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Pandemie-Winter

Delta-Variante, stockende Impfungen: Wie schlimm wird die vierte Corona-Welle?

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Die Tage werden kürzer. Kommt nun ein gravierender Pandemie-Winter? Fachleute sind aufgrund der langsamen Impfkampagne und Corona-Mutanten alarmiert.

Frankfurt – Nach der ersten, zweiten und dritten Corona-Welle stellt sich folgerichtig die Frage: Wie gefährlich wird die vierte Welle der Pandemie? Wie wird die Situation im Winter? Dies gilt es zu klären, weil die Delta-Variante deutlich ansteckender ist als das ursprüngliche Coronavirus – und der Erreger mutiert ständig weiter.

Den vollständigen Impfschutz haben in Deutschland 51,6 Millionen Menschen (Stand: 11.09.2021). Das sind 62,1 Prozent der Bevölkerung. Mindestens eine Impfung haben rund 55 Millionen Menschen. Diese Zahlen sind deutlich vom Idealzustand entfernt, den sich Expert:innen wünschen. Schon vor Monaten war die Corona-Impfkampagne ins Stocken geraten. Andere europäische Länder stehen besser dar: In Spanien und Portugal sind fast 80 Prozent der Bevölkerung geimpft.

Vierte Corona-Welle: Jens Spahn ist wegen des Impftempos alarmiert

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist alarmiert. „Wir kommen aktuell leider nur langsam voran“, schrieb er auf Twitter. Zwar seien nun 72,4 Prozent der Erwachsenen geschützt. „Aber noch sind zu viele ungeimpft, um die Pandemie zu überwinden.“ Später fügte der CDU-Politiker auf dem Kurznachrichtendienst hinzu: „Jeder 5. Erwachsene ist noch nicht geimpft. Helft mit und überzeugt Zögernde oder Abwartende im Bekanntenkreis. Für einen sicheren Winter für uns alle.“

Diesen sicheren Winter wünschen sich viele. Doch die grassierende und mittlerweile in Deutschland dominierenden Delta-Variante nimmt zahlreichen Fachleuten den Optimismus. B.1.617, wie die Mutante in der Wissenschaft genannt wird, ist bis zu 60 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante von Sars-CoV-2. Infizierte ohne Mund-Nasen-Bedeckung und andere Schutzmaßnahmen stecken im Schnitt sechs bis sieben weitere Menschen an. Das Ergebnis kann beobachtet werden: Die Infektionszahlen steigen und auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Corona-Patient:innen.

Ein Reisender aus China schützt sich wegen des Coronavirus mit einem Ganzkörperanzug, Maske, sowie Handschuhen.

Vierte Welle: Wird die Delta-Variante des Coronavirus verdrängt?

Der Präsident des Robert-Koch-Institutes, Lothar Wieler, warnte am Mittwoch (08.09.2021): „Wenn wir die aktuellen Impfquoten nicht drastisch steigern, dann kann die aktuelle vierte Welle im Herbst einen fulminanten Verlauf nehmen.“ Die Corona-Pandemie sei noch nicht vorbei. Umso höher die Impfquote in der Bevölkerung sei, desto weniger schlimm verlaufe die Welle. „Es liegt in unseren eigenen Händen, viele schwere Verläufe und auch Todesfälle zu verhindern“, betonte der RKI-Chef.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Corona-Zahlen in den kälter werdenden Tagen weiter nach oben gehen werden. Doch mit welcher Wucht eine vierte Welle Deutschland letztlich treffen wird, ist nur schwer zu prognostizieren. Auch die Frage, ob Delta zukünftig die am stärksten verbreitete Variante ist, lässt sich nicht leicht beantworten. „Ich glaube nicht, dass wir Sars-CoV-2 gut genug verstehen, um eine sichere Antwort auf die Frage geben zu können, wie sich das Virus entwickeln könnte“, sagte die Epidemiologin Emma Hodcroft von der Universität Bern gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel.

Corona: Lauterbach warnt vor „deutlich gefährlicheren Varianten als Delta“

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach mahnt dagegen zur Vorsicht. „Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass wir wegen der weltweit so großen Zahl von Ungeimpften noch deutlich gefährlichere Varianten als Delta bekommen werden“, erläuterte der Bundestagsabgeordnete, der im Zuge der Corona-Pandemie bundesweite Bekanntheit erlangte, gegenüber dem Spiegel.

Es könne auch sein, dass sich Mutanten entwickeln, die gegen die derzeitigen Corona-Impfstoffe weitgehend resistent seien, warnte Lauterbach. „Etwa wenn das Spike-Protein des Coronavirus eine Tarnkappe entwickelt wie manche Krebszellen.“

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist für seinen vorsichtigen Weg in der Corona-Pandemie bekannt.

Möglicherweise zählt die Virusvariante Mu, die in Südamerika grassiert, zu den Corona-Mutanten, gegen die die aktuellen Vakzine kaum noch etwas bringen. Laut der Weltgesundheitsbehörde WHO gibt es Anzeichen, dass die Antikörper bei Genesenen oder Geimpften gegen Mu noch weniger wirksam sind als gegen andere Virusvarianten. Weitere Studien seien für ein besseres Verständnis aber notwendig.

Corona-Variante Mu laut EMA „potenziell besorgniserregend“

Die Corona-Variante Mu wurde zuerst in Kolumbien entdeckt. Wie Marcela Mercado von der staatlichen Gesundheitsbehörde sagte, sei Mu inzwischen der vorherrschende Virusstamm und für den Großteil der Covid-19-Todesfälle verantwortlich. Die WHO stuft sie als „Variante von Interesse“, die Europäische Arzneimittelbehörde EMA als „potenziell besorgniserregend“ ein. „Ich muss jedoch sagen, dass wir noch keine Daten haben, die zeigen, ob sich die Mu-Variante stark ausbreitet und ob sie eine Chance hat, die Delta-Variante als vorherrschenden Virusstamm zu überholen“, so der EMA-Leiter für Impfstoffstrategie, Marco Cavaleri, am Donnerstag (09.09.2021). 

Für Lauterbach ist es wichtig, die Entwicklung der Corona-Pandemie weiterhin sorgsam im Auge zu behalten. Es gebe noch immer keine gut wirksame Therapie für Covid-Patient:innen. Und schwere Erkrankungen gebe es auch bei vollständig Geimpften, da kein Vakzin eine Wirksamkeit von 100 Prozent habe. „Dieses Virus wird uns noch über Jahre hinweg beschäftigen“, sagte er dem Spiegel. (tvd)

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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