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Virologe Streeck kritisiert RKI-Vorgehen in der Pandemie – „Verstehe das nicht“

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Von: Karolin Schäfer

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Virologe Hendrik Streeck (Archivbild)
Virologe Hendrik Streeck (Archivbild) © Christoph Hardt/imago

Virologe Hendrik Streeck kritisiert das RKI für das Vorgehen in der Corona-Pandemie. Man dürfe jetzt nicht den gleichen Fehler machen wie im vergangenen Jahr.

Köln – Die Corona-Fallzahlen befinden sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat zum zweiten Tag in Folge einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet. Damit liegt die bundesweite Inzidenz am Freitag (04.03.2022) bei 1196,4. Um die Bundesrepublik auf eine mögliche nächste Corona-Welle vorzubereiten, forderte Virologe Hendrik Streeck „großangelegte Studien und ein besseres Überwachungssystem“. Konkret gehe es dabei unter anderem um Abwasserdaten.

Im Interview mit der Kölnischen Rundschau übte der Virologe aus Bonn heftige Kritik am RKI. Wiederholt habe Streeck sogenannte Sentinel-Studien mit regelmäßigen Tests von repräsentativen Bevölkerungsgruppen vorgeschlagen. „Sentinelerhebungen sind ein aktives, auf freiwilliger Mitarbeit der beteiligten Akteure aufbauendes Werkzeug“ zur Überwachung epidemiologischer Situationen, schrieb das RKI auf ihrer Webseite. Entsprechende Vorschläge zur Corona-Pandemie lägen bereits auf dem Tisch, so Streeck im Gespräch mit der Zeitung.

Hendrick Streeck
Geburtsdatum, -ort7. August 1977 in Göttingen
Seit Oktober 2019Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn
Seit Dezember 2021Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung

Streeck kritisiert RKI: Alternative Lösungswege fehlen

„Warum das RKI gefühlt immer nur warnt und nicht solche oder gern auch andere Lösungswege beschreitet, ich verstehe das nicht“, kritisierte der Mediziner, der seit Ende 2021 Mitglied im Corona-Expertenrats der Bundesregierung ist. „Wir dürfen nicht wieder den gleichen Fehler machen wie im letzten Frühjahr: Alle Fachleute haben vor der nächsten Welle im Herbst gewarnt, und wir haben den Sommer so verbracht, als sei die Pandemie vorbei“, so Streeck weiter in der Kölnischen Rundschau.

Von Warnungen des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) distanzierte sich der Bonner Virologe. Lauterbach hatte im Februar von einer Rückkehr der Delta-Mutante gesprochen. „Die Delta-Variante verändert sich gerade. Es ist gut möglich, dass wir es im Herbst mit einem mutierten Delta-Typ zu tun bekommen.“ Auch Charité-Virologe Christian Drosten hatte im Januar auf eine mögliche Mischung aus der Delta- und der Omikron-Mutante hingewiesen.

Streeck distanziert sich von Lauterbach: „Dauerhaftes Warnen steht nicht auf der Tagesordnung“

Streeck „ticke“ da anders, sagte er im Interview mit der Kölnischen Rundschau. „Das dauerhafte Warnen, ob vor möglichen Supervarianten oder anderen möglichen Katastrophen, steht bei mir nicht auf der Tagesordnung.“ Auch wenn eine solche Mutation bei Viren möglich sei, könne man „unser Leben nicht an den Extremen ausrichten.“ In dieser Hinsicht unterscheide sich Streeck vom Gesundheitsminister. „Omikron hat einen Übertragungsvorteil gegenüber Delta. Delta wird durch die Impfung verdrängt, es hat keinen Überlebensvorteil gegenüber Omikron“, erklärte Hendrik Streeck mit Blick auf „Deltakron“.

Aus einem internen Lagebericht des RKIs ging hervor, dass eine Endemie noch nicht erreicht sei. Aktuell befände man sich in einer „Übergangsphase“. Eine erneute Corona-Welle im Herbst 2022 ist laut RKI also „fest“ zu erwarten. Den Bericht hat das Nachrichtenportal Welt veröffentlicht. Lauterbach zufolge habe man die Omikron-Welle bisher aber „gut gemeistert“, teilte der SPD-Politiker auf Twitter. „Dabei war Grundlage: Gefahr nicht dramatisieren und nicht unterschätzen.“ (kas)

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