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Weil Eltern ungeimpft sind: Krankenhäuser verweigern Kind die Behandlung

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Von: Karolin Schäfer

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Ein herzkrankes Kind aus Zypern soll in einer Klinik in Frankfurt behandelt werden. Doch da die Eltern nicht geimpft sind, wird die Verlegung kurzfristig abgesagt. (Symbolbild)
Ein herzkrankes Kind aus Zypern soll in einer Klinik in Frankfurt behandelt werden. Doch da die Eltern nicht geimpft sind, wird die Verlegung kurzfristig abgesagt. (Symbolbild) © Jean-Francois Badias/dpa

Weil seine Eltern nicht gegen Corona geimpft sind, wird die Behandlung eines schwerkranken Jungen in mehreren Krankenhäusern abgelehnt – auch in Frankfurt.

Frankfurt – Ein dreijähriger Junge aus Zypern benötigte aufgrund einer schweren Herzkrankheit dringend eine Operation. Allerdings konnte der notwendige Eingriff auf der Mittelmeerinsel wegen mangelnder Ausstattung nicht durchgeführt werden. Dementsprechend blieb nur eine Verlegung in ein anderes Krankenhaus übrig.

Das Gesundheitsministerium veranlasste daraufhin am vergangenen Donnerstag (27.01.2022) eine Verlegung per Ambulanzflugzeug nach Deutschland. Die Operation des Jungen sollte in einem Krankenhaus in Frankfurt stattfinden. Das berichtete Politico Europe, Ableger des US-Nachrichtenportals.

Notwendige Herzoperation in Frankfurt wird verweigert – weil Eltern ungeimpft sind

Kurz vor der Verlegung entschied sich das Frankfurter Krankenhaus allerdings gegen den Eingriff. Der Grund: Die Eltern des Dreijährigen seien nicht gegen Corona geimpft. Alternativ schlugen die Behörden in Zypern vor, dass der Junge von einem gesetzlichen Vormund anstelle seiner Eltern begleitet werden könnte. Laut politico.eu soll dieser Vorschlag jedoch abgelehnt worden sein.

Ein Sprecher des deutschen Gesundheitsministeriums erklärte auf Nachfrage der Wochenzeitung, dass ungeimpfte Personen weiterhin in deutschen Krankenhäusern behandelt werden können. Eine Regel, die die Behandlung für Ungeimpfte untersage, gebe es nicht – besonders nicht für Kinder, deren Eltern nicht geimpft seien. Dennoch obliege es den Krankenhäusern selbst, wer behandelt wird. Um welches Krankenhaus in Frankfurt es sich dabei handelte, ist nicht bekannt.

Nach verweigerter Operation in Frankfurt: Behörden planen Verlegung in andere EU-Länder

Nach der verweigerten Operation in Frankfurt versuchten die Behörden in Zypern eine Verlegung nach Großbritannien und Israel zu ermöglichen. Allerdings wurde auch hier die Behandlung aufgrund der ungeimpften Eltern abgelehnt.

Daraufhin wurde der Junge nach Informationen von politico.eu am Samstag (30.01.2022) ins benachbarte Griechenland geflogen. Er wird laut der Generaldirektorin des zypriotischen Gesundheitsministeriums, Christina Yiannaki, in einem privaten Krankenhaus in Athen operiert.

Obwohl sich die Eltern kurz nach der Absage aus Frankfurt gegen das Coronavirus impfen ließen, änderte das nichts an der Situation. Denn: Der Impfstatus wird erst nach einer entsprechenden Wartezeit anerkannt. Zudem gelten in Deutschland für Ungeimpfte strenge Einreiseregeln. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss der Bundesregierung zufolge neben dem Nachweis eines negativen Testergebnisses unverzüglich für zehn Tage in häusliche Quarantäne. Frühestens nach dem fünften Tag kann diese durch einen negativen Corona-Test vorzeitig beendet werden.

Klinken verweigern Behandlung wegen ungeimpften Eltern: Fall wirft moralische Frage auf

„Ich weiß, dass ungeimpfte Patienten in deutschen Krankenhäusern behandelt werden dürfen“, erklärte der Vater des Jungen gegenüber der Wochenzeitung. „Ich wusste nicht, dass auch ich geimpft sein muss, damit mein Kind behandelt werden kann. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es sofort getan.“

Der Fall des kleinen Jungen aus Zypern wirft die Frage auf, ob Klinken ungeimpfte Patientinnen und Patienten oder in diesem Fall ungeimpfte Eltern abweisen sollten. Noch im Dezember dominierte der Anteil der Ungeimpften auf deutschen Intensivstationen. (kas)

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