Wenn der Coronavirus einen Strich durch die Rechnung macht, sieht der Experte Konzert-Veranstalter in der Pflicht, das Geld für die Tickets zu erstatten - oder einen Ausweichtermin anzubieten.
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Wenn der Coronavirus einen Strich durch die Rechnung macht, sieht der Experte Konzert-Veranstalter in der Pflicht, das Geld für die Tickets zu erstatten - oder einen Ausweichtermin anzubieten.

Absagen

Coronavirus: Wenn ein Konzert ausfällt ...

  • vonChristoph Holand
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Viele Veranstalter sind in der Pflicht, Ticketkosten zu erstatten, bei Hotels ist es komplizierter.

Messen, Konzerte und andere Veranstaltungen fallen aus. Was passiert mit den Eintrittskarten, Zugtickets oder Hotelbuchungen? Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wann bekommt man Geld für Tickets zurück?

„Grundsätzlich sind die Veranstalter in der Pflicht und müssten eigentlich den Ticketpreis erstatten“, sagt Matthias Hufländer von der Verbraucherzentrale Bremen. Denn Verbraucher bekommen ihr Geld für bereits gebuchte Veranstaltungen zurück, wenn ein Veranstalter das Event absagt – unabhängig davon, was der Grund ist.

Gilt das auch, wenn das Gesundheitsamt die Absage erzwingt?

Auch dann ist aus Hufländers Sicht erst einmal der Veranstalter in der Pflicht. „Wird die Veranstaltung vom örtlichen Gesundheitsamt abgesagt, könnte es – wenn der Veranstalter nicht selber erstatten möchte – auch einen Anspruch gegenüber dem jeweiligen Bundesland geben. Aber über die Frage herrscht aus juristischer Sicht noch Unklarheit“, meint Hufländer. Hufländer verweist dabei auf das Infektionsschutzgesetz, das einerseits erzwungene Absagen ermöglicht. Andererseits sehe es auch Schadensersatzansprüche gegenüber dem Bundesland vor, das das Verbot ausspricht.

Wie bekommt man das Geld für die Eintrittskarten zurück?

Das ist den Veranstaltern überlassen, die gerade bei größeren Events mit Ticketplattformen wie Eventim zusammenarbeiten. Weil diese unabhängig vom Coronavirus die technischen Systeme für Rückerstattungen haben, sollte es dabei für Verbraucher nur wenig Probleme geben. Zur Rückerstattung eventuell angefallener Vermittlungsgebühren sind solche Plattformen Hufländer zufolge allerdings nicht verpflichtet. Dann bestehe zwar die Möglichkeit, dass der Kunde von einer Regelung des Ticketvermittlers zu seinen Gunsten profitiert. „In der überwiegenden Zahl der Fälle wird er aber auf den Ticketkosten sitzen bleiben“, glaubt Hufländer.

Was passiert, wenn eine Veranstaltung verschoben ist?

Zuletzt hieß es seitens Eventim, dass viele Veranstaltungen nicht abgesagt, sondern nur verschoben würden. Ist das der Fall, behielten die Eintrittskarten ihre Gültigkeit.

Ich habe am Ausweichtermin keine Zeit – was nun?

Sind Konzertbesucher am Ausweichtermin verhindert, sollten sie das Geld für die Tickets zurückbekommen. „Nach unserer Ansicht gibt es dann genauso einen Erstattungsanspruch wie sonst auch“, fasst Hufländer die Position der Verbraucherzentralen zusammen. Schwierigkeiten könne es aber geben, wenn kein konkreter Termin für die Veranstaltung auf dem Ticket genannt wird.

Was geschieht mit bereits gebuchten Fahrkarten oder Übernachtungen?

Werden Veranstaltungen aufgrund des Coronavirus abgesagt, bietet die Deutsche Bahn auf Kulanzbasis eine Rückerstattung von Fahrkartenpreisen an. Komplizierter wird es etwa bei Hotelübernachtungen. Da können Kunden auf Kulanz hoffen, rechtlich gesehen stehen sie aber aus Sicht der Verbraucherzentralen in der Pflicht, den Aufenthalt oder zumindest die Stornierungsgebühren zu bezahlen. Eine Ausnahme davon sind Fahrten, bei denen etwa ein Konzertbesuch und eine Hotelübernachtung im Bündel gebucht wurden – dann muss laut Hufländer beides erstattet werden.

Und wenn man aus Angst nicht zu einer Veranstaltung gehen will?

Ein Recht auf eine Rückerstattung haben Verbraucher nur, wenn Veranstalter Events absagen. Entscheidet sich jemand aus eigenem Antrieb, eine Veranstaltung nicht zu besuchen, muss er die Kosten selber tragen.

An wen wende ich mich bei Problemen?

Bislang zeigen sich viele Veranstalter kulant. Gibt es Schwierigkeiten, können Verbraucherzentralen helfen. Diese bieten Musterbriefe und Beratung an. Gegebenenfalls können Verbraucher natürlich auch einen eigenen Anwalt einschalten.

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