverletzte, insgesamt mussten 18 Menschen stationär behandelt werden. In den beiden Zügen befanden sich 95 Menschen. Der Unglücksort liegt 20 Kilometer südwestlich von München, die S-Bahn-Strecke ist dort eingleisig.

Nach Angaben der Polizei hielt der Lokführer regulär am Bahnhof Ebenhausen. Auf der Weiterfahrt sei vermutlich ein Haltesignal überfahren worden. Dem 21-jährigen Zugführer der anderen S-Bahn wurde wegen des ungeplant entgegenkommenden Zuges ein Haltesignal gesendet, ebenso dem 54-Jährigen. Beide Züge wurden schnell gebremst. Am Ende reichte es nicht mehr, eine Bahn fuhr in die andere; die Züge verkeilten sich.

Die Ermittlungen dauern an, die Polizei hat eine achtköpfige Gruppe „S-Bahn“ gebildet. Nach Angaben von Leiding sei die Datenmenge, die bei dem Unglück gesichtet werden muss, „so groß wie bei einem Flugzeugabsturz“. Zur Frage des möglichen Strafmaßes für einen Unfallverursacher betonte die Sprecherin, dass „menschliches Versagen“ keine vorsätzliche Straftat sei. Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung wären hingegen denkbar.

Die Untersuchungen an der Unfallstelle sind abgeschlossen. Der Stuttgarter Gutachter Martin Will war schon da – ein in diesem Bereich bundesweit anerkannter Experte, der auch beim Zugunglück von Bad Aibling tätig gewesen war. Der Unglücksort ist mittlerweile freigegeben, die komplizierte Bergung der Züge beginnt nun. Laut Andreas Frank vom Technischen Hilfswerk (THW) kommen dabei Großkräne und ein Bergezug der Deutschen Bahn zum Einsatz.

Diskussion über Sicherheit

In Bayern ist aufgrund des Unglücks eine Diskussion über eingleisige Strecken und deren Gefahren entbrannt. Ein Drittel des Netzes der 50 Jahre alten Münchner S-Bahn ist eingleisig. Sie wird von der Deutschen Bahn betrieben. Viele andere Strecken in Bayern sind auch eingleisig. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fordert, dass ein zweigleisiger Ausbau jetzt „dringend geprüft“ werden müsse. Nach Aussage von Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) seien eingleisige Strecken nicht gefährlicher als zweigleisige.

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