Anne Hildalgo und David Belliard beantworten Fragen von Journalisten.  Im Zuge der Coronakrise tragen beide eine Maske.
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Anne Hildalgo, seit 2014 Bürgermeisterin von Paris und Parteimitglied der Parti Socialiste (PS), kritisiert die Coronamaßnahmen scharf.

Rekord bei Infektionen

Corona in Frankreich: Streit um verschärfte Maßnahmen von Macron - Paris legt Einspruch ein

  • vonSebastian Richter
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Trotz der Verschärfung der Corona-Maßnahmen verzeichnet Frankreich einen neuen Höchststand bei den Infektionsfällen. Die neuen Bestimmungen führen zu Streit.

  • In Frankreich steigen die Zahlen der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus.
  • Die Regierung von Emmanuel Macron versucht, einen neuen Lockdown zu vermeiden und beschließt neue Maßnahmen.
  • Die neuen Regelungen gegen die Verbreitung des Corona-Virus werden nicht gut aufgenommen.

Paris - Binnen 24 Stunden wurden in Frankreich weitere 16.096 Menschen positiv getestet, wie die zentrale Gesundheitsbehörde am Donnerstagabend mitteilte. Das sind nochmals rund 3400 Neuansteckungen mehr als beim bisherigen Höchststand vom vergangenen Samstag. Die Zahl der Corona-Toten stieg binnen eines Tages um 52. Die neuen Corona-Maßnahmen stoßen gleichwohl auf breite Kritik.

Der starke Anstieg der Neuinfektionen sorgt bei der Regierung für wachsende Alarmstimmung. Sie verschärfte deshalb am Mittwoch die Maßnahmen vor allem in den Großstädten Frankreichs.

Corona-Maßnahmen in Frankreich lösen Widerstand in der Politik aus

Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Infektionszahlen zu Beginn der ersten Corona-Welle im März und April wegen der niedrigen Testkapazitäten nur einen Bruchteil der tatsächlichen Ansteckungen erfasst hatten und sich deshalb nicht mit den Zahlen seit Start der großflächigen Tests vergleichen lassen. Inzwischen werden mehr als 1,2 Millionen Tests wöchentlich gemacht. Im Frühjahr standen hingegen nur wenige Tests zur Verfügung.

Die neuen Corona-Maßnahmen werden von Stadtoberhäuptern und Gastronomen scharf kritisiert. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilte mit, sie habe dagegen formellen Einspruch eingelegt. Sie kritisierte insbesondere, dass Fitnessstudios und Sporthallen geschlossen bleiben müssen. Sport trage dazu bei, dass die Menschen ein „starkes Immunsystem“ hätten, merkte sie im Fernsehsender France 3 an.

Die Bürgermeisterin von Marseille, Michèle Rubirola, sagte in einem Radiointerview, sie sei „wütend“, weil sie nicht vorab zu den neuen Maßnahmen konsultiert worden sei. Betroffene Gastronomen kündigten unterdessen Protestaktionen an. So drohte eine Reihe von Restaurantinhabern damit, die Schließungsanordnungen zu missachten.

Frankreichs Regierungschef versucht im Coronastreit zu vermitteln und sichert Unterstützungen zu

Regierungschef Jean Castex versuchte, die Wogen zu glätten. Er appellierte an die gemeinsame „Verantwortung“ der Franzosen. „Eine Epidemie lässt nicht mit sich spielen“, warnte Castex im Sender France 2. Auf keinen Fall wolle er zu den rigorosen Ausgangsbeschränkungen zurückkehren müssen, wie sie zwischen März und Mai gegolten hatten. Weiter kündigte er neue Unterstützungsmaßnahmen für betroffene Betriebe an. So solle es Entlastungen bei deren Sozialabgaben geben. Die Kurzarbeitregelungen sollen nach Angaben des Premierministers bis zum Ende der Corona-Maßnahmen verlängert werden.

Die neuen Regelungen betreffen vor allem Frankreichs Großstädte. So müssen in dem am stärksten von der neuen Virus-Ausbreitung betroffenen Stadt Marseille ab Samstag alle Bars und Restaurants schließen. In Paris und anderen Städten müssen sie früher schließen als bisher. Zudem wurden Versammlungen von mehr als zehn Menschen etwa in Parks und auf Plätzen untersagt.

Ziel der Regierung sei es vor allem, eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden, sagte Castex. Tatsächlich ist der Druck auf die Intensivstationen infolge der seit Wochen steigenden Corona-Infektionszahlen inzwischen so groß, dass die Pariser Krankenhäuser erneut nicht zwingend notwendige Operationen absagen müssen. Ab kommendem Wochenende werden zunächst 20 Prozent der geplanten Operationen verschoben, wie die öffentliche Krankenhaus-Gesellschaft Assistance publique-Hôpitaux de Paris mitteilte. (afp)

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