Medizinisches Material geht langsam aus

Corona in Italien: Zahl der Toten steigt - Krankenhäuser arbeiten am Limit

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Italien ist von der Corona-Pandemie schwer gebeutelt. Vor allem in Norditalien ist die Lage dramatisch. Die Zahl der Toten steigt immer weiter. 

Italien wird von der Corona-Pandemie buchstäblich überrollt. Vor allem Norditalien, und hier besonders die Region rund um die Stadt Bergamo, wird von einer Infektionswelle mit Sars-CoV-2 heimgesucht, die ihresgleichen sucht. Am Freitagmorgen (20.03.2020) meldete die Johns Hopkins University in Baltimore, USA, dass die Zahl der Infizierten in der Nacht auf 41.035 angestiegen ist. 

Dramatische Lage in Italien: Krankenhäusern geht medizinisches Material aus

In den Krankenhäusern der am stärksten von der Corona-Infektionswelle betroffenen Region Lombardei gehen dringend benötigte Geräte und Schutzmasken aus. Durch die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 werden vor allem Beatmungsgeräte benötigt. Über das Onlinespendenportal gofundme sammeln Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegende inzwischen Geld, um die dringend benötigten Geräte zu beschaffen. 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind in Italien 3405 Menschen an Covid-19 gestorben. Das sind mehr Menschen als in China, wo die Lungenkrankheit ebenfalls heftig gewütet hatte. In keinem anderen Land liegt die Mortalität höher als in Italien.* 8,3 Prozent der Corona-Infizierten sterben. Zum Vergleich: In China liegt die Sterblichkeitsrate bei 4 Prozent, in Deutschland nur bei 0,2 Prozent. Dass in Italien so ungewöhnlich viele Menschen an Covid-19 sterben hat viele Gründe. Einer ist, dass die Bevölkerung in Italien im Durchschnitt sehr alt ist. Und vor allem für Alte und Menschen mit Vorerkrankungen ist das Coronavirus besonders gefährlich. 

Coronavirus fordert mehr Tote in Italien als in China

In der norditalienischen Stadt Bergamo könnte die Situation kaum schlimmer sein. Dort starben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (19.03.2020) so viele Menschen, dass die Armee anrücken musste, um die Leichen in einem langen Konvoi abzutransportieren. Die Friedhöfe und Krematorien der Stadt waren überlastet. 

Mehrere Kommunen in der angrenzenden Provinz von Monza, in Modena und der Emilia-Romagna hatten angeboten, die Särge aufzunehmen, wie mehrere Medien berichteten. 

Corona-Pandemie in Italien: Krankenhäuser am Limit

Die Lage in den Krankenhäusern ist dramatisch. Ärzte und Pflegende arbeiten nun schon seit Wochen an der Belastungsgrenze. „Es gibt nicht mal mehr Zeit zu weinen“, so eine Pflegende in Medienberichten. Es fehle an Material und Menschen. Mit einem Youtube-Video-Appell machte das medizinische Personal auf die katastrophale Lage aufmerksam und erntete Anteilnahme auf der ganzen Welt. 

Aufgrund der dramatischen Zunahme an Infizierten und Toten durch eine Corona-Infektion hat die Regierung in Rom bereits vor Tagen eine Ausgangssperre verhängt. Als das nicht den gewünschten Effekt hatte, wurde auch das Spazierengehen und Joggen in ganz Italien verboten. „Bleiben Sie zu Hause und unternehmen Sie, soweit es möglich ist, keine Spaziergänge“, forderte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, am Mittwoch (18.03.2020). Lediglich der Gang zum Supermarkt und zur Apotheke ist noch erlaubt. 

Viele Tote in Italien durch Corona: Wie konnte es so weit kommen?

Es gibt Vermutungen darüber, warum sich das Virus in Italien so dramatisch ausbreitet. So könnte sich Sars-CoV-2 bereits Mitte Januar in der Lombardei, also ganz im Norden Italiens, unbemerkt ausgebreitet haben.  Lange soll man sich laut spiegel.de in den hiesigen Krankenhäusern nicht einig gewesen sein, wann man Patienten auf Corona testet.

Das Nachrichtenmagazin berichtet von einem 38-jährigen Mann, der sowohl bei seinem Hausarzt als auch in seinem örtlichen Krankenhaus mehrfach mit eindeutigen Symptomen vorstellig wurde und ihn niemand auf das Coronavirus hin getestet hatte. Erst nach 36 Stunden wurde er schließlich isoliert. Fatalerweise ist diese Region nicht nur für die Wirtschaft des Landes ein wichtiges Zentrum, sondern auch für Touristen ein beliebtes Gebiet. Man hatte die Gefahr, die vom Coronavirus Sars-CoV-2 ausgeht, lange unterschätzt.

Corona-Pandemie in Italien: Sorge um die wirtschaftliche Zukunft

Italien ist Gründungsmitglied der Europäischen Union (EU) und hat rund 60 Millionen Einwohner. Seit einigen Jahren schwächelt die Wirtschaft und noch ist unklar, wie sich die Coronakrise auf das Bruttoinlandsprodukt auswirken wird, wie fr.de* berichtet. Deutliche Verluste sind vor allem in den Bereichen Groß- und Einzelhandel, Gastgewerbe, Kunst und Unterhaltung sowie Tourismus abzusehen. Auch der Flugverkehr wird hart getroffen – die Fluggesellschaft Alitalia wird im Zuge der Corona-Pandemie verstaatlicht werden. 

Die Folgen könnten laut Experten schlimmer sein als die der Wirtschaftskrise 2008. Denn damals stieg die Arbeitslosenrate nur bis maximal 13 Prozent. Derzeit allerdings sind große Teile der italienischen Arbeitnehmerschaft im Zwangsurlaub. Laut Modellrechnung der Commerzbank könnte Italiens Wachstumsrate im ersten Halbjahr um mehr als fünf Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 einbrechen – dabei seien negative Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft und Industrie noch nicht berücksichtigt.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Miguel MEDINA / AFP

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