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Nachdem es in China zu etwa 3000 Todesfällen gekommen war, hört man von dort, dass es seit Tagen keine Neuinfektionen mehr gäbe.

Dr. Hontschiks Diagnose

Coronavirus: Sind wir auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur?

  • Bernd Hontschik
    vonBernd Hontschik
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Die einhellige Meinung scheint zu sein, dass es beim Coronavirus für die ganze Menschheit um Leben und Tod geht. Wer spricht da eigentlich noch vom Klima? Die Kolumne.

In Deutschland sterben jedes Jahr ungefähr 900 000 Menschen, fast eine Million. Das sind etwa 2500 Verstorbene jeden Tag. Infektionskrankheiten sind die häufigste Todesursache, vor den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch vor den Krebserkrankungen. Neben Tuberkulose und AIDS sind Lungenentzündungen ganz vorne mit dabei.

Und nun hat sich ein neuer Erreger eingeschlichen, der angeblich aus China, aus Wuhan kommt, weil man dort gepanzerte Gürteltiere auf dem Markt kaufen und essen kann: der Coronavirus. Nachdem es in China zu etwa 3000 Todesfällen gekommen war, hört man von dort, dass es seit Tagen keine Neuinfektionen mehr gäbe. Anscheinend kann man in China Wunder vollbringen. Das ist mir schon einmal aufgefallen, als man Ende Januar die Fundamente eines Nothospitals für tausend Patient*innen betonierte, das man dann schon sechs Tage später in Betrieb genommen hat.

Coronavirus betrifft ganz Europa

Inzwischen ist Europa zum Zentrum der Pandemie geworden. Ausnahmslos alle Länder sind betroffen, manche massiv wie Italien, wo etwa 3400 Tote, das sind mehr als drei Viertel der Corona-Verstorbenen in ganz Europa, zu beklagen sind, andere noch nicht so heftig, wie Deutschland, wo es bis jetzt nur zu 46 Todesfällen durch das Coronavirus gekommen ist.

Allerdings weiß das niemand wirklich: Da fast alle Verstorbenen zur Gruppe der Betagten und Hochbetagten gehören, könnte es sein, dass ein erheblicher Teil von ihnen mit dem Virus und nicht an dem Virus gestorben ist. Und gibt es nicht jeden Winter immer wieder Tausende von Grippetoten, vor zwei Jahren sogar mehr als 25 000, unter den Verursachern auch einige Coronaviren? Und sterben bei uns nicht Jahr für Jahr mehr als 30 000 Patient*innen wegen Krankenhaus-Infektionen?

Coronavirus: Und wer spricht noch vom Klimawandel?

Es ist sehr heikel, sich an dieser Diskussion zu beteiligen. Aber einhellige Meinung scheint ja inzwischen zu sein, dass es für die ganze Menschheit um Leben und Tod geht. Womit sonst könnte man das komplette soziale und wirtschaftliche Leben aller Kontinente zum völligen Erliegen bringen? Aber war und ist nicht eigentlich die Klimakatastrophe die größte Bedrohung der Menschheit?

Wer jetzt den Krieg gegen das Virus nicht mitmacht, der macht sich schuldig. Ich kann mich an dieser Diskussion aber nicht beteiligen, solange ich keine Antwort auf die zentrale Frage weiß: Was geht hier eigentlich vor? Ausgangssperren, Schließung von Universitäten, Schulen und Kindergärten, Versammlungsverbote, geschlossene Grenzen, Außerkraftsetzung von Grundrechten, bewaffnete Patrouillen der Polizei und der Armee – das waren für mich bis jetzt untrügliche Zeichen des Faschismus, der Diktatur. Haben wir jetzt also eine Gesundheitsdiktatur?

Coronavirus: Viele andere Themen gehen unter

Es gibt so vieles, was völlig untergeht, nicht nur die großen Katastrophen in Syrien, im Jemen und an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland. Wer spricht denn da noch vom Klima? Kein Thema mehr. Wer spricht noch vom Brexit? Die Gesundheit geht vor! Riesige Demonstrationen in Berlin, Paris, London, Barcelona – alles kein Thema mehr. Datenschutz? Lächerlich! Gerade hat die Telekom dem Robert-Koch-Institut ein erstes Paket von fünf Gigabyte ihrer Mobilfunkdaten übergeben, um die Wege der Menschen im Land verfolgen zu können. Noch anonym, versteht sich, aber wenn demnächst die Ausgangssperre kommt, sollte man es doch lieber personalisieren. Die Gesundheitsdiktatur fordert das. Und die Bevölkerung macht das alles mit einer geradezu erschütternden Bereitwilligkeit mit: Die Gesundheit geht vor!

Coronavirus macht scheinbar Unmögliches möglich

Für die Rettung der Volkswirtschaften stellen Regierungen hunderte von Milliarden Euro bereit, es gäbe da keine Grenze nach oben. Woher kommt das ganze Geld plötzlich, und wo war es eigentlich bei der Diskussion um die lebensnotwendige Energiewende? Aber jetzt werden alle Register gezogen, es ist unendlich viel da: Die Gesundheit geht vor!

Und hatten wir nicht eben noch einen eklatanten Mangel an Pflegepersonal, besonders auf Intensivstationen? Aber jetzt sollen die Kapazitäten überall mindestens verdoppelt werden. Wie soll das gehen? Wurden wir nicht gerade auf die Schließung von hunderten von Krankenhäusern in unserem Land vorbereitet? Aber jetzt fehlen die Betten überall, das ärztliche und pflegerische Personal in den Krankenhäusern ist am Ende, kurz vor dem Zusammenbruch.

Zum Schluss haben wir dann auch noch ein Problem mit Hamsterkäufen, besonders beim Klopapier. Und jetzt ist auch noch die Kläranlage in Mörfelden-Walldorf verstopft, weil alle im Home-Office arbeiten und so viel Feuchtpapier benutzen. Was geht hier eigentlich vor?

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. www.medizinHuman.de

Aktuell von ihm im Buchhandel: „Erkranken schadet Ihrer Gesundheit“.

Bernd Hontschik kann nur noch einzelne Schnipsel vom ganz großen Corona-Mosaik aufnehmen, ein Bild ergibt das nicht. Doch ein Problem wird durch die Corona-Pandemie unübersehbar: Eine Million Menschen sind immer noch ohne Krankenversicherung.

Wie geht es in der Corona-Krise in Deutschland nach Ostern weiter? Experten machen Vorschläge.

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