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Die Wissenschaftler griffen bei ihrer Analyse Abstriche von zwei infizierten Rückkehrern aus der chinesischen Stadt Wuhan zurück.

Medizin

Corona: Team aus Frankfurt entdeckt Schwachstelle des Virus 

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Frankfurter Forscher schaffen eine Grundlage für Medikamentenentwicklung gegen Covid-19. 

  • Nach wie vor wird an einem Impfstoff für das Coronavirus* geforscht 
  • Frankfurter Forscher schaffen nun eine Grundlage für die Medikamentenentwicklung
  • Man sehe eine „große Chance“, das Coronavirus zu bekämpfen

Wenn Viren menschliche Zellen befallen, verändern diese ihr Verhalten und stellen die Produktion von Proteinen um. Wie genau das bei einer Infektion mit Sars-CoV-2* abläuft, hat ein Frankfurter Forscherteam um die Virologin Sandra Ciesek beobachtet. Die Ergebnisse dieser Forschung nutzen nun – unabhängig voneinander – ein US-amerikanisches und ein kanadisches Unternehmen, um auf dieser Basis Wirkstoffe zur Behandlung von Covid-19 zu testen.

Corona: Frankfurter Forscher schaffen Grundlage für Medikamente

Beide Firmen setzen dabei auf bereits existierende Medikamente, die ursprünglich zur Therapie anderer Krankheiten konzipiert wurden. Sie sollen jetzt in klinischen Studien erprobt werden. Das US-amerikanische Unternehmen Moleculin Biotech arbeitet mit einem Wirkstoff namens WP112, den es eigentlich zur Behandlung von bösartigen Hirntumoren und Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickelt hatte. Das kanadische Unternehmen Bausch Health Americas baut auf das bereits seit den 1990er Jahren zugelassene antivirale Mittel Ribavirin, das unter anderem gegen Hepatitis C eingesetzt wird, aber auch noch gegen andere Viren Wirkung zeigt.

Dass die Ergebnisse aus Frankfurt jetzt in weiterführende Studien zur Entwicklung von Medikamenten münden, bezeichnet der Biochemiker Christian Münch von der Goethe-Universität als „großen Glücksfall“; Jindrich Cinatl vom Institut für Medizinische Virologie sieht gerade im Zurückgreifen auf bereits zugelassene Medikamente „eine große Chance“, das Coronavirus zu bekämpfen.

Die Wissenschaftler der Goethe-Universität und des Universitätsklinikums Frankfurt griffen bei ihrer Analyse des Geschehens in befallenen Zellen auf Abstriche von zwei infizierten Rückkehrern aus der chinesischen Stadt Wuhan zurück.

Hemmstoffe gegen Proteine

Mit einer am Institut für Biochemie II der Frankfurter Universität entwickelten Technik verfolgten sie die Veränderungen in den Wirtszellen, nachdem das Coronavirus eingedrungen war.

Bei dem von ihnen verwendeten Verfahren handelt es sich um eine besondere Form der Massenspektrometrie, mit der sich die Menge und Produktionsrate von Tausenden Proteinen feststellen lässt, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Zelle befinden.

Die Wissenschaftler stellten bei ihren Untersuchungen eine Besonderheit im Verhalten von Sars-CoV-2 fest: Während viele andere Viren die normale Proteinproduktion ihrer Wirtszellen zugunsten der Herstellung von Virenproteinen herunterfahren, drosselt das neuartige Coronavirus die angestammten Tätigkeiten in den Wirtszellen nicht.

Corona: Proteinproduktion in Zelle ankurbeln 

Stattdessen scheint das Virus die gesamte Maschinerie der Proteinproduktion in der Zelle anzukurbeln, so dass dort quasi unter Hochdruck menschliche und virale Eiweiße hergestellt werden. Dabei kommt es allerdings zu markanten Verschiebungen: So wird der Cholesterinstoffwechsel reduziert, berichten die Frankfurter Wissenschaftler, während die Aktivitäten im Kohlenhydrat-Stoffwechsel zunehmen und vermehrt Ribonukleinsäure (RNA) hergestellt wird.

Die Frankfurter Forscher gehen davon aus, mit ihren Beobachtungen eine potenzielle Schwachstelle des Erregers entdeckt zu haben. Tatsächlich gelang es ihnen, mit Hemmstoffen, die sich gegen die Proteinproduktion richten, die Vermehrung des Virus in Zellkulturen zu mindern. Auch schafften sie es, die Herstellung neuer Bausteine für das Viren-Erbgut zu hemmen.

Von Pamela Dörhöfer

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