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„Toxischer Cocktail“

Corona-Pandemie hätte verhindert werden können – Vorwürfe gegen WHO

  • Sebastian Richter
    VonSebastian Richter
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Ein Expert:innen-Gremium analysiert über acht Monate den Beginn der Corona-Pandemie. Im Auftrag der WHO – und die kommt im Abschlussbericht gar nicht gut weg.

Genf – Im Mai des letzten Jahres, als das Coronavirus sich auf nahezu jedes Land der Erde ausgebreitet hatte, gab die World Health Organisation (WHO) einen Bericht über den Beginn der Corona-Krise in Auftrag. Ein Gremium aus Expert:innen sollte eine unabhängige, unparteiische und umfassende Überprüfung der internationalen Gesundheitsmaßnahmen gegen die Pandemie einleiten. Das aus 13 Mitgliedern bestehende Gremium beschäftigte sich acht Monate lang mit der Entstehung der Pandemie – und macht in ihrem Bericht der WHO selbst Vorwürfe.

Die Pandemievorbereitung war „begrenzt“ und „zersplittert“, so das Gremium im Vorwort ihres Berichtes, der am 12.05.2021 erschienen war. Die Corona-Pandemie deckte das ganze Ausmaß der mangelnden Vorsorge für eine derartige Gesundheitslage auf, das für die Überforderung einiger Gesundheitssysteme verantwortlich war. Auf einen sich „schnell bewegenden und exponentiell ausbreitenden“ Virus war die Welt schlicht nicht vorbereitet.

Neue Corona-Pandemie verhindern – Gremium fordert nachhaltige Investitionen

Um diese „Verbreitungslücke“ zu schließen, seien nachhaltige Investitionen nötig, so die Schlussfolgerung des Gremiums. Zudem brauche es „einen neuen Ansatz zur Messung der Führungsdimensionen der Vorsorge“ und „verstärkte Rechenschaftspflicht in einem System universeller regelmäßiger Überprüfung der Vorsorge der Länder.“ Nur so könne eine Pandemie in der Zukunft verhindert werden.

Das internationale Warnsystem habe „angesichts eines sich schnell bewegenden Atemwegserregers“ nicht schnell genug reagiert. Vor allem der Auftraggeber des Berichts, die WHO selbst, habe nicht früh genug Alarm geschlagen. Mehr als drei Millionen Menschen sind durch die Corona-Pandemie ums Leben gekommen, die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher.

Zudem haben die rechtsverbindlichen Gesundheitsvorschriften ein schnelles Handeln eher eingeschränkt als erleichtert. Durch diese bürokratischen Hindernisse sei viel Zeit verloren gegangen. Nach der Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands durch die WHO-Generaldirektion am 30. Januar 2020 folgten in den meisten Ländern keine sofortigen Maßnahmen – obwohl sich die Beweise mehrten, dass sich ein ansteckender neuer Erreger weltweit ausbreitete. So ging laut dem Gremium der ganze Februar 2020 verloren, in dem Maßnahmen zu einem Eindämmen der Epidemie nötig gewesen wären – die sich dann zur Pandemie ausbreitete.

Die WHO soll zu spät und nicht eindrücklich genug Alarm geschlagen haben. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht eines unabhängigen Gremiums.

„Toxischer Cocktail“ aus Zaudern, fehlender Vorbereitung und schlechter Reaktion

Zudem hätten unkoordinierte Ansätze, eine Abwertung der Wissenschaft und die Leugnung von potenziellen Auswirkungen der Pandemie in einigen Ländern die Maßnahmen verzögert. Auch unterfinanzierten Gesundheitssystemen wird eine Verantwortung für die „katastrophale menschliche und sozioökonomische Krise“ zugeschrieben.

Dieser „toxische Cocktail“ aus Zaudern, fehlender Vorbereitung und schlechter Reaktion auf die Corona-Krise sei für das Ausmaß der Pandemie verantwortlich, so die Ko-Präsidentin des Gremiums, die Nobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf. Die Experten nannten die Krise das „Tschernobyl des 21. Jahrhunderts“.

Aber auch Stärken werden in dem Bericht des Gremiums hervorgehoben – auf diesen könne man aufbauen. So waren offene Daten und eine offene wissenschaftliche Zusammenarbeit für die Warnung und Reaktion von zentraler Bedeutung. Die Freigabe der Genomsequenz führte zur schnellsten Erstellung von Diagnosetests in der Geschichte. Die Entwicklung der Corona-Impfstoffe ging „in nie dagewesener Geschwindigkeit“ voran. Und nicht zuletzt hielt das medizinische Fachpersonal und andere essenzielle Arbeiter:innen an der Front die Gesellschaft in der Pandemie zusammen. (Sebastian Richter)

Rubriklistenbild: © Pavlo Gonchar/imago

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