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Lake Charles: ein umgestürzter Container, Trümmer liegen umher.

Hurrikan

Das Pfeifen vor dem Sturm

Mit einem lauten Ton kündigt sich „Laura“ an, dann zieht der Hurrikan über Louisiana. Die ganz große Katastrophe bleibt bisher aus.

Hurrikan „Laura“ hat schwere Schäden an der US-Küste am Golf von Mexiko angerichtet und bewegt sich mit heftigen Winden weiter ins Landesinnere. Mindestens sechs Menschen starben durch den Sturm bisher. Vier von ihnen kamen ums Leben, weil Bäume auf Häuser stürzten, wie der Gouverneur des Staates Louisiana, John Bel Edwards, sagte.

„Laura“ war am Donnerstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern pro Stunde auf das Festland der USA getroffen. Die Wucht des Sturms deckte Dächer zahlloser Gebäude ab, riss Fassaden von Häusern weg und ließ Strommasten umknicken. Meerwasser überflutete die Küste weit bis ins Landesinnere.

Eine Person war im Sturm auf einem Boot und ertrank, eine weitere starb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung, ausgelöst durch einen Notstrom-Generator, wie die Behörden in Louisiana mitteilten. Das Stromnetz habe erheblichen Schaden genommen, sagte Edwards, machte aber zugleich klar, dass die Behörden insgesamt ein schlimmeres Szenario befürchtet hätten.

„Es ist klar, dass wir keinen absolut katastrophalen Schaden erlitten haben“, so Edwards. Das Leben Abertausender Bürgerinnen und Bürger sei jedoch auf den Kopf gestellt worden. US-Präsident Donald Trump kündigte beim Besuch der Zentrale der Katastrophenschutzbehörde Fema an, dass er wahrscheinlich am Wochenende in die betroffenen Gebiete reisen wolle.

Ein Pfeifton sei zu hören gewesen, als Hurrikan „Laura“ über die Stadt Sulphur in Louisiana zog, schrieb der Hurrikan-Jäger Josh Morgerman in den frühen Morgenstunden auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Auf einem seiner Videos ist zu sehen, wie der Sturm die Regenmassen vor sich her peitschte – im Licht einer Straßenlaterne sah das aus wie schnell ziehende Nebelschwaden.

Menschen wie Morgerman begeben sich ungeachtet der Warnungen in die unmittelbare durch die Stürme verursachte Gefahr. Die Behörden hatten die Menschen angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. Je näher der Sturm gekommen war, desto eindringlicher wurden die Warnungen.

„Gehen Sie jetzt in Deckung“, schrieb das Nationale Hurrikanzentrum schließlich. Es handele sich um eine „lebensbedrohliche Situation“. Der Sturm war am Mittwoch mit zunehmender Stärke auf die US-Küste zugerast.

Der Hurrikan klinge wie „ein dröhnendes Düsentriebwerk“, beschrieb auch ein Reporter des Fernsehsenders CNN die Situation in Lake Charles im südlich gelegenen Bundesstaat Louisiana. Der Hurrikan habe selbst die stabilsten Gebäude in der Gegend regelrecht erzittern lassen, Glasscherben seien durch die Luft geflogen. Im nahe gelegenen Westlake brannte am Donnerstag eine Chemie-Fabrik.

Von der örtlichen Polizei hieß es, es habe ein Chlorgasleck gegeben. Die Anwohnerinnen und Anwohner mussten weiterhin in ihren Häusern bleiben. „Laura“ schwächte sich indes über dem Festland am Donnerstag wie erwartet relativ zügig ab – blieb allerdings weiterhin gefährlich.

Der Wirbelsturm hatte über ungewöhnlich warmem Meerwasser rasch an Kraft gewonnen und war am Mittwoch innerhalb weniger Stunden von Kategorie zwei auf Kategorie vier hochgestuft worden. Damit war „Laura“ der erste sehr starke Hurrikan der Saison. Die US-Klimabehörde NOAA rechnet damit, dass 2020 ein Rekordjahr für Wirbelstürme werden könnte. Erwartet werden 19 bis 25 Stürme, von denen sieben bis elf Hurrikans werden könnten. (dpa)

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