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Spanien

Nach Corona-Pause: Wieder blutige Stierkämpfe in Spanien

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Die Tickets waren schnell vergriffen: Erstmals seit der Corona-Pause finden in Spanien wieder Stierkämpfe statt.

Madrid - Die meisten Spanierinnen und Spanier interessieren sich nicht für Stiere. Viele würden die Tauromaquia gerne verbieten. Andere aber sind Aficionados mit heißem Herzen – die haben sich am Montag auf die Eintrittskarten für das erste Stierspektakel des Jahres - nach einer Pause infolge des Coronavirus - an diesem Sonntag in Las Ventas gestürzt: in anderthalb Stunden sollen alle 6000 Tickets verkauft gewesen sein.

Las Ventas ist die Kathedrale der Tauromaquia, ihr Olympiastadion, das zuletzt 19 Monate für Stiere geschlossen war, erst wegen der Winterpause, dann wegen Corona. Die Lust auf das Tötungsritual aber ist geblieben. Jetzt wird sie wieder befriedigt.

Corona in Spanien: Erstmals fanden wieder Stierkämpfe statt - eine blutige Tradition

Der 2. Mai ist Madrider Regionalfeiertag, da erinnert die spanische Hauptstadt an den Aufstand gegen die napoleonischen Truppen im Jahr 1808. Dieses Jahr ist der 2. Mai aber zugleich der Vorvortag der Regionalwahlen, weswegen die Öffnung von Las Ventas auch als Wahlkampf zu verstehen ist. Die konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso buhlt um die Stimmen der ganz Rechten, die gewöhnlich die größten Freundinnen und Freunde des inszenierten Stiertods sind. „Ich respektiere und schätze die Welt des Stieres enorm“, sagt Ayuso für alle Fälle, „und besonders die Stierspektakel, wegen der Kunst, die sie in sich bergen, und wegen des Genusses, die sie ihren vielen Aficionados bereiten.“

Corona in Spanien: Stierkämpfe - zwanzig qualvolle Minuten für den Stier

Es ist ein vorsichtiger Anfang: In die Madrider Arena, die drittgrößte der Welt, passen nicht bloß 6000, sondern knapp 24 000 Zuschauerinnen und Zuschauer, aber noch gelten wegen der Pandemie Beschränkungen – wenn auch keine besonders strengen. Ayuso ist bei vielen Madrider:innen gerade deswegen beliebt, weil sie mit der Virusgefahr eher lax umgeht. In Madrid dürfen die Innenräume von Cafés und Restaurants geöffnet sein. Andererseits sind in der Hauptstadt und ihrem Umland besonders viele Menschen gestorben, die Infektionsraten liegen deutlich über dem nationalen Durchschnitt, die Intensivstationen sind fast zur Hälfte mit Covid-Patient:innen belegt. Freiluftveranstaltungen wie am Sonntag sind wiederum eher ungefährlich – jedenfalls fürs Publikum.

Spanien, Logrono: Enrique Ponce, einer der bekanntesten Toreros Spaniens, steht beim San Mateos Stierkampf in der Arena.

Dass der Stier in der Arena leidet, ist den Aficionados ebenso klar wie ihren Gegnerinnen und Gegnern. Es sind 20 qualvolle Minuten am Ende einer gewöhnlich vierjährigen Existenz auf der Wiese. Im Vergleich zu anderen Nutztieren geht es Kampfstieren den Großteil ihres Lebens über eher gut. Umso teurer kommt die Stierzüchter:innen ihre Arbeit: etwa 5000 Euro pro Tier. Der Einbruch des Geschäfts seit einem Jahr trifft die Branche deswegen besonders hart. „Ich schicke sie jetzt direkt in den Schlachthof“, erzählt der Züchter Juan Pedro Domecq der Wirtschaftszeitung „Cinco Días“. „Das schmerzt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gefühlsmäßig.“ Ein Aficionado kann sich kein elenderes Ende für einen Kampfstier vorstellen als das Schlachthaus. Zudem bekommt der Züchter dort nur 500 Euro fürs Tier.

Blutige Stierkämpfe in Spanien: ein Festtag für Toreros

Die Madrider Regionalregierung von Isabel Díaz Ayuso hat den Züchter:innen im Herbst 4,5 Millionen Nothilfe gezahlt, um die Krise zu überstehen. Wenn es nach Pablo Iglesias geht, dem Gründer und Madrider Spitzenkandidaten der Linkspartei Podemos, soll mit solchen Subventionen schnellstmöglich Schluss sein. Anfang April versprach er „das Ende sämtlicher Hilfen für die Tauromaquia“. Nach aktuellen Umfragen wird er sein Versprechen wohl nicht wahrmachen können: Madrid wird wohl mehrheitlich konservativ wählen.

Auch wenn die meisten Spanier:innen die Tauromaquia ablehnen, ist doch keine klare Mehrheit für deren Verbot. Die Menschen interessieren sich einfach nicht für das Spektakel. Ein harter Kern von Aficionados aber – etwa acht Prozent der Bevölkerung – geht mindestens einmal im Jahr in eine Arena. Für sie ist dieser Sonntag ein Festtag. (Martin Dahms) Zehn Minuten Ritual: Mallorca kehrt zum Stierkampf zurück

Rubriklistenbild: © Abel Alonso / dpa

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