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Teil-Lockdown in den Niederlanden

Corona in den Niederlanden: Festnahmen bei gewaltsamen Demos gegen Teil-Lockdown

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Den Niederlande beschließen einen Teil-Lockdown, um die steigenden Corona-Zahlen einzudämmen – in Den Haag kommt es deswegen zu heftigen Krawallen.

Update von Samstag, 13.11.2021, 12.50 Uhr: Wegen der verschärften Corona-Maßnahmen in den Niederlanden ist es am Freitagabend (12.11.2021) in Den Haag zu gewaltsamen Protesten gekommen. Mindestens fünf Demonstranten wird nach Angaben der Nachrichtenagentur ANP vorgeworfen, Einsatzkräfte mit Steinen und Feuerwerkskörpern beworfen zu haben - es kam zu Festnahmen. Die Demonstration war aufgrund der Krawalle von der Polizei mit Wasserwerfern aufgelöst worden.

Zuvor hatte der Ministerpräsident der Niederlande, Mark Rutte, einen neuen Teil-Lockdown verkündet. Die strengeren Maßnahmen sollen zunächst für drei Wochen gelten. Begründet werden sie mit wieder stark steigenden Infektions- und Patientenzahlen. Eine Überlastung der Intensivstationen durch Corona-Patienten soll verhindert werden.

Bei einer Demonstration gegen die neuen Corona-Maßnahmen in den Niederlanden kam es zu Zusammenstößen zwischen Einsatzkräften und Demonstrierenden.

Niederlande gehen wegen steigender Corona-Zahlen in Teil-Lockdown – „Das Virus ist überall“

Erstmeldung von Freitag, 12.11.2021, 23.01 Uhr: Den Haag – Angesichts schnell steigender Infektions- und Patientenzahlen ziehen die Niederlande als erstes Land in Westeuropa die Corona-Notbremse. In den kommenden drei Wochen gilt ein Teil-Lockdown. „Diese Eingriffe sind einschneidend und werden alle treffen“, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitagabend (12.11.2021) in Den Haag an. Er sprach von einem „harten Schlag für einige Wochen“.

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen verhängen die Niederlande einen Teil-Lockdown.

Gaststätten und Supermärkte müssen ab Samstag (13.11.2021) bereits um 20 Uhr schließen, andere Geschäfte sogar bereits um 18 Uhr – das gilt auch für den Bereich der Prostitution. Die 1,5 Meter-Abstandsregel wird wieder eingeführt, Menschen sollen nach Möglichkeit wieder im Homeoffice arbeiten und auch nur maximal vier Gäste täglich zu Hause empfangen. Sportwettkämpfe müssen ohne Publikum ausgetragen werden. Das gilt auch für Fußballspiele, wie etwa das WM-Qualifikationsspiel der Niederlande gegen Norwegen am kommenden Dienstag (16.11.2021) in Rotterdam.

Corona-Teil-Lockdown in den Niederlanden: Schulen bleiben geöffnet

Die Schulen sollen geöffnet bleiben, auch soll es keine Corona-Ausgangsbeschränkungen geben. „Zum Glück ist die große Mehrheit geimpft, sonst wäre das Elend in den Krankenhäusern jetzt unermesslich“, betonte Rutte.

Mit dem begrenzten Paket sollen Kontakte verringert und so Corona-Neuinfektionen abgebremst werden, begründete Rutte die Maßnahmen. „Der Druck auf das Gesundheitssystem ist zur Zeit extrem hoch.“ Auch die Fachleute, die die Regierung in der Pandemie beraten, hätten dringend zu einem Lockdown geraten. „Das Virus ist überall, im ganzen Land, in allen Bereichen.“

Nach Ablauf der dreiwöchigen Frist der harten Corona-Einschnitte plant die Regierung den Angaben zufolge, für Freizeiteinrichtungen und für die Gastronomie eine 2G-Regelung einzuführen: Dann dürfen sich nur noch Geimpfte und Genesene dort aufhalten.

Teil-Lockdown in den Niederlanden trotz hoher Corona-Impfquote

Die Regierung hatte seit Donnerstag (11.11.2021) über die neuen Corona-Maßnahmen beraten. Von dem Shutdown ausgenommen sind Kinos und Theater. Gäste müssen nur – wie bisher – nachweisen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Die geschäftsführende Regierung will diese 3G-Regel ausweiten auf Geschäfte und möglicherweise auch Arbeitsplätze. Außerdem soll für einige Bereiche die 2G-Regel eingeführt werden – möglicherweise für Kneipen und Festivals.

„Diese Eingriffe sind einschneidend und werden alle treffen“: Mark Rutte.

Erst Ende September hatte das Land die meisten Regeln stark gelockert. Doch die Corona-Lage verschlechterte sich. Und das trotz eines hohen Impfgrades: Etwa 82 Prozent der Bürger sind vollständig geimpft.

Gesundheitsminister Hugo de Jonge appellierte an die verbliebenen Ungeimpften, sich impfen zu lassen. „Das Risiko, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, ist 17 Mal höher, wenn man nicht geimpft ist. Und das Risiko, nach einer Infektion im Krankenhaus zu landen, ist 33 Mal höher“, sagte Ruttes Stellvertreter. Es sei ungerecht, dass auch Menschen von harten Corona-Maßnahmen betroffen seien, die „ihre Verantwortung wahrgenommen haben, indem sie sich impfen lassen haben“.

Corona-Inzidenz in den Niederlanden deutlich über 500

Vor zehn Tagen gab es die ersten Verschärfungen. Die Maskenpflicht wurde erneut ausgedehnt auf öffentliche Räume wie Geschäfte. Doch viele Menschen hielten sich nicht an die Regeln. Und die Durchsetzung etwa in Lokalen wurde auch wenig kontrolliert. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sowie der Patientinnen und Patienten stieg schnell.

Am Donnerstag (11.11.2021) waren 16.364 Neuinfektionen registriert worden – der bisher höchste Wert in der Pandemie. Die 7-Tage-Inzidenz liegt deutlich über 500 – etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Lage vor allem auf Intensivstationen ist so prekär, dass Krankenhäuser bereits vor dem Notzustand warnen. Bis zum Freitagmorgen (12.11.2021) waren in 24 Stunden 259 neue Corona-Patientinnen und Patienten registriert worden. Das ist die höchste Zahl seit dem 15. Mai. In den Krankenhäusern werden nun 1755 Menschen wegen Covid-19 behandelt.

Der Widerstand gegen einen begrenzten Corona-Lockdown ist groß. Die Unternehmerschaft, Sportverbände und Gastwirte reagierten empört. Der Gaststättenverband warnte davor, dass sich Wirte nicht an die Regeln halten würden. „Die Grenze ist erreicht. Unternehmer sind wütend“, sagte der Vorsitzende des Gaststättenverbandes, Robèr Willemsen. (tvd/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Jeroen Jumelet/AFP

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