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Das Bremsen war brenzlig

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Alles eins: Der Rekordzug, der sich am Samstag durch Graubünden schlängelte, war knapp zwei Kilometer lang. Yanik Buerkli/KEYSTONE/dpa
Alles eins: Der Rekordzug, der sich am Samstag durch Graubünden schlängelte, war knapp zwei Kilometer lang. © Yanik Buerkli/dpa

Ansonsten hat beim Eisenbahn-Weltrekord in der Schweiz alles bilderbuchmäßig geklappt.

Ein fast zwei Kilometer langer Zug, eine malerische Strecke und fantastisches Wetter: Mit diesen Zutaten hat die Rhätische Bahn in der Schweiz am Samstag Eisenbahn-Geschichte geschrieben. Mit 25 aneinandergehängten vierteiligen Triebzügen haben die Lokführer:innen auf einer knapp 25 Kilometer langen Strecke in Graubünden einen Weltrekord aufgestellt.

Seyda Subasi, Rekordrichterin beim „Guinness-Buch der Rekorde“, hat den Zug am Freitag vermessen lassen. Weil unter ihren strengen Augen alles funktionierte, kommt die Rhätische Bahn nun mit dem „längsten Reisezug der Welt auf Schmalspur“ in das Guinness-Buch der Rekorde. Mit dem Spektakel wollte die Rhätische Bahn einen Beitrag zum Jubiläum anlässlich des 175-jährigen Bestehens der Schweizer Bahnen SBB leisten.

Der Höhepunkt der Fahrt kam ganz zum Schluss, um 15.34 Uhr: Da hat der Weltrekordzug das legendäre Landwasserviadukt überquert. Die 120 Jahre alte Brücke aus Kalkdolomit mit sechs Bögen führt in einer Kurve über das Landwassertal. Das Viadukt ist rund 140 Meter lang und 65 Meter hoch und eines der berühmten und viel fotografierten Wahrzeichen Graubündens und der Rhätischen Bahn.

Wie eine Schlange zog der Zug sich durch die sonnige, herbstliche Berglandschaft. An einigen Stellen fuhren die vorderen Triebzüge direkt unter den hinteren durch, die noch eine Kehre fahren mussten. Herausforderung war die Koordination: Die Lokführer mussten genau gleichzeitig beschleunigen oder bremsen, um den etwa 3000 Tonnen schweren Zug genau auf Spur zu halten, wie die Rhätische Bahn erklärte. Dafür hat das Militär ein Feldtelefon mit Kabel vom ersten bis zum letzten Triebwagen zur Verfügung gestellt. Denn weder per Funk noch Handy hätte wegen der vielen Tunnel auf der Strecke sonst überall gleichzeitig Empfang gewährleistet werden können.

Kommandos aus Zug eins

Den Ablauf der Bremsmanöver erklärte Lokführer Christoph Benz auf Blick-TV: Das Kommando habe Projektleiter Peter Klima im ersten Führerstand jeweils gegeben. Zum Beispiel: „Achtung: wir bremsen jetzt mit 20 Prozent Bremsenergie. Drei, zwei, eins – BREMSEN!“

Der Zug fuhr mit 35 Kilometern in der Stunde auf der Unesco-Weltkulturerbestrecke zwischen Thusis und St. Moritz. Die Strecke von Preda über Bergün und über das Landwasserviadukt führte über Brücken und durch Kehrtunnel, die an der Strecke nötig sind, um auf kleinem Raum große Höhenunterschiede zu überwinden. Es ging auf den knapp 25 Kilometern insgesamt 789 Höhenmeter abwärts.

Die Rhätische Bahn sagt übrigens, ihres Wissens habe es noch nie einen längeren Reisezug gegeben. Der Zusatz „auf Schmalspur“ war nötig, weil in der Kategorie „längster Personenzug“ als Bedingung vorgesehen ist, dass nur eine Zugmaschine Waggons zieht. „Da unsere Weltrekord-Komposition mit 25 vierteiligen Triebzügen nicht mit einem lokbespannten Zug mit angehängten Wagen vergleichbar ist, findet der Rekord in einer neuen Kategorie statt: Längster Reisezug der Welt auf Schmalspur“, sagte Yvonne Dünser von der Rhätischen Bahn. (Christiane Oelrich, dpa)

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