Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Harter Lockdown

Corona in Portugal: Gesundheitssystem vor Zusammenbruch - Triage in den Krankenhäusern

  • vonSebastian Richter
    schließen
  • Joel Schmidt
    schließen

In Portugal nehmen die Corona-Neuinfektionen rasant zu. Der Lockdown wird verschärft, in Kliniken muss zu drastischen Maßnahmen gegriffen werden.

  • In Portugal spitzt sich die Corona-Lage dramatisch zu.
  • Die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 sorgt für zahlreiche Neuinfektionen.
  • In einigen Kliniken musste die Triage angewendet werden, Krankenwägen stauen sich.

Update vom 23.01.2021, 09:59 Uhr: Die Entwicklung der Corona-Pandemie in Portugal wird immer dramatischer. Inzwischen hat das Land laut Daten der Johns-Hopkins-Universität die höchste 7-Tages-Inzidenz der Welt. Gerade in den Krankenhäusern ist man verzweifelt. Laut der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ ist die Leichenhalle des Krankenhauses Barreiro Montijo in Lissabon bereits überfüllt. Vor der Klinik wurden zwei Kühl-Container aufgestellt, in denen die Leichen der Corona-Opfer bis zur Bestattung aufbewahrt werden. Es gibt quasi keine freien Betten mehr, im ganzen Land werden nun Feldlazarette aufgebaut. „Die Krankenhäuser befinden sich am Limit“, sagte Gesundheitsministerin Marta Temido.

Corona-Lage in Portugal: Triage in Krankenhäusern

Der Chef der Ärztekammer, Miguel Guimarães, sprach von einer Triage, die bereits in einigen Kliniken angewendet werden musste. Das bedeutet, dass bei zu wenigen Beatmungsgeräten entschieden werden muss, welche:r Patient:in die besseren Überlebenschancen habe. Diese Person bekommt dann den Zugang zur künstlichen Beatmung. Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht, vor den Kliniken stauen sich die Krankenwagen mit weiteren Patient:innen.

Vor allem die Virusmutation B1.1.7 breitet sich rasend schnell aus. Nach Prognosen könnte der Anteil der neuen Corona-Variation aus Großbritannien schon bald auf 60 Prozent steigen. In Portugal leben mehr als 30.000 Briten. Laut Regierungschef Costa lassen Kontakte mit der alten Heimat die Zahlen nach oben schießen.

Vor dem Santa Maria Hospital in Lissabon warten Krankenwagen. Die Corona-Krise bringt das Gesundheitssystem an seine Grenzen und darüber hinaus.

Corona-Variante B.1.1.7 kursiert – Infektionszahlen in Portugal steigen massiv

Erstmeldung vom 22.01.2021, 12:13 Uhr: Lissabon – Zur Eindämmung der Corona-Pandemie verschärft Portugal den erst kürzlich verhängten Lockdown noch einmal. Ab Freitag (22.01.2021) werden sämtliche Kitas, Schulen und Universitäten des Landes geschlossen. Damit reagiert die Regierung des linken Ministerpräsidenten António Costa auf die drastische Zunahme der Infektionszahlen. Die Zahl der Neuinfektionen in dem EU-Land war stark angestiegen, nachdem sich die zuerst in Großbritannien entdeckte Variante B.1.1.7 des Coronavirus zu verbreiten begann.

Nach amtlichen Angaben sollen derzeit etwa 13 Prozent der Neuinfektionen in Portugal auf die neue Variante des Coronavirus zurückgehen. Die Zahlen seien „besonders dramatisch“, hatte Ministerpräsident Costa zuvor gesagt und sich für eine Verschärfung des Lockdowns ausgesprochen.

Land: PortugalBevölkerung: 10,28 Millionen (2019)
Hauptstadt: LissabonStaatspräsident: Marcelo Rebelo de Sousa

Neue Corona-Variante: Portugal verschärft den Lockdown

Bereits am Mittwoch (20.01.2021) wurde in Portugal mit fast 15.000 neuen Fällen innerhalb eines Tages der bislang höchste Wert an Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Umgerechnet auf die Bevölkerung Deutschland, welches ungefähr achtmal so viele Einwohner:innen hat, würde dies 120.000 Ansteckungen an einem einzigen Tag bedeuten.

Die kursierende Corona-Variante B.1.1.7 sorgt in Portugal für hohe Infektionszahlen. (Archivfoto)

Die Schließung der Kitas, Schulen und Universitäten gilt zunächst für einen Zeitraum von zwei Wochen. In dieser Zeit werde es laut Ministerpräsident Costa allerdings auch kein Online-Lernen geben, ausgefallener Präsenzunterricht solle in den Ferien nachgeholt werden. Die Verschärfung des Lockdowns beinhaltet auch die Schließung von Bürger:innenbüros. Gerichtsprozesse sollen nur in dringenden Fällen stattfinden. Auch die Verschiebung der für Sonntag (24.01.2021) angesetzten Präsidentenwahl wurde bereits gefordert.

Reaktion auf neue Corona-Variante: Portugal schließt Kitas, Schulen und Universitäten

Lange Zeit war Portugal im Vergleich mit anderen europäischen Ländern verhältnismäßig gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Im Herbst vergangenen Jahres hatte sich die Lage jedoch allmählich verschlechtert. Aktuellen Zahlen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC zufolge steckten sich zuletzt innerhalb von zwei Wochen 1.215 Menschen je 100.000 Einwohner:innen mit dem Coronavirus an. Von den insgesamt 30 erfassten Ländern in Europa hatten nur Irland mit 1.444 und Tschechien mit 1.362 Neuinfektionen höhere Werte aufzuweisen. In Deutschland liegt die Zahl derzeit bei etwa 319.

Der bereits vorige Woche verhängte Lockdown in Portugal gilt zunächst für einen Monat und gleicht den Maßnahmen aus dem Frühjahr 2020. Künftig darf das Haus nur noch mit triftigem Grund verlassen werden, Restaurants und die meisten Geschäfte müssen geschlossen bleiben. Überall dort, wo es möglich ist, gilt neuerdings eine Homeoffice-Pflicht. (Joel Schmidt mit dpa)

Rubriklistenbild: © Carlos Costa / afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare