Dalai Lama

Ein Heiliger ohne Land - Vor 80 Jahren bestieg der Dalai Lama den Thron von Tibet

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Am 22. Februar 1940 bestieg der 14. Dalai Lama als kleiner Junge den Thron in Tibet. Seither trägt er die Botschaft des Friedens in die Welt – und ist dabei nicht unumstritten. Seine Nachfolge will ausgerechnet Chinas Regierung bestimmen.

  • Am22.02.1940 bestieg der Dalai Lama den Thron
  • Er ist Botschafter des Friedens
  • Seine Nachfolge ist unklar

Trotz seiner 84 Jahre ist der Dalai Lama selbstverständlich auch auf den sozialen Netzwerken unterwegs. Zuletzt sprach er am Montag zu seinen 19,3 Millionen Followern auf Twitter: „Der Sinn des Lebens ist es, glücklich zu sein. Das ist es, was alle Menschen gemein haben“, schreibt er dort. Viele würden das Glück außerhalb ihrer selbst suchen, in materiellen Dingen. Doch letztlich komme das wahre Glück von innen: „Von der Barmherzigkeit und der Sorge um Mitmenschen“.

Am Samstag (22. Februar 2020) ist es 80 Jahre her, dass er den Thron des religiösen Oberhaupts der Tibeter bestieg. Längst ist der Dalai Lama zu einer Art spirituellem Superstar geworden. Zweifelsohne ist er das populärste Gesicht des Buddhismus, der Friedensnobelpreis 1989 machte ihn weltberühmt.

Geboren wurde der 14. Dalai Lama am 6. Juli 1935 als Lhamo Thondup in einem kleinen Bergdorf im Nordosten Tibets. Bereits mit zwei wurde der aus einer Bauernfamilie stammende Junge als Reinkarnation des 13. Dalai Lama auserkoren und mit vier in sein Amt gehoben. Als der Dalai Lama 15 wurde, marschierte die chinesische Armee unter Mao Tse-tung nach Tibet ein und beanspruchte das Gebiet für die Volksrepublik. Für die nächsten neun Jahre führte er Gespräche mit Mao über die Zukunft Tibets. Die Verhandlungen kamen jedoch zu einem vorschnellen Ende, als die chinesische Volksbefreiungsarmee im März 1959 einen Aufstand der Tibeter niederschlug.

Dalai Lama: Flucht zu Fuß 

Der Dalai Lama floh vor einer möglichen Verhaftung zu Fuß nach Indien. In der nördlichen Stadt Dharamsala am Fuße des Himalaya-Gebirges ließ er sich nieder, gefolgt von 80 000 Tibetern. Die indische Regierung gewährte ihm Asyl. Noch heute lebt er dort in einem Haus, wo er ein vergleichsweise bescheidenes Leben führt und täglich Pilgern seinen Segen gibt. Von Weggefährten wird der Dalai Lama als radikal uneitel, herzlich und bescheiden beschrieben. „Ich habe Vertrauen in euch“, lauten die ersten Worte seines vor einer Woche erschienenen Buchs. Der spirituelle Appell richtet sich vor allem an die Jugend: „Ich trage die tiefe Überzeugung in mir, dass eure Generation in der Lage ist, das neue Jahrhundert in ein Jahrhundert des Friedens und des Dialogs zu überführen. Dass ihr in der Lage seid, die Menschheit wieder zu einen, mit sich selbst und mit ihrer Umwelt.“

Dalai Lama - seine wichtigsten Stationen

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Dieses Bild des Dalai Lama als Kind entstand vermutlich Ende der 30er Jahre. © AFP
Der Dalai Lama 1959, sechs Monate nach seiner Flucht ins indische Exil. © AFP
Beim ersten Treffen mit Indiens Permier Jawaharlal Pandit Nehru in Neu Delhi. © AFP
Bei der Verleihung des Friedensnobelpreises im Dezmeber 1989 in Oslo. © AFP
August 1999 in New York: Schauspieler Richard Gere trifft den Dalai Lama. © AFP
Mai 2008 in London: Der Dalai Lama erhält eine Ehrendoktorwürde. © AFP
Februar 2012: Bei der tibetischen Neujahrsfeier im Tsuglakhang Tempel. © AFP
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Teilnehmer einer „Free Tibet“-Kundgebung in Paris, November 2010. © AFP

Trotz solch versöhnlicher und zuversichtlicher Botschaften hält ein Teil der Tibeter dem Dalai Lama vor, in seiner stets höflichen und friedfertigen Art mache er den chinesischen Besatzern zu viele Zugeständnisse. Und während die Aufmerksamkeit hiesiger Medien gegenüber der Tibet-Frage in den vergangenen Jahren deutlich gesunken ist, haben sich aus Protest gegen die chinesische Regierung und deren Siedlungspolitik in der zurückliegenden Dekade mehr als 150 Tibeter selbst verbrannt.

Dalai Lama: Seine politische Linie ist der Kompromiss

2011 hat sich der Dalai Lama bereits aus dem politischen Geschäft als Exilpräsident der Tibeter zurückgezogen, um ein demokratisches System einzuführen. Seither führt der 51-jährige Lobsang Sangay die Exilregierung an, die allerdings von keinem Staat der Welt anerkannt wird. Seine politische Linie ist der Kompromiss: Man bestehe zwar darauf, dass Tibet niemals Teil Chinas war, strebe aber keine Unabhängigkeit an, sondern „echte Autonomie“ innerhalb der Volksrepublik.

Mit Spannung blicken die Tibeter nun auf die Nachfolge des Dalai Lama. Bislang war es Usus, dass die Wiedergeburt mit Hilfe einer Delegation gefunden wird. Der Dalai Lama selbst hat bereits angekündigt, mit 90 Jahren einen Brief zu verfassen, der genaue Anweisungen enthalten wird. 

Dalai Lama: Chinas Einmischungsversuche nahm er stets mit Humor

Dabei hat er Ende Januar auch Rückendeckung aus den USA bekommen: Die Abgeordneten des Repräsentantenhauses haben sich in einem Gesetz für Sanktionen gegen chinesische Regierungsvertreter ausgesprochen, die sich in die Nachfolge des Dalai Lama einmischen. Laut der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, wolle man die chinesische Regierung dazu bewegen, den vor einem Jahrzehnt abgebrochenen Dialog mit dem Dalai Lama wiederaufzunehmen. Man unterstütze zudem „das Recht des tibetischen Volkes auf Religionsfreiheit und echte Autonomie“.

Der Dalai Lama selbst hat auf die Einmischungsversuche der Kommunistischen Partei stets mit Humor reagiert: „Wenn sie es mit meiner Reinkarnation ernst meinen, dann sollen sie zuerst die Wiedergeburt von Mao Tsetung finden“, sagte er einst.

Sein 80. Thronjubiläum wird er nicht im großen Rahmen feiern. Aufgrund der Coronavirus-Epidemie hat der Dalai Lama den Ratschlag seiner Ärzte befolgt – und alle öffentlichen Auftritte vorerst abgesagt.

Rubriklistenbild: © afp

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