Ein maskierter Weihnachtsmann hält eine Schneekugel in den Händen.
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Weihnachten gilt in der Corona-Politik als wichtige Zeitmarke. Ein Soziologe kritisiert diese Haltung.

Weihnachten und Corona

Weihnachten als Druckmittel: Regierung behandelt Bürger wie Kinder, warnt ein Soziologe

  • Zülal Acar
    vonZülal Acar
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Politiker versprechen nach einem funktionierenden Lockdown-November ein relativ normales Weihnachten. Doch ein Soziologe findet, dass die Bürger wie Kinder betrachtet werden.

Freiburg - Seit etwa gut einer Woche müssen die Deutschen mit massiven Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben Vorlieb nehmen. Denn die Zahl an Corona-Neuinfektionen steigt (*FR berichtete) wieder. Die am 2. November verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus* sollen, falls erfolgreich, im Dezember wieder gelockert werden.

Viele Politiker vertrösten die Bürger damit, dass ihnen nach tapfer überstandenem Teil-Lockdown*, ein einigermaßen normales Weihnachten bevorsteht - denn das Fest scheint stets auf der Kippe zu stehen*. Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus sagte beispielsweise: „Wenn wir es jetzt im November richtig machen, dann haben wir eine Chance, dass wir einigermaßen vernünftig Weihnachten feiern können.“

Soziologe: „Wenn man brav ist, dann gibt es ein ‚schönes Weihnachtsgeschenk‘“

Der Soziologe Sacha Szabo kritisiert diese Haltung der Politiker während der Corona-Krise*. Er vergleicht die Kommunikation mit pädagogischen Erziehungsmaßnahmen, die Erwachsene an Kindern anwenden. „Dass man Weihnachten nimmt, trägt schon auch die Botschaft mit sich, wenn man jetzt ‚brav‘ ist, dann gibt es ein ‚schönes Weihnachtsgeschenk‘“, sagt er.

Dass Weihnachten während der Corona-Pandemie immer wieder als Zeitmarke vorkommt, findet der Wissenschaftler auffällig. Man könne es so deuten, dass die Bürger wie Kinder betrachtet werden, die erzogen werden müssen. „Aber zugleich ist es eben auch eine Botschaft, die sofort verstanden wird, weil dieses Belohnungsmuster vertraut ist.“

Auch bei Twitter gibt es Kritik daran, dass die Bundesregierung den Teil-Lockdown mit Weihnachten rechtfertigt, beispielsweise von Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen:

Soziologe Sacha Szabo: Bezug zur heutigen Vielfalt der Gesellschaft fehlt

Szabo erforscht das Weihnachtsfest im Wandel der Zeiten. Er ist am Institut für Theoriekultur Freiburg tätig und hat den Sammelband „‘Fröhliche Weihnachten‘. X-Mas Studies. Weihnachten aus Sicht der Wissenschaft“ mit herausgegeben. Dem Forscher fehlt es bei den aktuellen Corona-Verordnungen an Bezug zur heutigen Vielfalt in der Gesellschaft.

„Es wird ein bestimmtes Familienbild transportiert. Angenommen, es dürfen sich die Angehörige zweier Haushalte treffen, dann bildet man zugespitzt formuliert, die Einkindfamilie der Babyboomer-Generation ab“, sagt er. *FR ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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