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7000 Menschen dürfen die „Costa Smeralda“ nicht verlassen.

Coronavirus

Fallzahlen steigen

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In China steigen die Infektionen und Todesfälle durch das Coronavirus. Die WHO berät über den Umgang, Russland schließt seine Grenzen.

Die Infektionen und Todesfälle durch das Coronavirus in China sind erneut stark angestiegen. Die Zahl nachgewiesener Fälle kletterte bis Donnerstag auf nun 7830, zudem wurden 38 weitere Todesfälle vermeldet – insgesamt nun 170. Inzwischen sind in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Die Krankenhäuser in der schwer betroffenen Provinz Hubei leiden an einem Materialmangel. Wie ein Sprecher der Gesundheitskommission in Peking sagte, seien daher die Produktionskapazitäten hochgefahren worden.

Ein weiterer Fall der Lungenkrankheit ist auch in Frankreich aufgetreten. Beim fünften Fall im Land handele sich um die Tochter eines erkrankten China-Touristen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Der Zustand des 80-Jährigen sei ernst. Die vier Patienten in Deutschland hingegen waren am Mittwochabend in gutem Zustand: Sie hätten „keine Symptomatik, sind fieberfrei, husten nicht. Denen ist so langweilig, dass sie uns ständig mit der Entlass-Frage nerven“, sagte der Münchner Chefarzt Clemens Wendtner. Die vier Arbeitskollegen hatten sich während einer Schulung ihres Unternehmens bei einer Frau mit dem Virus angesteckt, die aus China angereist und später selbst erkrankt war.

Verdacht auf Kreuzfahrtschiff

Außerhalb Chinas sind derweil in rund 20 Ländern mehr als 100 Infektionen bekannt. Darunter sind neben Deutschland und Frankreich auch Thailand, Japan, Singapur, Malaysia, die USA, Finnland, Australien und Südkorea. Neu hinzu kam am Donnerstag je ein Fall in Indien und auf den Philippinen. Vielfach sind die Infizierten Reisende aus China. Tückisch an dem Virus ist, dass Infizierte bereits in der bis zu zweiwöchigen Inkubationszeit ansteckend sind, ohne aber krank zu sein oder Symptome zu zeigen.

Ein Corona-Verdachtsfall betrifft derweil zahlreiche Reisende vor der Küste Italiens – rund 7000 Menschen sitzen dort an Bord eines Kreuzfahrtschiffes fest. Die Behörden der Hafenstadt Civitavecchia nördlich von Rom schickten am Donnerstag laut eigenen Angaben Ärzte an Bord, nachdem sie über eine chinesische Passagierin mit Fieber informiert wurden. Die Reederei Costa Crociere bestätigte, die rund 6000 Passagiere und 1000 Besatzungsmitglieder dürften die „Costa Smeralda“ nicht verlassen.

Gestern ordnete zudem Russlands Regierungschef Michail Mischustin die Schließung von 16 Grenzposten zu China an. „Bisher wurde in Russland kein einziger Fall dieser gefährlichen Krankheit registriert“, sagte der neue Ministerpräsident. „Aber wir müssen alles tun, um unsere Bevölkerung zu schützen.“

Zahlreiche Staaten arbeiteten am Donnerstag weiter daran, ihre Bürger aus der besonders betroffenen Stadt Wuhan in Zentralchina auszufliegen. Die Bundesregierung plant einen Rückholflug der Bundeswehr für etwa 90 Deutsche und ihre Angehörigen, die sich in der Region aufhalten, für Samstag. Sicher war das am Donnerstag noch nicht. Bisher gebe es keine Landegenehmigung für die Bundeswehr-Maschine in Wuhan, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag der „Bild“. Bei den Betroffenen seien bisher keine Infektionen oder Verdachtsfälle festgestellt worden. Das Flugzeug soll in Frankfurt landen. Danach sollen die Passagiere für 14 Tage in eine Quarantäneeinrichtung gebracht werden. „Das ist nicht in Frankfurt“, sagte der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Wo sie hingebracht werden, entscheide der Bund.

Auch der Reiseverkehr von und nach China wurde am Donnerstag weiter eingeschränkt. Nachdem zuvor unter anderem die Lufthansa bekanntgab, Flüge nach China bis zum 9. Februar auszusetzen, folgten nun Fluggesellschaften wie etwa KLM, SAS, Finnair, American Airlines, Iberia und die israelische El Al.

Angesichts der rasanten Ausbreitung des neuen Coronavirus wollte die WHO am Donnerstag erneut im Notfall-Ausschuss beraten. Bisher hatte sie davon abgesehen, eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ auszurufen. (mit afp/dpa)

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