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Corona-Testzentren in NRW: Tausende Proben, null Infizierte – Verdacht auf Abrechnungsbetrug

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Von: Tanja Koch

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Kein einziger positiver Fall unter tausenden Coronavirus-Tests ist derzeit sehr unwahrscheinlich. (Symbolfoto)
Kein einziger positiver Fall unter tausenden Coronavirus-Tests ist derzeit sehr unwahrscheinlich. (Symbolfoto) © Tom Weller/dpa

Ein Virologe sieht bei Testzentren „elementare Mängel“. Recherchen wecken Verdacht auf Betrug. In NRW beginnt eine Razzia gegen Betreiber von Corona-Testzentren.

Wuppertal/Karlsruhe – Offenbar fälschen nach wie vor etliche Corona-Testzentren* ihre Abrechnungen. In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen wird gegen neun Beschuldigte im Alter von 22 bis 57 Jahren ermittelt.

Zudem wurden im Raum Karlsruhe und in Südbaden sechs Verdächtige im Alter zwischen 25 und 33 Jahren festgenommen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei am Mittwoch (23.02.2022) mit. Sie sollen ein betrügerisches Millionengeschäft gemacht haben. Eine genaue Schadenshöhe nannten die Ermittler nicht, sie dürfte nach Schätzungen aber im einstelligen Millionenbereich liegen.

Corona in Deutschland: Testzentren in der Kritik – sechs Verdächtige festgenommen

Vier von ihnen kamen in Untersuchungshaft, zwei weitere sollten noch dem Haftrichter vorgeführt werden. Mehr als 50 Teststationen wurden dicht gemacht. Sie sollen von der Bande oder von deren Mittelsmännern betrieben worden sein.

Wie eine Recherche von WDR, NDR und der Süddeutschen Zeitung ergeben hat, fallen etliche Testzentren in Nordrhein-Westfalen derzeit dadurch auf, dass tausende angebliche Tests in keinem einzigen Fall ein positives Ergebnis hervorgebracht haben.

Während beispielsweise am 8. Februar in ganz Nordrhein-Westfalen von gut einer Million Schnelltests 35.007 (3,5 Prozent) positiv ausfielen, meldeten 24 große Testzentren nur negative Testergebnisse.

Coronavirus-Testzentren: Virologe sieht elementare Fehler

Da aktuellen Corona-Fallzahlen* von täglich zwischen 80 000 und 250 000 Covid-19-Neuinfektionen nachgewiesen werden und mehr als 40 Prozent der PCR-Tests positiv sind, erscheint das auf den ersten Blick unrealistisch. Zusätzlich ist bei den aktuellen Corona-Fallzahlen mit einer Dunkelziffer zu rechnen*. So sieht es auch Virologe Christian Drosten* von der Berliner Charité: „Bei der sehr hohen Inzidenz der vergangenen Wochen müsste ein beträchtlicher Teil der Probanden positiv sein“, zitiert n-tv den Virologen. Die Angaben der Testzentren seien „nicht plausibel“

Virologe Hartmut Hengel von der Universität Freiburg fordert laut n-tv mehr Kontrollen der Tests selbst und der Testzentren. Die Testzentren würden von den Behörden nicht immer vor Ort geprüft. Auch die Meldung ans Gesundheitsamt sei nicht in allen Bundesländern gleich geregelt. „Das alles sind elementare Mängel“, wird Hengel zitiert, „und das im dritten Jahr der Pandemie.“

Coronavirus-Tests nur bei Positivergebnis zu bezahlen wäre weniger riskant

Jeder Test wird derzeit mit 11,50 Euro vergütet. Um Betrug mit Corona-Tests zu verhindern und die Qualität solcher Tests zu erhöhen, empfehlen Forscher ein anderes Finanzierungsmodell für die Schnelltests. Statt jeden durchgeführten Test zu bezahlen, sollte es nur für positive und mit PCR-Test bestätigte Tests Geld geben – dann aber deutlich mehr, schlagen Wirtschaftsprofessor Hanno Beck von der Hochschule Pforzheim und Kollegen laut dpa vor. Dadurch gebe es einen starken Anreiz dafür, Corona-Schnelltest mit qualifiziertem Personal sorgfältig durchzuführen. Denn das Ziel sei es dann, Infizierte zu identifizieren. (tk mit dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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