Corona-Krise

Einige Ärzte stellen Attest gegen Maskenpflicht aus - Politik ist entsetzt

Kein Bock auf eine Maske beim Einkaufen? Eine Investigativ-Recherche von Report Mainz zeigt: Es gibt Ärzte, die stellen ein Attest aus, das von der Maskenpflicht befreit - ohne, dass eine medizinische Begründung vorliegt. Politik zeigt sich besorgt.

  • Ein Gruppe von Ärzten unterwander gezielt Maskenpflicht
  • Report Mainz deckt auf: Ärzte stellen Attest ohne medizinische Begründung aus
  • SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übt scharfe Kritik

In der Corona-Krise sorgt die gesetzliche Maskenpflicht schon seit einiger Zeit für rege Debatten in Politik und Gesellschaft. Vor wenigen Tagen stieß der Vorschlag von Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), die Maskenpflicht beim Einkaufen abzuschaffen auf heftigen Gegenwind.

Nun wird die Diskussion zusätzlich von einer Initiative angeheizt, die sich auf einer Internetseite mithilfe gängiger Corona-Veschwörungstheorien gegen die Maskenpflicht ausspricht. Das fatale dabei: Bei der Initiative „Ärzte für Aufklärung" handelt es sich zum großen Teil um Mediziner.

Maskenpflicht: Attests aus persönlicher Ablehnung

Die Investigativ-Recherche eines Journalisten-Teams des SWR-TV-Formats „Report Mainz" hat jetzt gezeigt, dass viele der Ärzte, die sich der Gruppierung angeschlossen haben, auch Taten folgen lassen. Bei 40 von diesen Ärzten gaben sich die Reporter verdeckt als Patienten aus und fragten nach Attests für die Befreiung von der Maskenpflicht - nicht aus medizinischen Gründen, sondern aus persönlicher Abneigung. Bei 19 Ärzten hatten die Reporter damit Erfolg.

Corona: Viele Ärzte missbrauchten Attests

Keiner der 19 Ärzte lehnte die Ausstellung eines solchen Attests ab. Beim persönlichen Besuch erhielt jeder der vermeintlichen Patienten ein Attest. Viele von ihnen seien noch nicht einmal untersucht worden, berichtet das TV-Format. Laut Informationen des SWR würden sich die Ärzte im Internet sogar gegenseitig dazu animieren, Attests zur Befreiung von der gesetzlich geltenden Maskenpflicht auszustellen.

Hinter der Online-Gruppe „Ärzte für Aufklärung“ stehen Menschen, die das Coronavirus als Verschwörung sehen. Die Initiative zählt etwa 2.000 Mitglieder, darunter viele Mediziner. Das Virus wird von ihnen als ungefährlich eingestuft, weshalb die Maskenpflicht nicht notwendig, oder sogar schädlich sei.

Corona-Maßnahmen immer noch notwendig

Karl Lauterbach (SPD) reagierte auf die Rechercheergebnisse entsetzt und kritisierte diese Ärzte scharf. Ihre Autorität, Attests auszustellen dürfe nicht missbraucht werden, um die gesetzliche Maskenpflicht zu umgehen, die immer noch unbedingt notwendig sei. Auch rechtlich sei die Ablehnung der Maßnahmen dementsprechend kritisch.

Corona: Maskenpflicht in der Diskussion

Weitesgehend stabile Infektionszahlen haben für eine neue Diskussion um die Maskenpflicht gesorgt. Besonders der Einzelhandel beklagt, dass weniger Menschen in die Geschäfte kommen. Die Maskenpflicht sorge für ein Unwohlbefinden bei Kunden, als auch bei den Mitarbeitern. Da die Zahl der Neuinfektionen in Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten der Bundesrepublik sind, kommt vor allem von hier Druck auf die Politik.

Von Lukas Rogalla

Rubriklistenbild: © Christoph Soeder/dpa

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