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Über 6.000 Neuinfektionen in Großbritannien - Testkapazitäten am Limit

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  • Lukas Rogalla
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Großbritannien erlebt einen dramatischen Anstieg der Coronavirus-Fälle. Ein zweiter Lockdown scheint nur eine Frage der Zeit. Boris Johnson stimmt das Land auf eine erneute Verschärfung ein.

  • Nationaler Lockdown in Großbritannien ist weiterhin eine Option.
  • Die Coronavirus-Fälle in Großbritannien steigen im September stark an.
  • Am 23. September wurden mehr als 6.000 Neuinfektionen vermeldet.

+++ 19.26 Uhr: In Großbritannien wurden innerhalb eines Tages 6.178 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Lediglich an zwei Tagen seit Beginn der Pandemie hatte man mehr Fälle zu verzeichnen, teilten die Behörden am Mittwoch mit.

Das Testsystem im Vereinigten Königreich soll an seine Grenzen geraten. In vielen Zentren waren kaum noch Tests verfügbar. Bürger mit Symptomen mussten daher teils weit reisen.

Angesichts der rasant steigenden Zahlen gelten wieder verschärfte Maßnahmen. Pubs und Restaurants müssen in England um 22 Uhr schließen. Die Maskenpflicht wurde ausgeweitet. Die Regierung um Premierminister Boris Johnson forderte die Menschen auf, sofern möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. In Schottland und Nordirland gelten noch striktere Regeln. Bis auf wenige Ausnahmen dürfen sich keine verschiedenen Haushalte mehr miteinander treffen.

Corona-Krise in Großbritannien: Zahlreiche Menschen stehen bei einer Covid-19 Teststation an.

Großbritannien: Starker Anstieg der Fallzahlen - Verschärfte Corona-Maßnahmen

Update vom Mittwoch, 23.09.2020, 10.10 Uhr: Nun ist doch wieder alles anders. Homeoffice ist wieder angesagt, die Pubs müssen in England von morgen an (24.09.2020) früher schließen, Fans dürften vorerst nicht zurück in die Fußballstadien. „Wir müssen anerkennen, dass die Ausbreitung des Virus unsere Möglichkeiten beschränkt, Konferenzen, Messen oder große Sportveranstaltungen wieder zu öffnen“, sagte der britische Premier Boris Johnson in einer emotionalen Fernsehansprache, in der er die Menschen eindringlich dazu aufforderte, sich an die neuen Regeln zu halten. Seine Regierung müsse „noch drastischere Maßnahmen“ ergreifen, wenn die Ausbreitung des Virus nicht gestoppt werde, warnte Boris Johnson. Das Land befinde sich an einem „gefährlichen Wendepunkt“. 

Großbritannien verschäft Corona-Maßnahmen: Johnson schwört Bürger ein

Die britische Regierung ist nur für die Infektionsschutzmaßnahmen in England zuständig. Auch Schottland verschärfte die Corona-Maßnahmen. Die Regierung von Nicola Sturgeon ging dabei noch einen Schritt weiter als die Regierung in London und verkündete auch Einschränkungen für Zusammenkünfte innerhalb von Privathaushalten. Beschränkungen für Besuche anderer Menschen in deren Häusern sind bereits in den britischen Regionen Wales und Nordirland in Kraft.

Laut einer YouGov-Umfrage unterstützt die Mehrheit der Bevölkerung die verschärften Corona-Maßnahmen. 77 Prozent der Befragten zeigten sich mit den neuen Regelungen einverstanden.

Corona-Disziplin mit Militär? - Johnson muss sich rechtfertigen

Unterdessen hat die Opposition im britischen Parlament Boris Johnson aufgefordert, seinen Vorschlag für einen Einsatz des Militärs im Kampf gegen die Corona-Pandemie genauer zu erklären. Ein Abgeordneter der Labour-Partei fragte in einem Schreiben, was genau die Soldaten in einem solchen Fall tun und wie die Kosten dafür gestemmt werden sollten. Außenminister Dominic Raab warf der Opposition daraufhin „Panikmache“ vor.

Ein Regierungssprecher stellte klar, dass Soldaten gegebenenfalls Büroaufgaben übernehmen oder Plätze bewachen sollten, für die sonst die Polizei zuständig ist. Das Militär solle keine neuen Befugnisse bekommen oder Bußgelder verhängen. Es gehe vielmehr darum, weitere Kapazitäten für Kontrollen bei der Polizei zu schaffen.

Boris Johnson macht im Umgang mit der Corona-Pandemie eine Kehrtwende.

+++ 20.54 Uhr: Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland hat am Dienstag 4.926 Neuinfektionen mit dem Coronavirus bestätigt, so viele wie zuletzt am 7. Mai. Das berichtet „Sky News“. Demnach gab es 4.187 Neuinfizierte in England, 383 in Schottland, 281 in Wales und 75 in Nordirland. 37 weitere Patienten sind an den Folgen von Covid-19 gestorben, der Höchstwert an einem Tag seit dem 14. Juli.

Coronavirus-Fälle in GroßbritannienTodesfälleBestätigte Neuinfektionen 22.09.2020Todesfälle 22.09.2020
403.55141.8254.92637

Corona in Großbritannien: Ungewöhnliche Erklärung von Boris Johnson

+++ 16.55 Uhr: Boris Johnson hat eine ungewöhnliche Erklärung für die Unterschiede im Infektionsgeschehen zwischen den europäischen Ländern gefunden: Die Corona-Infektionszahlen seien in Großbritannien höher als in Deutschland oder Italien, da es ein „freiheitsliebendes Land“ sei, sagte er am Dienstag im britischen Parlament.

Die Opposition hatte Johnson vorgeworfen, die Zahlen im Königreich seien so hoch, weil - anders als in anderen Ländern - die Kontaktverfolgung und das Testprogramm nicht richtig funktionierten. Johnson wies dies zurück: Es gebe „einen wichtigen Unterschied zwischen unserem Land und vielen anderen Ländern der Welt, nämlich dass unser Land ein freiheitsliebendes Land ist“, erklärte er.

In den vergangenen 300 Jahren sei „praktisch jeder Fortschritt, von der Meinungsfreiheit bis hin zur Demokratie“, von Großbritannien ausgegangen, fügte der Premier hinzu. „Es ist sehr schwierig, von der britischen Bevölkerung zu verlangen, dass sie einheitlich die Regeln so befolgt, wie es notwendig ist.“

Boris Johnson: Gegebenenfalls kann auch das Militär eingesetzt werden.

Boris Johnson will Corona-Regeln vom Militär überwachen lassen

+++ 15.15 Uhr: Der britische Premier Boris Johnson will zur Kontrolle schärferer Corona-Maßnahmen in England möglicherweise auch das Militär einsetzen. Man werde die schärferen Corona-Maßnahmen streng überprüfen und Geldstrafen verhängen, verkündete Johnson am Dienstag im Londoner Parlament. Die Polizei werde dabei präsenter in den Straßen des Landes sein, gegebenenfalls könne zur Verstärkung auch das Militär eingesetzt werden.

Die Regierung weitet zudem die Maskenpflicht aus: Auch in Taxis oder Geschäften soll das Maskentragen künftig verpflichtend sein, genauso wie in Pubs oder Restaurants, wenn man sich gerade nicht an seinem Sitzplatz befindet. Hochzeiten sind nur noch mit 15 Teilnehmern erlaubt. Außerdem forderte Johnson Arbeitnehmer wieder auf, wenn möglich von zuhause zu arbeiten - eine Kehrtwende, nachdem er wochenlang eine große „Back to Office“-Kampagne („Zurück ins Büro“) propagiert hatte.

Das Land befinde sich an einem „gefährlichen Wendepunkt“, sagte der Premier. Die neuen Vorgaben sollen voraussichtlich sechs Monate lang gelten. „Diese Regeln werden nur funktionieren, wenn sich alle daran halten“, betonte Johnson. Für den Fall, dass die Infektionszahlen weiter ansteigen, stellte der konservative Politiker eine Verschärfung der Maßnahmen in Aussicht.

Die neuen Maßnahmen gelten für England, da in Schottland, Nordirland und Wales die regionalen Regierungen darüber bestimmen. Nach einem Treffen mit den Ministern der anderen Landesteile kündigte Boris Johnson jedoch an, dort würden ähnliche Maßnahmen getroffen. In Nordirland gelten allerdings bereits deutlich schärfere Regeln.

Corona: Großbritannien bereitet sich auf zweiten Lockdown vor

Update vom 22.09.2020, 09.15 Uhr: In ganz Großbritannien steigen die Corona-Infektionszahlen rapide an: In den vergangenen Tagen kamen fast täglich 3500 bis 4000 neue Fälle hinzu, die Zahl der Infektionen verdoppelte sich ungefähr innerhalb von sieben Tagen. Verbreite sich das Virus ungehindert im gleichen Tempo weiter, könnte Großbritannien Mitte Oktober fast 50.000 Fälle pro Tag zählen, warnen führende Gesundheitsexperten.

Aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Krise hat Premierminister Boris Johnson verschärfte Schutzvorkehrungen angekündigt. Pubs und Restaurants in England sollen von Donnerstag (24.09.2020) an spätestens um 22 Uhr schließen, wie die Regierung am Montagabend mitteilte. Außerdem wird nur noch Service am Tisch erlaubt sein.

Nach der Öffnung im Sommer droht den Pubs in England erneut der Lockdown.

Boris Johnson will sich am Dienstag (22.09.2020) mit einer Rede an die Briten wenden, um ihnen den Ernst der Lage bewusst zu machen und an geltende Abstands- und Hygieneregeln zu erinnern. In Schottland wird eine Ankündigung von Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon erwartet.

Corona in England: Temporärer Lockdown droht

Die Regierung denkt deshalb auch über ein temporäres Herunterfahren des öffentlichen Lebens nach, eine Art Zwangspause von zwei bis drei Wochen, während der Restaurants und Pubs wieder ganz geschlossen werden könnten. Große Landesteile im Nordosten Englands, Nordirland und Wales leben bereits jetzt mit härteren Maßnahmen.

„Niemand unterschätzt die Herausforderungen, die die neuen Maßnahmen für Unternehmen und Einzelne bedeuten“, teilte die Regierung mit. Allerdings müsse man alles tun, um das Gesundheitssystem zu stabilisieren.

Silvesterfeuerwerk in London fällt aus

+++ 17.21 Uhr: Immer weiter steigen die Corona-Zahlen in Großbritannien. Jetzt wurde daher das alljährliche große Feuerwerk in London für Silvester 2020/2021 abgesagt. Das bestätigte Londons Bürgermeister Sadiq Khan gegenüber dem Radiosender „LBC“. Jedes Jahr hatten sich in London zu Neujahr rund 100.000 Menschen versammelt, um das Spektakel am Himmel zu bestaunen. „Wir können es uns einfach nicht leisten, dass sich so eine große Anzahl an Menschen versammelt“, sagte Londons Bürgermeister dem Radiosender.

Die Fallzahlen in Großbritannien sind weiterhin hoch. Nach den aktuellen Daten der Johns-Hopkins-Universität (Stand 18.09.2020, 16.22 Uhr) sind oder waren dort insgesamt 384.090 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 41.794 sind in Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 bereits verstorben.

Corona in Großbritannien: Zweiter Lockdown nur eine Frage der Zeit?

Update vom 18. September, 10.30 Uhr: London – Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock hat sich mit seinem Beraterstab getroffen, um über die aktuelle Coronavirus-Datenlage und einen möglichen nationalen Lockdown zu diskutieren. Premierminister Boris Johnson erwägt die Option eines zweiten landesweiten Lockdowns im Herbst. Währenddessen steigt die Zahl der gemeldeten Coronavirus-Fälle in Großbritannien stark an.

Am Donnerstag, 17. September wurden 3.395 neue Infektionen gemeldet, gestorben sind 21 Menschen. In Deutschland wurden am selben Tag 2.194 Fälle gemeldet, gestorben sind drei Menschen. Auch das Test- und Nachverfolgungssystem „Test and Trace“ des nationalen Gesundheitssystems Großbritanniens (NHS) wird von führenden Medizinern kritisiert.

Coronavirus-Fälle in GroßbritannienTodesfälleCoronavirus-Fälle WeltweitTodesfälle
381.614 (+3.395)41.705 (+32)30.181.110946.140

Großbritannien: Gesundheitsminister Hancock und Premier Johnson über zweiten nationalen Lockdown

Im Gespräch mit dem Sender Sky News sagte Großbritanniens Gesundheitsminister Matt Hancock, dass ein zweiter nationaler Lockdown weiterhin „nicht vom Tisch“ sei und man „alles Notwendige“ tun würde, um für die Sicherheit der Bevölkerung in der Pandemie zu sorgen. Ein Lockdown sei jedoch die „letzte Verteidigungslinie“ und somit nichts, was man gerne herbeiführen wolle. Hancock appellierte an die Bevölkerung Großbritanniens: „Das Land muss wieder zusammenrücken und begreifen, dass das hier eine ernsthafte Herausforderung ist.“ Der Gesundheitsminister hat sich am Mittwoch mit dem obersten Gesundheitsberater Chris Whitty und dem obersten Wissenschaftsberater Patrick Vallance getroffen, um die aktuelle Lage in der Coronavirus-Pandemie zu besprechen.

Medienberichten zufolge haben wissenschaftliche Berater der Regierung Großbritanniens einen zweiwöchigen Lockdown im Oktober empfohlen, um der steigenden Zahl von Coronavirus-Fällen zu begegnen. Aus Regierungskreisen heißt es, dass auch Premierminister Boris Johnson abgewogen habe, die beschleunigte Ausbreitung des Coronavirus mit landesweiten Einschränkungen in den kommenden Wochen zu verlangsamen. Laut Sky News sollen Schulen und Arbeitsleben davon nicht betroffen sein. Die Maßnahmen würden vor allem das gesellschaftliche Leben einschränken. Im englischen Nordosten gibt es bereit lokale Lockdown-Maßnahmen, die insgesamt schon 10 Millionen Menschen betreffen.

Corona in Großbritannien: Ärzte schlagen Alarm – „chaotische“ Zustände bei Nachverfolgung des Virus

Erstmeldung vom 17. September, 17:47 Uhr: London – Das nationale Gesundheitssystem Großbritanniens und Nordirlands, das National Health System (NHS), wird von zwei großen britischen Ärzteorganisationen kritisiert. Die British Medical Association spricht ein vernichtendes Urteil über das Test- und Nachverfolgungssystem des NHS, dass die Coronavirus-Pandemie begleiten soll und auch die Doctors Association UK kritisiert das System. Erst am Dienstag hatte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock bekannt gegeben, dass die Ausgabe von Coronavirus-Tests eingeschränkt werde, damit die Versorgung von wichtigen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegeheimen sichergestellt werden könne.

Gesundheitssystem:National Health Service
Gründer:Aneurin Bevan
Gründung:5. Juli 1948
CEO:Simon Stevens (1. Apr. 2014–)
Tochterunternehmen:Walsall Integrated Sexual Health Services

Ärzte in Großbritannien kritisieren Coronavirus-Nachverfolgung und -Tests des Gesundheitssystems

Die britische „Huffington Post“ berichtete am Mittwoch (16.09.2020) über die schweren Anschuldigungen der British Medical Association (MBA). Dieses habe behauptet, dass das Coronavirus-Testsystem „Test and Trace“ des National Health Service (NHS) „nicht zweckmäßig“ sei. Zudem wird die starke Vergabe von Aufträgen an private Firmen kritisiert. Der stellvertretende Vorsitzender der MBA, Dr. David Wrigley, spricht von einem „größtenteils ausgelagertem Programm, in dem zahlreiche private Firmen Milliarden bekommen, um Testzentren zu bauen, Proben zu bearbeiten und Nachverfolgungszentren zu betreiben.“

Der Dienst „Test and Trace“ übernimmt in Großbritannien Tests und Nachverfolgung von Coronavirus-Infektionen.

Trotz der hohen Kosten erfülle das System seinen Zweck jedoch nicht ausreichend, sagte Wrigley. Er kritisierte, dass die Verfügbarkeit von Tests zu gering sei und es zu lange dauern würde, bis die Getesteten ihre Ergebnisse bekämen. Zudem gebe es Probleme bei den Stellen, die die Nachverfolgung von Coronavirus-Fällen bearbeiten. Diese würden nicht genug Menschen erreichen. Die Ärztevereinigung Doctors Association UK (DAUK) sagte laut „Huffington Post“ ebenfalls, dass die Auslagerung und Privatisierung von Testlaboren zu noch chaotischeren Zuständen geführt habe und Maßnahmen zur Begrenzung der Coronavirus-Pandemie behindert hätten.

Das britische Gesundheitsministerium widerspricht den Vorwürfen der beiden Ärzteverbände. Ein Ministeriumssprecher sagte der „Huffington Post“, dass die Behauptungen nicht zutreffen würden und die viele Arbeit nicht angemessen wiedergeben würden. Zudem bestehe Test and Trace aus Experten des öffentlichen Gesundheitswesens, darunter auch Angestellten des NHS. Von den 35 Organisationen, die Daten für Test and Trace verarbeiten, sind 26 privat und nur 9 in öffentlicher Hand. Im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland sind 41.684 Menschen am Coronavirus gestorben (Stand 17.09.2020). Insgesamt wurden bisher 378.219 Fälle gemeldet.

Rubriklistenbild: © Jacob King / dpa

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