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Corona-Medikament Ivermectin: Studie bestätigt Vermutung über Entwurmungsmittel

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Von: Karolin Schäfer

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Vor allem unter Ungeimpften ist das Wurmmittel Ivermectin beliebt. Eine Studie räumt den Mythos über das vermeintliche Corona-Medikament nun aus dem Weg.

Berlin – Ivermectin wird in der Regel zur Prävention und Behandlung von Parasiten in Tieren genutzt. In der Corona-Pandemie wurde das Antiparasitikum, das zur Entwurmung von Pferden und Rindern eingesetzt wird, allerdings zweckentfremdet. Vor allem unter Impfgegner:innen galt das Mittel als vermeintliche Wunderwaffe, obwohl es nicht als Medikament gegen Covid-19 zugelassen ist.

Eine großangelegte Studie aus Brasilien bestätigte nun die Vermutung vieler Expert:innen. Die im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichte Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Ivermectin das Risiko für eine erforderliche Behandlung im Krankenhaus nach einer Coronavirus-Infektion im Vergleich zum Placebo nicht senkt.

Entwurmungsmittel gegen Corona? Studie klärt Mythos auf

Bei der Studie wussten sowohl Ärzt:innen als auch die zufällig zugeordneten Patient:innen nicht, wer das Wurmmittel und wer das Placebo bekommt. Insgesamt 3500 Probanden nahmen an der Studie teil. Aufgrund ihres Alters oder Vorerkrankungen wiesen sie alle ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf auf. 679 der Patient:innen erhielten Ivermectin, ebenso viele ein Scheinpräparat, die übrigen knapp 2160 Probanden wurden anders behandelt.

Ivermectin-Kapseln und Ivermectin-Tropfen stehen auf der Theke in einer Apotheke in Bolivien. Dass der Arzneistoff Ivermectin nicht gegen Covid-19 hilft, hat nun eine große Studie aus Brasilien bestätigt.
Ivermectin-Kapseln und Ivermectin-Tropfen stehen auf der Theke in einer Apotheke in Bolivien. Dass der Arzneistoff Ivermectin nicht gegen Covid-19 hilft, hat nun eine große Studie aus Brasilien bestätigt. © Rodrigo Urzagasti/dpa

Weder beim Risiko einer Krankenhauseinweisung noch die Dauer eines Klinikaufenthalts oder die Genesung nach einer Corona-Infektion erwies sich Ivermectin als klinisch wirksam. „Kein Effekt des Medikamentes“, schrieb Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, bei Twitter. „Damit sollte dieses Thema mal abgehakt sein“, twitterte der Berliner Charité-Infektionsimmunologe Leif Erik Sander.

Keine aussagekräftigen Ergebnisse für Entwurmungsmittel in der Corona-Pandemie

„Es gibt keine aussagekräftige Evidenz für die Anwendung von Ivermectin bei Sars-CoV-2“, erklärte der österreichische Hersteller des Präparats MSD (Merck Sharp & Dohme) bereits im November. Von einer eigenmächtigen Einnahme riet er ab. Auch die US-Arzneimittelbehörde FDA sah sich gezwungen, die Bevölkerung vor der Einnahme des vermeintlichen Corona-Medikaments abzuhalten.

In der Vergangenheit wiesen Expert:innen immer wieder auf die Unwirksamkeit des Entwurmungsmittels hin. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) raten dringend von dem Einsatz des Medikaments in der Corona-Pandemie ab. Bei falscher Dosierung könne das Mittel hochgiftig sein.

In einigen Ländern wurde zeitweise ein regelrechter Ansturm auf Apotheken gemeldet, besonders von Corona-Impfgegner:innen. Unseriöse Seiten im Netz feuerten die ohnehin eingeheizte Debatte noch zusätzlich an, indem sie auf vermeintlich vielversprechende Ergebnisse vor allem kleinerer Studien verwiesen. Wie die dpa berichtete, ist deren Qualität und allgemeine Aussagekraft aber teilweise sehr fragwürdig. (kas/dpa)

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