Riesiger Ansturm von besorgten Menschen

Hausärzte schlagen Corona-Alarm: „Wir werden derzeit bombardiert“

  • vonChristoph Englmann
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Die Angst vor dem Coronavirus in Deutschland steigt. Viele Bürger laden ihre Sorgen beim Hausarzt ab - die arbeiten längst am Anschlag. Regionale Covid-19-Zentren gelten als Lösung.

  • Hausärzte werden überrannt und stoßen an ihre Grenzen.
  • Covid-19-Zentren gelten als Lösung.
  • Bundesregierung versucht Ausbreitungswelle zu verlangsamen.

Wir werden derzeit bombardiert mit Telefonanfragen und Patienten, die wegen Beschwerden vorstellig werden“, sagt der Vorsitzende des Mediverbundes, der Allgemeinmediziner Werner Baumgärtner in Stuttgart. Die Sorge vor dem Coronavirus ist längst real - und lässt die Wartezimmer in der Republik platzen. 

Die beängstigten Menschen suchen nach Ansprechpartnern. Ihre erste Anlaufstation sind dabei vor allem die Hausärzte, die sich oftmals in der Beraterrolle wieder finden. „Im Moment ist meine Hauptarbeit, zu reden. Kommunikation“, erzählt der Kölner Hausarzt Andreas Koch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Insbesondere die Ungewissheit treibe viele Menschen beinahe in den Wahnsinn. 

Coronavirus meist rasch überstanden

Dabei vergessen viele ein entscheidendes Detail: Derzeit ist eine Erkältung oder ein grippaler Infekt um ein Vielfaches wahrscheinlicher als Covid-19. Gar nicht oft genug zu betonen ist zudem: Covid-19 sei eine milde Erkrankung*, im Grunde eine Art Erkältung, die meist rasch überstanden oder von vorherein kaum zu spüren sei, betont der renommierte Virologe Christian Drosten.

Dennoch schlägt dieBundesregierung mittlerweile Alarm und triggert damit unbewusst die Angst der Bevölkerung. Der Hintergrund der weitreichenden Maßnahmen ist aber vor allem ein anderer: Eine ungebremste Infektionswelle soll tunlichst vermieden werden. Denn sollte dies nicht gelingen, wäre ein Kollaps des Gesundheitssystems* wohl nicht fern. Brechend volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und überlastete Gesundheitsämter wären die Folge. Aus diesem Grund versuche die Regierung alles Mögliche, um die Rate der Ansteckungen kleinzuhalten, so Drosten. Schließlich mache es einen riesigen Unterschied, ob eine Ausbreitungswelle eine Bevölkerung binnen weniger Wochen oder auf zwei Jahre verteilt zu großen Teilen erfasse.

Coronavirus: Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands: „Nicht direkt in die Praxis rennen“ 

Damit eine rasche Steigerung der Infizierten jedoch vereitelt werden kann, appelliert der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Christian Schmuck, an die Vernunft der Bevölkerung: „Erst mal anrufen und nicht direkt in die Praxis rennen. Denn wenn man nun wirklich daran erkrankt sein sollte, dann muss man das ja nicht unbedingt in ein voll besetztes Wartezimmer mit ohnehin schon geschwächten Immunsystemen reintragen.“ 

Regionale Covid-19-Zentren als Lösung?

In der aktuellen Lage ist das vermutlich aber pures Wunschdenken. Vielmehr droht der Ansturm der Verunsicherten weiter anzuwachsen. Denn aktuell steigt die Zahl der Infizierten rasant an*. Dafür sind dann neue Lösungen gefragt. Der Verband der niedergelassenen Ärzte in Baden-Württemberg etwa plädiert für zentrale Stellen zum Abklären.

Auch die Berliner Charité hat am Campus Virchow-Klinikum eine separate Untersuchungsstelle für Menschen mit Sars-CoV-2-Verdacht eingerichtet. Die Zentren könnten Notaufnahmen und andere Anlaufstellen wie Hausärzte entlasten - und das Personal dort schützen. Unterstützung, die dringend benötigt wird.

Im Kampf gegen das Coronavirus könnte ausgerechnet das Wetter* der Bundesregierung wertvolle Zeit verschaffen. Im ARD-Talk „Hart aber fair“ wurde eine Sondersendung zum Thema ausgestrahlt. Moderator Frank Plasberg verwundert mit einer Rassismus-Frage.

*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Bernd Weissbr / Bernd Weissbrod

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