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Absichtliche Corona-Ansteckung - Tod von Musikerin löst Debatte aus

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Von: Tim Vincent Dicke

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Eine tschechische Musikerin ist an den Folgen einer absichtlichen Corona-Ansteckung gestorben. Nun wird über den Einfluss der Impfgegner-Bewegung debattiert.

Update vom Freitag, 21.01.2022, 16.45 Uhr: Nach dem Tod der tschechischen Folk-Sängerin Hana Horka, die sich nach Angaben ihrer Familie erst absichtlich mit dem Coronavirus infiziert haben und kurze Zeit später an den Folgen der dadurch ausgelösten Erkrankung Covid-19 gestorben sein soll, hat eine gesellschaftliche Debatte in Tschechien ausgelöst. Das berichtet der tschechische Radiosender Radio Prague International in einer deutschsprachigen Meldung.

Bei der Debatte gehe es um die „Verbreitung sogenannter alternativer Informationen“ und den Vorwurf von Horkas Sohn, Musiker Jan Rek, die Impfgegner-Szene des Landes sei am Tod seiner Mutter verantwortlich. Dieser äußerte sich unter anderem auf Facebook zum Tod seiner Mutter und benannte über die Plattform auch prominente tschechische Impfgegner, welche die Entscheidung Horkas gegen die Impfung beteiligt haben sollen. Da Covid-19 als Todesursache Horkas nicht offiziell belegt ist, stünde auch aufgrund der Debatte die Möglichkeit einer Obduktion im Raum, berichtete der Radiosender.

Auch in Tschechien demonstrieren zahlreiche Impfgegner:innen gegen die Corona-Regeln, die für Ungeimpfte in einigen Fällen Einschränkungen bedeuten.
Auch in Tschechien demonstrieren zahlreiche Impfgegner:innen gegen die Corona-Regeln, die für Ungeimpfte in einigen Fällen Einschränkungen bedeuten. Auf Schildern bezeichnen Demonstranten die Corona-Impfung etwa als Genozid. © Michal Cizek/AFP

Corona-Impfung abgelehnt: Folk-Sängerin Hana Horka stirbt nach absichtlicher Ansteckung

Erstmeldung vom Dienstag, 18.01.2022, 21.06 Uhr: Prag – In Deutschlands Nachbarland Tschechien ist eine bekannte Folk-Musikerin an Covid-19 verstorben, nachdem sie sich absichtlich mit dem Corona* infiziert hat. Hana Horka, Sängerin der Band Asonance, starb am Sonntag (16.01.2022) im Alter von 57 Jahren, wie ihr Sohn Jan Rek dem Radiosender iRozhlas.cz sagte.

Rek zufolge hatte sie sich bewusst dem Coronavirus ausgesetzt, weil sie eine Impfung umgehen wollte. Dazu habe sie sich entschlossen, nachdem ihr geimpfter Mann und ihr ebenfalls geimpfter Sohn erkrankt waren.

„Sie beschloss, einfach normal mit uns zu leben und sich zu infizieren, anstatt sich impfen zu lassen“, schilderte Rek. Er machte örtliche Vertreter der Impfgegner-Bewegung für Horkas Tod verantwortlich. Diese hätten „Blut an ihren Händen“, weil sie seine Mutter gegen die Corona-Impfung aufgebracht hätten. „Ich weiß genau, wer sie beeinflusst hat. Es macht mich traurig, dass sie Fremden mehr geglaubt hat als ihrer eigenen Familie“, sagte der Sohn. Auch in Deutschland sind Fachleute besorgt über die Radikalisierung der Impfgegner-Szene*.

Tschechien: Musikerin Hana Horka stirbt nach absichtlicher Corona-Infektion

In Tschechien ist der Nachweis einer Corona-Impfung oder überstandenen Infektion Voraussetzung für den Besuch von Kultur- und Sporteinrichtungen sowie von Bars und Restaurants. Kurz vor ihrem Tod hatte Horka im Internet geschrieben, sie freue sich, nach ihrer „heftigen“ Erkrankung bald wieder ins Theater und in die Sauna gehen zu können. „Das Leben ist für mich da und für dich auch“, teilte sie in einem Facebook-Post mit, den sie mit zahlreichen fröhlichen Emojis ausfüllte.

Coronavirus in Tschechien
In Tschechien ist eine Musikerin an Covid-19 gestorben, nachdem sie sich absichtlich mit dem Coronavirus infiziert hat. (Symbolbild) © Uhlíø Patrik/dpa

Unmittelbar vor ihrem Ableben sei die Sängerin noch spazieren gegangen, führte Rek in dem Interview mit dem Sender aus. Nachdem sie zurückgekommen sei, habe sie über Rückenschmerzen geklagt und sich ins Bett gelegt. „Offenbar ist sie dann innerhalb von zehn Minuten erstickt. Es ging alles so schnell“, sagte der Sohn.

Musikerin stirbt nach Corona-Infektion: Inzidenz in Tschechien bei 679

Im Interview wird Rek gefragt, warum er über den Tod seiner Mutter in der Öffentlichkeit spricht. Seine Antwort: „Lassen Sie es mich so formulieren. Die Menschen interessieren sich nicht für Tabellen und Zahlen. Aber ich denke, dass persönliche Erfahrungen einfacher zu verstehen sind.“

Die 7-Tage-Inzidenz in Tschechien liegt bei 679 (Stand: 18.01.2022). Zum Vergleich: Am selben Tag meldete Deutschland einen Inzidenzwert von 553*. In dem Land mit 10,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern breitet sich die Omikron-Variante* des Coronavirus immer weiter aus. Sie habe inzwischen einen Anteil von mehr als 80 Prozent an den auf Varianten untersuchten Proben, teilte die staatliche Gesundheitsbehörde SZU am Montag (17.01.2022) in Prag mit.

„Die gute Nachricht ist, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen sinkt“, sagte Innenminister Vit Rakusan nach einer Sitzung des zentralen Krisenstabs. Eine Überlastung des Gesundheitssystems drohe derzeit nicht. (tvd/AFP/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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