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Neue Corona-Studie: IQ-Test zeigt deutlichen Unterschied bei Pandemie-Babys

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Von: Sophia Lother

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Wie beeinflusst die Corona-Pandemie Babys und Kleinkinder? Eine Studie gibt Aufschluss. (Symbolbild)
Wie beeinflusst die Corona-Pandemie Babys und Kleinkinder? Eine Studie gibt Aufschluss. (Symbolbild) © Cecilia Fabiano/dpa

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf Babys und Kleinkinder? Forschende machen eine beunruhigende Beobachtung.

Providence - Der erwartete Baby-Boom durch Corona* und die mehrmaligen Lockdowns ist zumindest in Deutschland weitgehend ausgeblieben. Erst die ersten Lockerungen sorgten wieder für ein Ansteigen der Geburtenrate in Deutschland, so das Statistische Bundesamt. Für Eltern ist es auch bei einem relativ entspannten Infektionsgeschehen nicht einfach, Kinder und Corona-Einschränkungen unter einen Hut zu bringen.

Studien beschäftigten sich immer wieder mit den Folgen der Pandemie auf Kinder. So zeigte sich am Beispiel Neuseeland, dass sich die Corona-Quarantäne negativ auf das Immunsystem von Kindern* auswirken kann. Das Land musste einen starken Anstieg bei RSV-Fällen verbuchen, eine Virusinfektion, für die Kinder anfälliger sind, als Erwachsene. Doch nicht nur diese negative Folge enthüllten Forschende, eine aktuelle Studie zeigt nun deutliche Unterschiede im Hinblick auf die kognitive Leistung von Babys und Kleinkindern, die in der Pandemie geboren wurden.

Corona-Studie zum IQ von Babys: Fachleute decken enorme Unterschiede auf

Forscherinnen und Forscher aus Providence im US-Bundesstaat Rode Island haben im Rahmen des „Resonance Consortiums“ eine Studie zur kognitiven Entwicklung der Pandemie-Kinder veröffentlicht. Sie ist bisher nur im sogenannten Pre-Print erschienen, wurde also noch von keiner Fachöffentlichkeit eingehend begutachtet und ist noch in keinem der renommierten Journals erschienen.

Sie arbeiteten mit Daten von insgesamt 672 Kindern im Alter zwischen drei Monaten und drei Jahren, die seit 2011 im Rahmen von Untersuchungen verschiedene kognitive Tests absolvierten. 188 dieser Kleinkinder und Babys wurden nach Juli 2020 geboren, 176 zwischen Januar 2019 und März 2020. Dabei untersuchten die Fachleute Faktoren wie die verbale und nonverbale Ausdrucksmöglichkeit und der kognitiven Entwicklung mittels der Mullen-Skala. Das standardisierte Testverfahren zeigte: Kinder, die mitten in der Pandemie zur Welt kamen, wiesen einen deutlich niedrigeren IQ-Wert auf, als Babys und Kleinkinder in den Jahren zuvor. Betrugen die erzielten Werte vor der Pandemie im Schnitt 100, sank dieser auf gerade einmal 78. Doch woran könnte diese besorgniserregende Entwicklung liegen?

Untersuchte FaktorenBedeutung
Early learning composite (ELC)Zusammengefasster Score aller Kategorien der Skala
Verbal development quotient (VDQ)Quotient der verbalen Entwicklung
Non-verbal development quotient (NVDQ)Quotient der non-verbalen Entwicklung
Quelle: Sean CL Deoni et al. (2021) Impact of the COVID-19 Pandemic on Early Child Cognitive Development

IQ-Werte bei Corona-Babys deutlich eingebrochen: Fachleute erläutern Hintergründe

Der leitende Studienautor Sean Deoni betonte gegenüber The Guardian, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit an mangelnder Stimulation und Interaktion Zuhause liegen würde. „Die Eltern sind gestresst und erschöpft [...], dadurch sank die Zeit, die normalerweise mit den Kindern verbracht wurde, deutlich.“ Doch lässt sich eine solche negative Entwicklung noch umkehren?

Nach Ansicht des außerordentlichen Professors für Pädiatrie wird dies nicht einfach sein. Er verdeutlicht das am Beispiel eines Hausbaus. Während man noch das Fundament baut, sei es einfacher, weitere Räume hinzuzufügen. Steht das Fundament erst einmal, werde das jedoch schwierig. Ebenso sei es mit zunehmendem Alter der Kinder schwieriger, noch eine Kurskorrektur vorzunehmen. Die Ergebnisse der Corona-Studie sorgen jedoch noch aus einem anderen Grund für Beunruhigung bei den Fachleuten.

Corona-Kinder mit deutlich niedrigeren IQ-Werten: Forschende in Sorge

Denn betrachtet man die Herkunft der Kinder in der Studie, zeigt sich noch ein weiteres mögliches Problem. Keines der Kinder kam als Frühchen zur Welt oder hatte einen kognitiven Defekt. Diese Kinder könnten von den kognitiven Einbußen nochmals deutlich schlimmer betroffen sein.

Hinzu kommt, die Babys und Kinder kamen aus Rode Island, einem Bundesstaat mit einer vergleichsweise guten Sozialhilfe und Unterstützung für Arbeitslose. Sean Deoni betont, dass es in ärmeren Teilen der USA* und der ganzen Welt noch wesentlich schlechter um die kognitive Entwicklung Babys und Kleinkindern stehen könnte, die in Zeiten der Pandemie zur Welt kamen. Das wird auch durch die Ergebnisse der Studie gestützt, Kinder mit einem niedrigeren sozio-ökonomischen Hintergrund schnitten nochmals schlechter ab, als ihre Altersgenossen aus höheren Schichten. (Sophia Lother) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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