Wirtschaftsleistung

Coronavirus trifft Zulieferer

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Wirtschaftsexperten wagen vorsichtige Prognosen, wie sich der Ausbruch des Coronavirus auf die Umsätze auswirken könnte.

Corona, niemand kommt“, sagt die Verkäuferin. Gewöhnlich herrscht in dem Geschäft in der Frankfurter Innenstadt dichtes Gedränge. Dort kaufen chinesische Touristen Töpfe, Messer und Haushaltsgeräte „made in Germany“. Seit die Lufthansa ihre Flüge nach China eingestellt hat, hat das Personal kaum noch was zu tun.

Die Regierung in Peking hat zur Absage privater Reisen ins Ausland aufgerufen. Die Ausbreitung des Virus hat Folgen für die Wirtschaft. Experten geben sich vorsichtig: Die Datenlage sei noch unzureichend, um belastbare Prognosen abzugeben, betonen etwa Experten der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS. Die Börsianer werden immer nervöser. Rund um den Globus gingen die Kurse zuletzt nach unten. Stattdessen waren Anlagen mit geringen Risiken gefragt, vor allem Staatsanleihen.

Unter Anlegern kursiert das Horrorszenario, dass die Zahl der Infizierten über einen längeren Zeitraum steigt, dass Restriktionen von Regierungen und Unternehmen mit Reisebeschränkungen und Quarantänen strenger werden und damit die wirtschaftliche Tätigkeit gebremst wird. Ansteckungseffekte in anderen Ländern sind dabei kaum vermeidbar. Fest steht bereits: Die Lufthansa wird weniger fliegen. Reisekonzerne wie Tui müssen weniger Buchungen für China-Reisen verkraften. Der Handel muss mit schrumpfenden Einnahmen rechnen.

Das Coronavirus ist in einer hochindustrialisierten Region ausgebrochen, wo sich Zulieferbetriebe für internationale Technikkonzerne angesiedelt haben. Steht dort die Produktion länger still, kann es Lieferengpässe für Güter geben, in denen Elektronik steckt. Die Einbußen können sich durch fast alle Branchen fressen, weil die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen zurückgeht.

Wie schlimm es wird, ist noch unklar. Um Plausibles sagen zu können, wird von Volkswirten daher gern die Parallele zur Sars-Krise 2002/2003 bemüht. Die Wirtschaftsleistung ging in einem Quartal stark zurück. Viele asiatische Aktienindizes verloren über 15 Prozent. Die Wende kam, als die Infektionszahlen sanken. Die DWS-Experten haben durchgespielt, dass sich die Ansteckungsrate in zwei bis drei Wochen abschwächt. Dann könnte der Coronavirus in Kombination mit zwei zusätzlichen Feiertagen die chinesische Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 1,15 Prozent drücken. Mögliche Aufholeffekte und staatliche Hilfsprogramme sind dabei allerdings nicht berücksichtigt.

Prognosen der Analysten von Banken wie BNP Paribas, JP Morgan Chase oder Mizuho Securities gehen in eine ähnliche Richtung: Fürs erste Quartal wird die Vorhersage für Chinas Wirtschaftswachstum deutlich auf Werte bis nahe fünf Prozent gesenkt. Bisher wurde von sechs Prozent ausgegangen. Zugleich werden aber Hilfsaktionen vom Staat und von staatlich kontrollierten Banken erwartet. Letzteres haben erste Geldhäuser schon für vom Coronavirus betroffene Firmen angekündigt. Die chinesische Notenbank kündigte an, den Finanzmarkt mit ausreichend Liquidität zu versorgen. Das könnte dazu führen, dass Rückschläge aus dem ersten Quartal im Lauf Jahres ausgebügelt werden.

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