Zweiter Lockdown droht

Corona-Zahlen in Spanien steigen weiter dramatisch - Gesundheitsminister über Kampf gegen das Virus

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Die Corona-Zahlen in Spanien steigen weiter dramatisch an, ein zweiter Lockdown droht. Der Gesundheitsminister Salvador Illa spricht über den Kampf gegen das Virus.

München/Madrid - Bereits im Frühjahr dieses Jahres, nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie, musste sich die spanische Bevölkerung an einen sehr harten Lockdown halten. Wochenlang durfte das Haus nur zum Einkaufen oder zum Gassigehen mit dem Hund verlassen werden. Nun droht ein erneuter Lockdown, denn die Corona-Zahlen steigen weiterhin dramatisch an. Am Dienstag, den 22. September, meldete das Gesundheitsministerium 10.799 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden.

Corona in Spanien: Hauptstadt Madrid teilweise abgesperrt

Insbesondere in der Hauptstadt Madrid gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle. Bereits seit Montag sind Wohngebiete mit insgesamt 850.000 Einwohnern teilweise abgesperrt. Die Bewohner dürfen sie nur verlassen, um unter anderem zur Arbeit, zur Schule oder zum Arzt zu gehen. Angesichts der weiterhin rasant steigenden Corona-Infektionen hat Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso am Dienstag vor einem Lockdown der gesamten Hauptstadtregion gewarnt.

In einem Interview mit dem Spiegel äußerte sich nun Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa zum Kampf gegen das Coronavirus. Es sei richtig, dass die Zahl der Corona-Fälle in Spanien deutlich steige. Allerdings teste man auch doppelt so viel wie im Frühjahr und fast die Hälfte der Infizierten habe keine Symptome*. Die Krankenhäuser seien auch noch nicht voll und die Lage nicht mit der im März vergleichbar, so Illa.

Coronavirus in Spanien: Gesundheitsminister glaubt an Kontrolle der Neuinfektionen ohne zweiten Lockdown

„Zuletzt haben wir bemerkt, dass sich das Virus verstärkt dort verbreitet, wo die Leute entspannter sind. Bei Familienfeiern, auch in Diskotheken“, sagte der Gesundheitsminister. Die autonomen Regionen haben alle Nachtklubs wieder geschlossen und weitere Maßnahmen getroffen, um die Treffen unter Freunden und Familienmitgliedern zu begrenzen. „Wenn die Leute den jeweiligen Regelungen in ihren Regionen folgen, gibt es kein großes Risiko“, erklärte Illa.

Der Gesundheitsminister glaubt aktuell noch, dass es möglich sei, den Anstieg der Neuinfektionen ohne einen zweiten Lockdown zu kontrollieren. Die Regionalregierungen hätten bislang gut reagiert, auch in Madrid. Illa bekräftigte: „Seit Beginn der Pandemie unterstützt die Zentralregierung Madrid bei der Kontrolle des Virus. Ministerpräsident Pedro Sánchez trifft sich nun mit der Präsidentin der Regionalregierung, Isabel Díaz Ayuso. Das Treffen wird die Zusammenarbeit stärken.“

Spanien und Corona: „Wir müssen kollektiv lernen, mit dem Virus zu leben“

Ein Problem bei der Bekämpfung des Coronavirus in Spanien seien die fehlenden Mitarbeiter zur Kontaktverfolgung von positiven Fällen. „Wir setzen nun Soldaten ein, um mit der Kontaktverfolgung zu helfen. Auch speziell in Madrid", berichtete Illa. Auch die neue Corona-App, in Deutschland gibt es eine solche bereits seit mehr als 100 Tagen, sei mittlerweile einsatzbereit und soll dabei helfen.

Auf die Frage, ob Spanien im Frühsommer nicht zu schnell aufgemacht hätte, antwortete der Gesundheitsminister: „Wir wussten, dass mit der Mobilität auch die Infektionen zunehmen würden. Das sehen wir auch in anderen Ländern Europas. Unser Plan war, die Kontrolle über die Situation zu behalten und zu vermeiden, dass es wieder zu einer Überfüllung der Krankenhäuser kommt.“ Illa ergänzte: „Wir müssen kollektiv lernen, mit dem Virus zu leben.“ Man werde es erst ausrotten, wenn es einen Impfstoff gibt.

Corona in Spanien: Gesundheitsminister bezeichnet Spanien als sicheres Reiseziel

Das Robert-Koch-Institut (RKI)* hat inzwischen ganz Spanien zum Risikogebiet erklärt. Illa sagte, er spreche regelmäßig mit dem deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn und er finde es richtig, in ganz Europa dieselben Kriterien anzulegen. Der spanische Gesundheitsminister ergänzte jedoch: „Aber aus unserer Sicht muss man alle Daten in Betracht ziehen, nicht nur einzelne wie die Infektionszahlen. Und die Entscheidung sollte je nach Lage in den einzelnen Regionen getroffen werden.“ Die Kanaren seien nicht in der gleichen Situation wie Madrid.

Die Balearen, die Kanaren, aber auch andere Regionen hätten sich sehr angestrengt, um einen Urlaubsaufenthalt für Touristen sicher zu machen, berichtete der Gesundheitsminister. „Wir glauben, dass Spanien immer noch ein sicheres Reiseziel ist“, sagte Illa weiter.

Coronavirus in Spanien: Spanischer Gesundheitsminister erwartet Impfstoff Ende 2020 oder Anfang 2021

Abschließend wagte der spanische Gesundheitsminister eine Prognose in Sachen Impfstoff* gegen das Coronavirus. Er arbeite gemeinsam mit seinen europäischen Kollegen am Kauf einer Reihe von Impfstoffen. Man werde auch die Dosen untereinander aufteilen, so wie es in einem Memorandum of Understanding festgelegt wurde, berichtete Illa. Er führte weiter aus: „Ich glaube, dass wir Ende 2020 oder Anfang 2021 einen Impfstoff haben werden, der alle Sicherheitsanforderungen erfüllt. Das wird der Wendepunkt im Kampf gegen das Virus sein.“ (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © picture alliance/Moncloa/EUROPA PRESS/dpa

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