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Als Täter in „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“ 2001.
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Als Täter in „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“ 2001.

Christoph Waltz

Christoph Waltz zum Geburtstag: Da geht noch was

  • Tanja Kokoska
    VonTanja Kokoska
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Jaja, Hollywood ist toll. Wenn man Erfolg hat. Den hat Schauspieler Christoph Waltz seit Jahren. Doch es gibt gute Gründe für ihn, zurück nach Deutschland zu kommen. Ein Comeback-Aufruf zum 65. Geburtstag.

„Was soll ich denn in Hollywood? Selbst in einer Multimillionen-Dollar-Produktion dürfte ich nur hinten durchs Bild laufen und ,Heil Hitler‘ schreien. Ich bin seit 20 Jahren Schauspieler, wenn ich jetzt nach Amerika gehe, kennt mich dort keine Socke.“ Fast auf den Tag genau 25 Jahre ist es her, dass Christoph Waltz dies im Interview mit der „Saarbrücker Zeitung“ sagt. Damals ist er 40, hat gerade die Hauptrolle in dem Fernsehfilm „Du bist nicht allein – Die Roy Black Story“ gespielt, die Kritik ist begeistert. Wie sie oft begeistert ist von ihm. Aber der Durchbruch bedeutet auch diese Rolle für ihn nicht, wieder nicht. Hollywood, das ist damals tatsächlich so meilenweit entfernt wie es ein Auftritt von Roy Black alias Gerhard Höllerich in der Mailänder Scala gewesen wäre.

Dabei ist das schon damals nur schwer zu verstehen. Längst ist offenkundig, dass Christoph Waltz, geboren am 4. Oktober 1956 in Wien, ausgebildet ebendort am Max-Reinhardt-Seminar, ein Meister seiner Kunst ist. Wer ihn einmal sieht, hat keine Chance, ihn zu vergessen. Zu markant das Gesicht, das Kinn, der spöttisch gekippte Mundwinkel. Der eigene Ton, mit dem er die Worte spricht, sein weiches D, sein plaudernder Singsang. Seine Gestik. Und vor allem auch seine Gabe, den Abgrund, der in einem Menschen klafft, mit einem Wimpernschlag aufscheinen zu lassen. Bei aller Unverwechselbarkeit tritt er doch völlig hinter seiner Rolle zurück.

Christoph Waltz hat die Fähigkeit, verschwinden zu können

Diese Ähnlichkeit! „Du bist nicht allein – Die Roy Black Story“ 1996.

Diese Fähigkeit, verschwinden zu können und zugleich präsent zu sein, besitzen nicht viele. Christoph Waltz spielt sie immer aus, mit fast unverschämter Leichtigkeit, egal, wie klein sein Part in einem Film ist. Und wird dafür Jahre, Jahrzehnte, in denen er in Deutschland dreht, nicht belohnt. (Vielen dürfte er zu diesem Zeitpunkt vor allem als derjenige bekannt sein, der in der 100. Folge des ZDF-Krimi-Dauerbrenners „Der Alte“ Kommissar Erwin Köster alias Siegfried Lowitz in den Bauch schießt und tödlich verletzt. Die Ermordung eines Lieblingsermittlers der Deutschen, ein Frevel!)

Christoph Waltz wird nicht in einem Atemzug mit den Großen genannt

Fünf Jahre später ist Waltz wieder der Täter, diesmal im TV-Drama „Der Tanz mit dem Teufel – Die Entführung des Richard Oetker“. Wieder bekommt er, völlig zu Recht, furiose Kritiken. Und wieder ändert sich für ihn nichts. Er bleibt chronisch unterfordert und weitgehend festgelegt als „Psychopath des deutschen Films“ („Badische Zeitung“). Es ist wie verhext: Er kann so brillant spielen, wie er will, in einem Atemzug mit den „Großen“ wird er nicht genannt. Die deutschen – und österreichischen – Namen, die man auch in Hollywood kennt, sind Klaus Maria Brandauer, Armin Mueller-Stahl oder Jürgen Prochnow.

Der internationale Durchbruch: In Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ 2009.

Waltz macht immer unverblümter deutlich, dass er den deutschen Kulturbetrieb verachtet. „Es schmerzt über die Maßen, wie hier Möglichkeiten vergeigt werden“, sagt er. „Die Auswahl an guten Rollen ist nicht groß.“ Er begnügt sich, notgedrungen, mit Fernsehrollen, die oft weit unter seinem Niveau bleiben: „Schöne Witwen küssen besser“, „Die Zürcher Verlobung“, „Weihnachtsmann gesucht“ und immer wieder Auftritte in Krimi-Reihen. Man mag sich lieber nicht ausmalen, mit welcher Miene er die Drehbücher liest, wie er mit sich ringt, ob er annehmen soll oder nicht. Aber auch er muss Geld verdienen, so simpel.

Und dann kommt Hollywood.

Quentin Tarantino castet Christoph Waltz

US-Regisseur Quentin Tarantino castet 2008 deutsche Schauspieler für seinen Film „Inglourious Basterds“. Darunter auch Ulrich Tukur. Er sollte, sagt Tukur der „Berliner Morgenpost“, „einen bösen Nazi spielen, der widerborstig ist“. Klar, böse Nazis, wer denkt da nicht an ihn. Aber es klappt nicht, die Rolle bekommt ein anderer. „Das“, sagt Tukur, „macht jetzt Christoph Waltz“. Es geht um weit mehr als um Hinten-durchs-Bild-Laufen und „Heil Hitler“-Schreien. Waltz spielt den SS-Standartenführer Hans Landa, den „Judenjäger“, mit grauenerweckender Grandezza, er parliert mühelos in vier Sprachen und lächelt dazu so diabolisch harmlos, wie nur er lächeln kann, mit der verstörenden Aura eines hochintelligenten Killers. „Das“ wird, endlich, der lang ersehnte Triumph. Goldene Palme, Golden Globe, British Academy Award, Oscar. „Für diese Rolle“, sagt Christoph Waltz, „hat es sich gelohnt, Schauspieler geworden zu sein.“

Oscar Nummer zwei, wieder ein Tarantino-Film: „Django Unchained“ 2012.

Er ist dort angekommen, wo er immer hinwollte. Es folgen der nächste Tarantino, „Django Unchained“, der nächste Erfolg, der nächste Golden Globe, der nächste Oscar. Hollywood schaut auf diesen Deutschen, der ein Österreicher ist, mit nachlassender Verwunderung, längst kennt ihn „jede Socke“. Er ist eingemeindet, einer von ihnen, von denen, die ganz oben sind. Er dreht mit Terry Gilliam, Tim Burton, David Yates. Er spielt an der Seite von Jodie Foster, Kate Winslet, Judi Dench, Matt Damon. Er ist sogar – der Ritterschlag – der Bond-Bösewicht. Er wird „Saturday Night Live“-Gastmoderator und Cannes-Juror und bekommt einen Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles. Mehr geht nicht?

Ein Stern, der seinen Namen trägt: Christoph Waltz auf dem Walk of Fame in Los Angeles 2014.

Vielleicht nicht „mehr“. Aber noch anderes. Was wäre, wenn Christoph Waltz sich auf seine etwas älteren Tage auf den deutschen Kulturbetrieb zurückbesinnen würde, den er einst so geringgeschätzt hat? Es gäbe mindestens einen guten Grund dafür, und er wohnt doch ohnehin schon in Berlin, wenn er nicht in Los Angeles ist. Dann würden wir, vielleicht, endlich einen Film von der großartigen Maren Ade („Toni Erdmann“) mit ihm in der Hauptrolle sehen, sehr gerne an der Seite von Birgit Minichmayr, auch eine Österreicherin. Das wäre ein Geschenk. Und das, lieber Christoph Waltz, wünschen wir uns jetzt einfach zu Ihrem Geburtstag.

„Sie sind also Ihrer Auffassung nach alles andere als genial?“, fragt ihn die Süddeutsche Zeitung vor fast genau 20 Jahren. Er antwortet: „Richtig. Aber ich bin noch zu retten.“ Wie Recht er da doch hat. Alles Gute! (Tanja Kokoska)

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