Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zoo Wuhan
+
Der Ursprung des Coronavirus ist weiterhin nicht sicher geklärt. Eine Einrichtung in Wuhan wirft Fragen auf. (Symbolbild)

China

Corona-Ursprung: Schweigendes Wildtier-Zentrum in Wuhan wirft Fragen auf

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
    schließen

Der Umgang mit Wildtieren in China sorgt seit Beginn der Corona-Pandemie für Kritik. Ein Bericht wirft das Licht auf eine kaum bekannte Einrichtung in Wuhan.

Wuhan – Während westliche Staaten weitere Aufklärung in Bezug auf den Ursprung des Coronavirus Sars-CoV-2 fordern, wehrt sich die Volksrepublik China vehement dagegen. Die kommunistische Regierung wirft den USA vor, das Thema politisieren zu wollen und fühlt sich als Sündenbock der Pandemie dargestellt.

Die G7-Staaten lassen bei der Frage, wo Corona zuerst aufgetreten ist, nicht locker. Nach dem letzten Treffen im englischen Carbis Bay forderten die großen Industrienationen in ihrer Abschlusserklärung eine „zeitnahe, transparente, von Experten geführte und wissenschaftlich basierte Studie“. Die Untersuchungen sollen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) organisiert werden – als zweite Phase der eher vage gebliebenen Ermittlungen im Januar und Februar in China.

Corona-Ursprung: Virus erstmals in Wuhan aufgetreten

Erste bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus waren im Dezember 2019 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan entdeckt worden. Bis heute forderte die Pandemie knapp 4,5 Millionen Todesopfer, ein gigantischer wirtschaftlicher Schaden entstand. Ein Team von Fachleuten der WHO hatte Anfang des Jahres in Wuhan ermittelt, allerdings gab es Vorwürfe, dass die chinesische Seite nicht transparent und unzureichend kooperiert habe.

Wissenschaftler:innen kritisierten kürzlich in der Zeitschrift Nature, dass die damalige Untersuchung ein erster Schritt in die richtige Richtung gewesen sei, der aber zum Stillstand gekommen sei. Auch sie forderten eine Fortsetzung der Untersuchung. Darunter war Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Das Fenster, in dem es noch möglich sei, frühe Spuren des Virus in Menschen und Tieren in China und anderswo zu finden, schließe sich rapide. Antikörper, die Hinweise geben könnten, schwinden bei Infizierten mit der Zeit, schrieben die Fachleute. Sie halten eine Übertragung vom Tier auf den Menschen, vermutlich über einen Zwischenwirt, am wahrscheinlichsten. Expert:innen glauben, dass das Virus auf Wildtier-Farmen auf den Menschen übergegangen sein könnte. Viele davon seien mittlerweile geschlossen und die Tiere getötet worden, hieß es in dem Nature-Beitrag. Auf diesen Farmen hätten chinesischen Angaben zufolge 2016 vermutlich 14 Millionen Menschen gearbeitet.

China wirft USA vor, Corona-Ursprungssuche zu politisieren

Doch auch die Labor-Theorie ist Teil der wissenschaftlichen Debatte. Sie zähle zu den „wahrscheinlichen Hypothesen“, sagte der dänische Wissenschaftler Peter Ben Embarek, der die WHO-Mission in Wuhan geleitet hatte, im dänischen Fernsehen. Er halte es für möglich, dass ein Labormitarbeiter sich bei der Probenentnahme infiziert habe und das Virus so von Fledermäusen auf den Menschen übertragen worden sei.

China wirft unter anderem den USA vor, die Ursprungssuche zu politisieren. „Wir rufen die einschlägigen Stellen dazu auf, aufzuhören, die Sache der Ursprungssuche zu politisieren, die Angelegenheit zu nutzen, um andere zu Sündenböcken zu machen und sich eigener Verantwortung zu entziehen“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums in Peking Mitte Juli. Das behindere die internationale Kooperation.

Corona-Ursprung: Wildtier-Zentrum in Wuhan wirft Fragen auf

Niemand weiß, ob einmal geklärt werden kann, woher das Coronavirus kommt. Klar ist jedoch, dass es in China einen Umgang mit Wildtieren gibt, der neue Krankheitserreger fördet. So hat ein neuer Bericht von Al Jazeera Licht auf das Hubei Wildlife Rescue Centre im Osten der Stadt Wuhan geworfen, das mit dem Institut für Virologie Wuhan zusammenarbeitet. Eigenen Angaben zufolge beherbergt es mehrere Tierkliniken, Affenanlagen, Gehege für Amphibien und Reptilien, Einrichtungen zur Aufzucht von Wildtieren und ein Tierkrankenhaus.

Mehrere Anfragen von Al Jazeera, welche Verbindung es zwischen dem Institut für Virologie und dem Wildlife Rescue Centre und welche Praktiken das Tierrettungszentrum verfolgt, wurden abgelehnt. Zwar ist offiziell kein Zusammenhang zwischen dem Corona-Ausbruch und dem Zentrum bekannt, jedoch werfe es Fragen auf, warum keine Stellung bezogen werde, so der Nachrichtensender.

Ein Mann passiert das Institut für Virologie in Wuhan.

Das Rettungszentrum arbeitet seit 2013 mit dem Labor bei der Erforschung von Zoonose-Viren zusammen, heißt es in dem Bericht. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Tier zu Mensch und andersherum übertragen werden. Zudem habe man in der Einrichtung an der Zucht von Wildtier-Hybriden gearbeitet, also der Kreuzung verschiedener Arten oder Gattungen. Seit der Eröffnung im Jahr 2000 sollen mehr als 200.000 Wildtiere aus 89 verschiedenen Arten in der Einrichtung untergebracht worden seien.

Corona: Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen bei Wildtier-Unterbringung in Wuhan

Obwohl das Zentrum in Wuhan so viele unterschiedliche Tiere beherbergt haben soll, waren die Sicherheitsvorkehrungen offenbar mangelhaft. Im Laufe von sechs Jahren sei ein Affe berühmt geworden, weil er immer wieder entkam und wieder eingefangen wurde, berichtet Al Jazeera in Bezug auf chinesische Staatsmedien.

Neben dem Tierrettungszentrum befindet sich der Jiufeng Forest Zoo, in dem unter anderem Löwen, Tiger und Kamele leben. Der Zoo ist geschlossen, obwohl in der Stadt Wuhan das normale Leben wieder zurückgekehrt ist. Warum das so ist, ist nicht bekannt.

Die Einrichtungen standen bisher nicht im Fokus der Debatte zum ersten Auftreten des Coronavirus. Expert:innen, die von Al Jazeera befragt wurden, gaben jedoch an, dass es unerlässlich ist, genaue Informationen darüber zu haben, was in den Monaten vor der Pandemie dort geschah und welche Wildtiere beherbergt wurden. „Da fast alle menschlichen Viren von Tieren abstammen, ist es von entscheidender Bedeutung zu wissen, welche Wildtiere sich zum Zeitpunkt des Virus-Ausbruchs in Wuhan befanden“, sagte Virenforscher Edward Holmes von der Universität Sydney. Dies sei der erste Schritt, „um zu verstehen, wie dieses Virus entstanden ist.“ (tvd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare