Pandemie immer schlimmer

Corona in den USA: Zahl der Neuinfektionen steigt kurz vor der Wahl auf Rekordwert

  • Daniel Dillmann
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In den USA steigen die Corona-Zahlen im Endspurt des Wahlkampfs wieder deutlich. Nun ist erstmals die Schwelle von 90.000 Neuinfektionen an einem Tag durchbrochen worden.

Update vom Freitag, 30.10.2020, 06.00 Uhr: Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in den USA ist im Land ein Rekordwert bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 91.295 neue Ansteckungsfälle erfasst. Damit wurde zum ersten Mal die Schwelle von 90.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages gebrochen.

Zuletzt breitete sich das neuartige Virus vor allem im Norden und Mittleren Westen der USA stark aus. Die Gesamtzahl der verzeichneten Ansteckungsfälle in den Vereinigen Staaten stieg nach Angaben der Universität inzwischen auf 8,94 Millionen. In absoluten Zahlen sind die USA das am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Obama über Trump: Der Präsident hat den Kampf gegen Corona in den USA „vermasselt“

+++ 19.50 Uhr: Barack Obama lässt kein gutes Haar am Corona-Management von Donald Trump. Am Rande einer Coronavirus-sicheren Drive-In-Kundgebung in Miami, Florida, sagte der ehemalige Präsident: „Die Idee, dass dieses Weiße Haus in der Corona-Pandemie alles andere als komplett vermasselt hat, ist Unsinn.“ Mit Blick auf die eigene Corona-Infektion des Präsidenten sagte Obama, dass Trump „nicht plötzlich alle von uns beschützen“ werde, schließlich habe Trump nicht einmal „die grundlegenden Schritte unternommen, um sich selbst zu schützen.“

Wenig überraschend schlug Donald Trump umgehend zurück. Barack Obama habe bei seiner Veranstaltung gerade einmal 47 Zuschauer:innen gehabt, lästerte Trump. Mit Blick auf seinen Herausforderer Joe Biden nannte Trump Obama energielos, „aber immer noch besser als Joe.“

Barack Obama wirft Donald Trump vor, den Kampf gegen die Corona-Pandemie „vermasselt“ zu haben

Update vom Dienstag, 10.35 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe den Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgegeben. „Das tue ich nicht“, sagte Trump am Montag, als er von Journalisten auf eine entsprechende Anschuldigung seines Wahl-Herausforderers Joe Biden angesprochen wurde. Der Amtsinhaber wiederholte vielmehr seine optimistische Einschätzung, die USA könnten die Pandemie bald hinter sich lassen.

Donald Trump, hier bei seiner Ankunft in Maryland, widerspricht seinem Stabschef, er glaub die Corona-Pandemie sei bald vorbei.

Corona in den USA: Trump-Stabschef pessimistisch – „Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren“

Am Sonntag hatte Donald Trumps Stabschef Mark Meadows mit einer Aussage für Wirbel gesorgt, die als Kapitulation vor dem Virus gewertet wurde. „Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren“, sagte Meadows im Nachrichtensender CNN. Entscheidend sei vielmehr, dass Impfstoffe und Medikamente gegen das Virus zum Einsatz kämen.

Biden erklärte daraufhin, Meadows habe letztlich nur die Strategie des Präsidenten im Umgang mit der Pandemie eingeräumt: „Die weiße Flagge der Niederlage schwenken und hoffen, dass das Virus einfach verschwindet, wenn er es ignoriert.“

Anthony Fauci: In den USA rollt noch immer die erste Corona-Welle

Update vom Montag, den 26. Oktober 2020, 19.07 Uhr: Dr. Anthony Fauci, der führende Experte für Infektionskrankheiten in den USA, widerspricht Meinungen, nach denen sich die USA in einer zweiten oder (angesichts der extrem steigenden Zahlen von Neuinfektionen) sogar dritten Corona-Welle befinden würden. Virologe Dr. Fauci stellt vielmehr fest, dass die USA sich in einer verlängerten ersten Welle befänden.

Dr. Anthony Fauci: Der führende Virologe der USA meint, dass die erste Welle des Coronavirus nie abgeebbt ist

„Ich betrachte es eher als eine verlängerte - und eine Verschärfung - der ursprünglichen ersten Welle“, sagt Dr. Anthony Fauci. Zwar sei der Nordosten der USA in der Lage gewesen, die Zahl an Neuinfektionen mit Corona einzudämmen, jedoch sei die Zahl an neu gemeldeten Infektionen mit dem Coronavirus landesweit nie unter 10.000 gefallen. Im Gegenteil sei diese Zahl mit 20.000 und mehr Neuninfektionen hoch geblieben.

Darüber hinaus hätten einige Staaten für Gebiete, die nach dem ersten kurzen Lockdown in den USA geöffnet wurden, keine strengen Richtlinien befolgt. „Wir sahen einen Höhepunkt, der uns auf rund 70.000 Neuinfektionen pro Tag brachte“, so Dr. Fauci. „Jetzt, da die Temperaturen kälter werden, sind wir am schlimmsten Stand bisher angekommen und sehen 80.000 Neuninfektionen täglich. “

Corona in den USA: Rekordwert an Neuinfektionen

Update, 12:15 Uhr: Am Freitag wurden in den USA ein neuer Rekordwert bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Laut Johns-Hopkins-Universität hatten sich 83.757 weitere Personen mit Sars-CoV-2 infiziert. Am Vortag waren es fast 12.000 weniger Fälle gewesen. Einen so hohen Wert mussten die USA seit Beginn der Pandemie nicht verzeichnen.

Die hohe Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus setzte sich auch am Wochenende fort. Für den Samstag meldeten die Gesundheitsbehörden laut Johns-Hopkins-Universität 78.586 neue Fälle - der zweithöchste Wert seit Beginn der Aufzeichnung Anfang März.

Update vom Sonntag, den 25. Oktober 2020, 7.30 Uhr: In den Vereinigten Staaten von Amerika grassiert das Coronavirus wie in kaum einem anderen Land. Mehr als 220.00 Menschen sind bereits in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Am vergangenen Freitag meldeten die Gesundheitsbehörden landesweit 83.757 Neuinfektionen. Fachleute wie Dr. William Haseltine rechnen damit, dass die Lage in den kommenden Wochen eher schlechter als besser werden würde. Der Epidemie-Experte rechne mit „100.000 Infektionen am Tag“, sagte er der Internetseite „Daily Beast“.

Corona in den USA: Vier Mitarbeiter von Mike Pence infiziert

Dass das Coronavirus auch vor den Mächtigen des Landes nicht Halt macht, sollten sie nicht entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, hatte bereits die Infektion von Donald Trump und seiner Familie bewiesen. Doch der Erreger geht allem Anschein immer noch im Weißen Haus umher. Wie mehrere US-Medien berichten, sind vier weitere hochrangiger Mitarbeiter der Regierung unter Donald Trump positiv getestet worden. Bei den Infizierten soll es sich vor allem um Angestellte des Büros von Mike Pence halten.

Einer der Infizierten ist Marc Short, Stabschef von Mike Pence. Das bestätige der Sprecher des Vizepräsidenten, Devin O`Malley, gegenüber der „New York Times“. Pence selber sei aber nicht infiziert. „Vizepräsident Pence und seine Ehefrau wurden beide negativ auf Covid-19 getestet. Beiden geht es sehr gut“, sagte O`Malley. Pence war am Samstag noch bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida aufgetreten - obwohl erst an diesem Tag die Virus-Infektion seines engsten Mitarbeiters bekannt geworden war. Auch in den kommenden Tagen plant der Vizepräsident Auftritte in bei der Wahl besonders umkämpften „Swing States“.

Vizepräsident Mike Pence bei einem Treffen mit Mitgliedern der Corona-Taskforce im Weißen Haus.

Corona-Krise in den USA: Kein Kontakt zwischen Taskforce und Donald Trump

Erstmeldung vom 24.10.2020
Washington - Die Corona-Krise in den USA ist alles andere als durchgestanden. Wie an vielen anderen Orten der Welt steigen auch in den Vereinigten Staaten von Amerika die Fallzahlen der Pandemie in den vergangenen Wochen wieder deutlich an. Fachleute der Gesundheitsbehörden und der Corona-Taskforce unter der Leitung von Mike Pence schlagen deshalb Alarm.

Trotz der steigenden Fallzahlen in den USA scheint US-Präsident Donald Trump sich nur noch bedingt mit dem Thema zu beschäftigen. Das zumindest lässt eine Aussage des führenden Virologen der USA, Dr. Anthony Fauci, vermuten. Laut Fauci treffe sich die Corona-Taskforce „mindestens einmal die Woche“. Das sagte der Experte im Bereich der Epidemiologie in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender MSNBC.

Corona in den USA: Donald Trump hört längst nicht mehr auf Anthony Fauci

Auf die Frage, wann den US-Präsident Donald Trump das letzte Mal an einem solchen Treffen der Corona-Taskforce teilgenommen habe, antwortet Anthony Fauci: „Das ist mehrere Monate her.“ Er habe darüber hinaus seit einiger Zeit auch nicht mehr persönlich mit dem Präsidenten gesprochen, sagte Fauci. „Das hat sich verändert.“ Den einzigen Kontakt, den er noch zu Trump habe, sei über Pence, der die Corona-Taskforce weiterhin leitet und laut Fauci auch bei den wöchentlichen Treffen anwesend sei. In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere Berichte über ein tiefes Zerwürfnis zwischen Fauci und Trump gegeben.

Scott Atlas, hier bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus, ist der neue Berater von Donald Trump in der Corona-Krise.

Auf Scott Atlas, den neuen Berater des Präsidenten in der Corona-Krise angesprochen, wird Fauci deutlich. „Die Situation hat sich deutlich verändert“, sagt der Virologe. Donald Trump höre nur noch auf Atlas, der zwar als Radiologe in Sachen Corona-Krise eher fachfremd ist, der aber wie Trump selbst die schnelle Wiedereröffnung des Landes in den Fokus der Maßnahmen rückt. Atlas ist unter anderem Vertreter der Theorie der Herdenimmunität, nach der sich nur genug Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infizieren müssen, um die Pandemie zu beenden. Zahlreiche Experten wie unter anderem der deutsche Virologe Christian Drosten üben scharfe Kritik an der Theorie und geben zu bedenken, dass sie mit deutlich höheren Sterberaten in der Krise einhergehe.

Donald Trump macht lieber Wahlkampf als sich mit der Corona-Taskforce zu treffen

Donald Trumps Abwesenheit in der Corona-Taskforce lässt sich in den Augen einiger Fachleute mit dem laufenden Wahlkampf in den USA erklären. Am Dienstag, den 03. November, wählen die Vereinigten Staaten von Amerika einen neuen Präsidenten. Dr. Francis Collins, Direktor des Nationalen Gesundheitsinstituts der USA, sagte gegenüber dem Sender „National Public Radio“ (NPR): „Es ist zur Zeit alles etwas chaotisch.“ In dem Interview gibt Collins sich zwar optimistisch, äußert aber ebenfalls seine Sorge, dass der US-Präsident eigentlich nur noch auf Scott Atlas höre.

Dr. Anthony Fauci auf dem Weg zu einer Anhörung im US-Kongress. Zu US-Präsident Donald Trump hatte der Virologe seit Monaten keinen Kontakt mehr.

Derweil erleben die USA einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen in der Corona-Krise. Die Zahl der Personen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, liegt knapp 8,5 Millionen. Über 223.000 Menschen sind in den USA bislang in Zusammenhang mit Covid-19 verstorben. Zuletzt infizierten sich wieder mehr als 75.000 Menschen innerhalb eines Tages mit Corona.

Joe Biden kritisiert Donald Trump wegen der Corona-Krise

US-Präsident Donald Trump steht aufgrund seiner Politik in der Corona-Krise in der Kritik. Sein Herausforderer bei den Präsidentschaftswahlen, Joe Biden, macht die angeblichen Verfehlungen des US-Präsidenten immer wieder zum Wahlkampfthema. Zuletzt durch eine Website, die von der Biden-Kampagne gebaut wurde. Ruft man die Seite www.trumpcovidplan.com auf, erscheint in schwarzen Buchstaben „Not Found“ (Nicht gefunden) - was anmutet wie eine Fehlermeldung. Klickt man dann aber auf „Learn More“ (Lernen Sie mehr), öffnet sich folgender Text: „Donald Trump hatte acht Monate Zeit, um mithilfe der Wissenschaft, des Gesundheitswesens und der Macht des Präsidentenamts das Land wieder zu öffnen und amerikanische Leben zu retten. Wir sind aber kaum besser ausgerüstet, mit Covid-19 umzugehen als wir es vor acht Monaten waren.“ (Von Daniel Dillmann)

Rubriklistenbild: © Alex Brandon

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