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Neue Hinweise zum Ursprung von Corona: Stammt das Virus doch aus einem Labor?

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Von: Natascha Terjung

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Wie ist Corona entstanden? Darauf gibt es noch immer keine eindeutige Antwort. Ein Buch untermauert jetzt aber die Laborthese.

Wuhan – Corona hält seit zwei Jahren die Welt in Atem. Doch woher stammt eigentlich das Sars-Cov-2-Virus? Dazu gab es bereits etliche Theorien, wie etwa, dass Corona über Fledermäuse übertragen worden ist. Doch immer wieder gibt es Spekulationen, dass das Virus aus einem Labor stammt. Ein neues Buch stärkt diese These nun.

Auch Virologe Christian Drosten scheint jetzt für die Laborthese offener zu sein. Eigentlich sehe er den Ursprung des Coronavirus in Tieren, die auf dem Huanan Seafood Market in China verkauft wurden. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) im Februar sprach er aber von einer überraschenden Erkenntnis: Aus Projektberichten ginge hervor, dass das Institut für Virologie in Wuhan (WIV) in einem Projekt der US-amerikanischen NGO Ecohealth Alliance sogenannte Gain-of-Function-Experimente gemacht habe.

Laborthese zum Corona-Ursprung: Untypische Proteinkonstruktion untermauert These

Dabei seien Fledermausviren mithilfe von Gentechnik neue Spikeproteine eingebaut worden. Somit hätten sich die Viren besser vermehren können. Laut Drosten könnte das Coronavirus so sogar gefährlicher geworden sein. Drosten sagte aber auch, dass bei diesen Experimenten das Sars-Cov-2-Virus nicht hätte entstanden sein können. Auch Ergebnisse von zwei Studien ergaben, dass Corona nicht aus dem Labor stammen kann.

Das Buch „Viral“ von der US-Forscherin Alina Chan und dem Wissenschaftsautor Matt Ridley untermauert die Laborthese, wie Focus berichtet. Besonders eine Proteinkonstruktion des Sars-Cov-2-Virus, die andere Coronaviren nicht hätten, habe Chan und Ridley misstrauisch werden lassen. Wegen einer sogenannten Furinspalte im Protein könnte das Virus leichter die Atemwege befallen. Auch Drosten sprach im Interview mit der SZ über dieses Merkmal und wies darauf hin, dass dies für eine andere Gruppe von Coronaviren – zu der das Sars-Cov-2-Virus nicht gehört – nicht untypisch sei.

Woher stammt das Coronavirus? Ein neues Buch bestärkt die These, dass Sars-Cov-2 aus einem Labor kommt. (Symbolfoto)
Woher stammt das Coronavirus? Ein neues Buch bestärkt die These, dass Sars-Cov-2 aus einem Labor kommt. (Symbolfoto) © Sebastian Kahnert / dpa

Ob die Proteinkonstruktion das Ergebnis eines Labor-Experiments ist, beantworten Chan und Ridley in ihrem Buch aber nicht. Allerdings wird laut Focus darauf hingewiesen, dass es im Labor in Wuhan aber Experimente mit der Furinspalte eines anderen Coronavirus gab. Daran sei die WIV-Wissenschaftlerin Zheng-Li Shi beteiligt gewesen. Sie habe überprüft, ob Corona aus dem Labor entwichen sei – dies sei aber nicht der Fall.

Christian Drosten zum Corona-Ursprung: Für Laborthese gebe es zu wenige Indizien

Zheng-Li Shi hat gemeinsam mit dem US-amerikanischen Wissenschaftler Peter Daszak untersucht, unter welchen Bedingungen Viren gefährlicher werden könnten – dies haben aber auch andere Forscher bereits weltweit getan. Laut Focus hat dies Kritik aus Fachkreisen hervorgerufen, da solche Experimente nicht ungefährlich seien.

Für Christian Drosten bleibt die Tierthese jedoch die plausibelste: Gegenüber der SZ sagte er, dass das Sars-1-Virus wahrscheinlich von Fledermäusen auf Schleichkatzen und Marderhunde übergegangen sei, mutierte und dann auch Menschen befallen konnte. Für die Laborthese gebe es keine ausreichenden Indizien. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die USA suchen weiter nach dem Ursprung des Coronavirus. Doch Einblicke in chinesische Originalquellen und entsprechende Untersuchungen seien in China nicht möglich. (ter)

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