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Großbritannien

Corona in Großbritannien: Boris Johnsons Öffnungspläne drohen zu scheitern

  • Stefan Krieger
    vonStefan Krieger
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Großbritannien hat durch eine erfolgreiche Impfstrategie gute Fortschritte im Kampf gegen das Coronavirus verzeichnen können. Jetzt droht ein Rückschlag.

London - Noch hält Boris Johnson an seinem Plan fest. Die vierte Stufe der Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Großbritannien soll am 21. Juni 2021 fallen. Dann sollen, so will es der Premierminister, alle gesetzlichen Beschränkungen der sozialen Kontakte im Land aufgehoben werden. Die Rückkehr zur Normalität im Land wäre zumindest weitestgehend vollzogen.

Inzwischen werden allerdings Stimmen lauter, die von einem solchen Vorhaben abraten. Aufgrund der Verbreitung der indischen Variante des Coronavirus – von der Weltgesundheitsorganisation in unlängst in „Delta-Variante“ umbenannt – wachsen die Zweifel, ob der Premierminister diesen Termin wirklich umsetzen sollte.

Großbritannien droht im Kampf gegen das Coronavirus ein Rückschlag. Die Öffnungspläne von Premierminister Boris Johnson könnten scheitern.

Corona in Großbritannen: Erstmals seit Juli 2020 ein Tag ohne Covid-19-Todesfall

Am Dienstag (01.06.2021) hatten die Behörden in Großbritannien binnen 24 Stunden zwar keinen Corona-Todesfall registriert, aber das Land, das in Europa am schlimmsten von der Pandemie getroffen wurde, meldete zugleich 3165 Neuinfektionen. Dies bedeutete einen deutlichen Anstieg gegenüber den Zahlen der vergangenen Wochen.

Mehrere Wissenschaftler haben die britische Regierung davor gewarnt, die Corona-Beschränkungen zu früh aufzuheben. So äußerte der der britische Mikrobiologe Ravi Gupta am Dienstag gegenüber dem Sender Sky News die Befürchtung, das geplante Ende aller Maßnahmen in England am 21. Juni sei „ein bisschen früh“. „Wir brauchen wohl mindestens ein paar Wochen – wahrscheinlich einen Monat, bis die Schulen schließen, so dass das Risiko der Übertragung in Schulen sinkt“, sagte Gupta. Er warnte, dass die indische Variante ein „echtes Risiko einer generalisierten Übertragung bei jungen Menschen, die nicht geimpft sind“ darstelle. Man habe mit der Delta-Variante einen „erschwerenden Faktor“, weil das Virus in der Mutation „eine Reihe neuer Eigenschaften aufweist, mit denen wir nicht gerechnet haben“.

Corona-Lockerungen in England: Wissenschaftler fordern zur Zurückhaltung auf

Auch Adam Finn aus der britischen Impfkommission äußerte dem Sender LBC gegenüber Bedenken. „Es wäre sicher eine schlechte Entscheidung, [an den Plänen] festzuhalten“, so Finn. Der britische Verband der Mediziner warnte zudem bei Sky News, das Gesundheitssystem könne bei stark steigenden Fallzahlen zu einer Zeit überlastet werden, in der man verzweifelt versuche, den Rückstau verschobener Behandlungen und Operationen abzuarbeiten.

Corona in Zahlen (Stand 01. Juni 2021)
Vereinigtes Königreich4,49 Millionen Fälle insgesamt
128.000 Todesfälle
Weltweit171 Millionen Fälle insgesamt
3,57 Millionen Todesfälle

Dem stimmte auch der Vorsitzende des Rates der British Medical Association (BMA), Dr. Chaand Nagpaul gegenüber der BBC zu. Dr. Nagpaul betonte, das Land befinde sich in einer „entscheidenden Phase“ im Kampf gegen das Coronavirus. „Ein vorzeitiges Ende aller gesetzlichen Beschränkungen, die dann zu einem Anstieg der Infektionen führten, würde die Bemühungen unseres Gesundheitswesens untergraben, den größten Versorgungsrückstand aller Zeiten zu bewältigen. Es würde auch die psychisch und physisch erschöpften Mitarbeiter zusätzlich belasten“. Nagpaul forderte die Regierung unter Verweis auf die Delta-Variante dazu auf, „eine endgültige Entscheidung darüber, ob die Sperrung am 21. Juni vollständig aufgehoben wird, zurückzuhalten, bis die neuesten Daten wissenschaftlich berücksichtigt werden können“.

Noch immer liegt die Inzidenz in Großbritannien mit knapp 29 recht niedrig. Allerdings hat die Zahl der Fälle der offenbar sehr ansteckenden Variante B.1.617.2 in den vergangenen Wochen rapide zugenommen, sie macht mittlerweile rund drei Viertel der nachgewiesenen Fälle aus. Deshalb haben Wissenschaftler die Befürchtung, dass trotz der in Großbritannien weit fortgeschrittenen Impfkampagne eine schwere dritte Welle drohen könnte.

Premierminister Boris Johnson, der nur für die Corona-Regeln in England verantwortlich ist, will am 14. Juni über weitere Schritte informieren. Schottland, Wales und Nordirland erstellen eigene Regeln. Tatsächlich hat Schottland nun wegen der Ausbreitung der Delta-Variante für weite Teile des Landes geplante Lockerungen vorerst aufgeschoben. „Es ist wichtig zu betonen, dass dies eine Pause ist, kein Schritt zurück“, sagte Regierungschefin Nicola Sturgeon in Edinburgh

Es ist also durchaus denkbar, dass die Mutation des Virus Premierminister Boris Johnson einen Strich durch die Rechnung macht – und das Großbritanniens Erfolgsgeschichte im Kampf gegen das Virus einen herben Rückschlag hinnehmen muss. (Stefan Krieger)
 

Rubriklistenbild: © Frank Augstein/dpa

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