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Bei Kindern kann eine Corona-Infektion ein multisystemisches Entzündungssyndrom auslösen. (Symbolbild)
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Bei Kindern kann eine Corona-Infektion ein multisystemisches Entzündungssyndrom auslösen. (Symbolbild)

Studie

Neue Corona-Studie: Britische Mutante breitet sich unter Kindern schneller aus – Mit gefährlichen Spätfolgen

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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  • Ines Alberti
    Ines Alberti
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Immer mehr Kinder infizieren sich mit dem Coronavirus – auch in Deutschland. Neue Studien könnten der Debatte um Schulöffnungen neuen Antrieb geben.

  • Das „multisystem inflammatory syndrome“ bei Kindern (MIS-C) steht in der Verbindung mit Corona-Infektionen.
  • Symptome wie Fieber und hohe Entzündungswerte deuten auf MIS-C hin.
  • In schlimmen Fällen müssen Kinder auf die Intensivstation im Krankenhaus.

Update vom Freitag, 26.03.2021, 08.45 Uhr: Kinder und Jugendliche sind die vergessenen Opfer der Corona-Pandemie. Die gefährliche Corona-Mutante B.1.1.7 hat Deutschland fest im Griff. An vielen Stellen soll gelockert werden – gerade in den Schulen. Dabei verzeichnet das Robert Koch-Institut gerade jetzt einen Anstieg der Fallzahlen im jüngeren Teil der Gesellschaft. „Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zu beobachten, wo sich die Sieben-Tage-Inzidenzen in den letzten vier Wochen mehr als verdoppelt haben“, berichtet das RKI in seinem Wochenbericht.

Was erschreckend klingt, hat sich inzwischen bewahrheitet. Wie der „Spiegel“ berichtet, ist die Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen bis zu 14 Jahren auf 110 gestiegen – also 110 Kinder auf 100.000 Einwohner. Somit hätten sich die Fallzahlen in den vergangenen fünf Wochen beinahe verdreifacht. In Hessen wurde diese Tatsache jüngst durch Schulschließungen im Kreis Hersfeld-Rotenburg bestätigt, in dem sich zahlreiche Kinder mit Covid-19 infiziert hatten. Gerade durch die gefährlichere Corona-Mutante leiden viele jüngere Covid-Patienten am sogenannten „Pims“, einer Spätfolge einer Infektion mit Covid-19. Dabei können die Patienten irregeleitete Immunreaktionen bekommen, es kann auch zu Organ- und Blutgefäßentzündungen kommen.

Corona in Deutschland: Analyse untersucht Ausbreitung von Covid-19 bei Kindern

Der „Spiegel“ zitiert eine Schlagzeile einer belgischen Zeitung, die einen Artikel mit „Die Hälfte der Intensivpatienten an der Genter Uniklinik sind jünger als 48“ betitelte. Außerdem sollen die Patienten „schneller als zuvor schwere Symptome“ infolge einer Covid-19-Erkrankung entwickelt haben. Die britische Mathematikerin Sarah Rasmussen hat nun eine Analyse veröffentlicht, die belegen soll, dass sich die britische Corona-Mutante bevorzugt unter Kindern verbreitet.

Dass dies auch in Deutschland bereits Realität ist, bestätigt das RKI, in dem es „insbesondere private Haushalte, zunehmend auch Kitas, Schulen und das berufliche Umfeld“ als Corona-Hotspots ausweist. Bisher sind Kinder zwar kaum schwer mit dem Coronavirus erkrankt oder mussten in einer Klinik behandelt werden. Daher spielen sie besonders als Überträger der Krankheit eine Rolle. Allerdings gilt es hier zu berücksichtigen, dass die Erkenntnis über die hohe Ansteckungsrate unter Kindern mit der britischen Mutante noch recht jung ist – und daher weitere Daten erhoben werden müssen. Lars Schaade, Vizepräsident des RKI, warnte jedoch in der vergangenen Woche: „Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern. Sie werden jünger.“

Covid-19 bei Kindern: Infektion kann gefährliches Entzündungssyndrom auslösen

Erstmeldung vom Donnerstag, 04.03.2021, 16.03 Uhr: Kinder gelten in der Corona-Pandemie generell als weniger gefährdet als Erwachsene. Sie sind oftmals asymptomatisch und haben selten schwere Verläufe von Covid-19. Allerdings kann mit einer Sars-CoV-2-Infektion ein multisystemisches Entzündungssyndrom auftreten, wie eine Studie beschreibt, die im „British Medical Journal“ (BMJ) veröffentlicht wurde. Im schlimmsten Fall müssen daran erkrankte Kinder intensivmedizinisch behandelt werden.

Drei Grundschülerinnen in einem Gymnasium in Kiel. Immer mehr Kinder in Deutschland infizieren sich mit dem Coronavirus.

Das „multisystem inflammatory syndrome in children“, kurz MIS-C, kann sich dem Bericht im „BMJ“ zufolge zwei bis sechs Wochen nach einer Sars-CoV-2-Infektion eines Kindes entwickeln. Hauptsächlich seien Kinder im Schulalter betroffen (Medianalter: 8 Jahre), aber es seien auch Fälle von MIS-C im Säuglings- und jungen Erwachsenenalter bekannt. Folgende Symptome können auf das Entzündungssyndrom hindeuten:

Entzündungssyndrom durch Corona bei Kindern: Symptome im Überblick

  • Fieber länger als 24 Stunden
  • Erhöhte Entzündungswerte
  • Funktionsstörung von mindestens zwei Organen (etwa Herz, Haut, Magen und Darm, Nieren, Atemwege, Blut, neurologische Bereiche)
  • Keine plausible alternative Diagnose
  • Nachgewiesene Corona-Infektion oder enger Kontakt zu einer infizierten Person innerhalb von vier Wochen vor Beginn der MIS-C-Symptome

Am Häufigsten seien bei dem Entzündungssyndrom Fieber und Magen-Darm-Symptome wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall sowie Veränderungen an Schleimhäuten, etwa Hautausschlag oder Bindehautentzündung. Auch neurologische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Steifigkeit der Nackenmuskulatur können mit MIS-C einhergehen. Bei einem Verdacht sollten laut „BMJ“ im Labor Anzeichen für Entzündungen, Herz- und andere Organfunktionsstörungen untersucht werden.

Entzündungssyndrom in den USA: Mehr Jungs als Mädchen betroffen

In 99 Prozent der in den USA gemeldeten Fälle von MIS-C ging eine Corona-Infektion dem Entzündungssyndrom voraus, wie die Centers for Disease Control and Prevention in den USA herausfanden. Außerdem seien dort mehr als der Hälfte der bekannten Fälle (58%) Jungen betroffen. Bei Kindern der ethnischen Gruppen Hispanic/Latino und Schwarz tritt das Syndrom der Datenlage zufolge zudem häufiger auf.

Das Entzündungssyndrom endet bislang in den wenigsten Fällen tödlich (2-4%), wie die Studie im „BMJ“ preisgibt. Allerdings werden Kinder in 64 bis 80 Prozent der Fälle intensivmedizinisch behandelt und in bis zu 30 Prozent der Fälle beatmet.

Corona: Entzündungssyndrom bei Kindern ist äußerst sehr selten

Insgesamt stuft das „BMJ“ MIS-C als seltene Komplikation von Sars-CoV-2 ein. Ein wissenschaftlicher Bericht von Mai 2020 aus 26 Ländern legt eine Inzidenz von 0,14 Prozent der Fälle bei Kindern mit Corona-Infektion nahe. „Diese geschätzte Inzidenz könnte ungenau sein aufgrund einer potenziellen generellen Unterschätzung von Sars-CoV-2-Infektionen bei Kindern“, schreibt das „BMJ“. Allerdings warnt die Fachzeitschrift: „Auch wenn es selten ist, ist MIS-C eine kritische Diagnose, die man bei jedem Kind mit Fieber, Anzeichen von Entzündung und Organdysfunktionen an Orten, wo es Covid-19 gibt, in Betracht ziehen sollte“, schreibt das „BMJ“.

Eine schnelle Behandlung des Entzündungssyndroms MIS-C mit Antikörpern und Steroiden könne Entzündungen hemmen und den Ausgang abschwächen. Um ein MIS-C zu verhindern, gilt es laut „BMJ“, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Maßnahmen wie das Tragen von Masken, Händewaschen und Social Distancing seien dafür nach wie vor wichtige Faktoren. (Ines Alberti)

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