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Hanfparade für eine Legalisierung von Cannabis: „Vor allem die Jugendlichen fühlen sich beim Thema Cannabis nicht mehr von der Politik verstanden und vertreten“, meint die Drogenbeauftragte.

Cannabis-Legalisierung

„Es darf nicht um Ideologie gehen“

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Warum sich die Drogenbeauftragte Daniela Ludwig sich des Themas Cannabis „ohne Scheuklappen“ und ohne Zeitdruck annehmen will.

Daniela Ludwig (CSU) ist Juristin und seit einem Monat neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Frau Ludwig, angesichts des weltgrößten kollektiven Besäufnisses auf dem Oktoberfest stellt sich die Frage: Darf Bayern, darf die CSU die Drogenbeauftragte der Bundesregierung stellen?
Freilich. Wir haben in Bayern eine lange Tradition mit Volksfesten. Und ja, da wird Bier getrunken. Aber das Problem sind doch nicht die Feste, das Problem sind diejenigen, die ihre Grenzen nicht kennen, die im Alltag ein Problem mit Alkohol oder Drogen haben. Im Übrigen wird es schwerfallen, Politiker aus anderen Bundesländern zu finden, die mit solchen Festen gar nichts zu tun haben.

Wollen Sie bei Cannabis die harte Linie Ihrer Vorgängerin fortsetzen oder sind Sie für eine Freigabe?
Es gibt beim Thema Cannabis kein Schwarz oder Weiß, kein Entweder-oder. Sowohl diejenigen, die weiter für ein hartes Durchgreifen eintreten, als auch die Verfechter einer totalen Freigabe sollten erkennen, dass es nicht um das Rechtbehalten geht, sondern um eine Antwort auf die Frage: Was hilft am Ende der Gesundheit?

Das heißt?
Ich werde mir zum Beispiel auch anschauen, wie andere Staaten damit umgehen, etwa Portugal.

Daniela Ludwig (CSU) ist neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Dort ist der Besitz von Cannabis für den Eigenbedarf nur noch eine Ordnungswidrigkeit. Könnte eine derartige Entkriminalisierung ein Weg sein?
Ich will zuerst alle Seiten anhören. Es liegt aber auf der Hand, dass wir uns um diese Frage kümmern müssen. Vor allem die Jugendlichen fühlen sich beim Thema Cannabis nicht mehr von der Politik verstanden und vertreten. Ich plädiere hier für ein Herangehen ohne Scheuklappen. Es darf nicht um Ideologie gehen, sondern einzig um den Schutz der Gesundheit.

Haben Sie einen Zeitplan?
Alle zerren an mir, aber ich will mich von keiner Seite unter Druck setzen lassen. Es gibt andere Probleme, die wir jetzt ganz schnell lösen müssen.

Was ist das aus Ihrer Sicht?
Wir brauchen sehr schnell die Ausweitung des Tabakwerbeverbots. Mit Werbeplakaten an Bushaltestellen und in Kinospots werden von der Tabakindustrie ganz gezielt Jugendliche angesprochen. Wir wissen aus Studien, dass das verfängt. Es ist blamabel, dass Deutschland das letzte Land in der EU ist, wo diese Werbung noch uneingeschränkt erlaubt ist. Sie muss weg.

In der Union gibt es Versuche, E-Zigaretten auszunehmen. Unterstützen Sie das?
Ich fordere ein Werbeverbot für alle Rauchprodukte – egal, ob herkömmliche Zigarette, E-Zigarette, Verdampfer oder Erhitzer, egal ob mit Tabak und Nikotin oder ohne. Wir brauchen bis zum Jahresende eine klare Regelung, die keinerlei Schlupflöcher lässt. Es geht um den Schutz der Jugend. Da müssen andere Argumente hinten angestellt werden.

Interview: Tim Szent-Ivanyi

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