Zeit in Quarantäne war sehr langweilig

Erster deutscher Coronavirus-Patient äußert sich: „Mir ging es eigentlich auch nie schlecht“

Der erste Deutsche, der sich mit dem Coronavirus infizierte, äußerte sich erstmals. Die Zeit in Quarantäne sei sehr langweilig gewesen.

  • Der erste Coronavirus-Patient in Deutschland ist mittlerweile wieder geheilt
  • In einem Interview sprach der 33-Jährige aus Bayern über die Zeit in Quarantäne
  • Er habe sich selbst nie wirklich schlecht gefühlt

München - Am 28. Januar 2020 wurde der erste Coronavirus-Fall in Deutschland bekannt. Es handelte sich um einen 33-jährigen Mitarbeiter der Firma Webasto mit Sitz in Stockdorf am Starnberg. Er infizierte sich bei einer Kollegin aus einer Firmen-Filiale in Schanghai. In einem Interview mit dem Radiosender Bayern 1 sprach er über den Krankheitsverlauf und seine Zeit in Isolation in einem Münchner Krankenhaus.

Erster Coronavirus-Patient in Deutschland: „Mir ging es eigentlich nie schlecht“

Er fühlte sich topfit: „Mir ging es eigentlich auch nie schlecht.“ Die mit dem Coronavirus infizierte Kollegin aus China kam ihm nicht krank vor. „Wir waren in einem Raum. Er war höchstens sechs Quadratmeter groß. Wir waren da insgesamt zu viert. Wir haben uns dort für eine Stunde ungefähr unterhalten. Es gab ein kurzes Händeschütteln“, erzählte er.  

Der Mann habe vier Tage nach dem Meeting erste Symptome gehabt: „Ich hatte Halskratzen, habe mir aber gedacht, dass das zu dieser Jahreszeit ganz normal ist, dass man einen ein bisschen kratzenden Hals bekommt.“

Coronavirus-Diagnose sei schockierend gewesen: „Mir kam das alles sehr surreal vor“

Am Abend habe dann aber auch der Husten angefangen. In der Nacht bekam er Fieber: „39 Grad und Schüttelfrost, ein bisschen Gliederschmerzen, sodass ich dann am Samstag tagsüber Paracetamol genommen habe, um das Fieber runterzubekommen. Das hat funktioniert und damit hatte ich mit der Geschichte eigentlich schon abgeschlossen.“ Als er Anfang der Woche wieder in die Arbeit ging, habe er dann gehört, dass bei seiner chinesischen Kollegin das Coronavirus festgestellt worden war. „Danach bin ich dann sofort zu meinem Hausarzt gefahren, der mich ans Tropeninstitut weitergeleitet hat.“ Er war nach der Diagnose 18 Tage im Münchner Klinikum Schwabing in Quarantäne.

Die Diagnose sei natürlich schockierend gewesen. „Mir kam das alles sehr surreal vor“, sagte der Mann aus dem Landkreis Starnberg. „Warum muss ich jetzt der Erste sein, der das hat?“ Der 33-jährige Mann aus Bayern wird nach eigenen Angaben immer noch regelmäßig auf Sars-CoV-2 getestet. „Ich bin zu Hause, ich darf aber ganz normal rausgehen. Ich darf nur nicht in die Arbeit gehen.“ 

Alltag in Coronavirus-Quarantäne war „sehr, sehr langweilig“

Die Zeit im Klinikum in Schwabing sei unspektakulär gewesen: „Es war ein sehr, sehr langweiliger Alltag.“ Die Ärzte und Pfleger hätten sich aber sehr gut um die isolierten Patienten gekümmert: „Da waren sehr kompetente Ärzte, die mit viel Schlimmeren zu tun haben. Und sie haben uns auch sehr professionell betreut und beruhigt, auch die Krankenschwestern und Pfleger. Wir haben uns da sehr gut aufgehoben gefühlt.“

Auf die Frage, was er nach seiner Rückkehr zu Frau und Kind zu Hause gemacht habe, sagte er: „Ich habe mir eine Pizza bestellt, natürlich meine Familie begrüßt, umarmt, Wäsche gewaschen. Ich konnte natürlich drei Wochen lang keine Wäsche waschen. Und ich glaube, ich habe mich dann auch einfach mal auf die Couch gesetzt.“

dpa/md

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Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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