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Medizinisches Personal ist in der Corona-Krise besonders gefordert – und besonders gefährdet.

Dr. Hontschiks Diagnose

Atemmasken, Studien, Püschel, Spahn und Söder – was in der Corona-Krise nicht zu verstehen ist

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Bernd Hontschik kann nur noch einzelne Schnipsel vom ganz großen Corona-Mosaik aufnehmen, ein Bild ergibt das nicht. Die Medizin-Kolumne.

Anfangs habe ich noch versucht, dabei zu bleiben. Ich habe gedruckt, gelesen, gehört, geschaut. Viele haben mich immer wieder gefragt, was ich hierzu meine oder dazu. Haben mich bisher vielleicht maximal zehn Emails mit medizinischem Inhalt am Tag erreicht, so sind es jetzt manchmal über hundert. 

Immer mehr, immer längere, immer klügere Artikel von immer mehr Journalisten, Ärzten, Wissenschaftlern, Philosophen, Soziologen, Pädagogen stapeln sich auf meinem Schreibtisch. Hast du das neue Video von dem Herzchirurgen aus der Schweiz schon gesehen? Oder das von dem chinesischen Arzt, der unseren Untergang in der zweiten Infektionswelle voraussagt? Oder das Radio-Interview mit der italienischen Intensiv-Schwester – das musst du gehört haben, sonst kannst du nicht mitreden.

Alles anders in der Corona-Krise: Früher Stones oder Beatles, heute Drosten oder Streeck

Und jede und jeder scheint inzwischen außerdem eine persönliche Beziehung zu mindestens einem Virologen zu haben, der in der allabendlichen Talkshow alles ganz anders gesehen hat als alle anderen zuvor. Waren früher Trix oder Märklin, Stones oder Beatles die wirklich entscheidenden Fragen, so heißen sie jetzt Drosten oder Streeck, Wieler oder Püschel. Verschwörungstheorien und Fake-News mischen noch mehr Chaos hinein, unerkannt unter den seriösen Meldungen, und rasen bei Whatsapp und YouTube von Account zu Account – exponenzielles Wachstum!

Deswegen gebe ich jetzt auf. Ich habe wirklich versucht, dabei zu bleiben. Aber ich kann das alles nicht mehr überschauen. Und es gibt so vieles, was ich nicht verstehe. Ich kann nur noch einzelne Schnipsel vom ganz großen Mosaik aufnehmen, ein Bild ergibt das nicht.

Manche Dinge sind in der Corona-Krise nicht zu verstehen 

Ich verstehe nicht, wieso der Chef von Fresenius ungestraft Aktien seiner Firma kaufen darf, wenn in Spanien die Verstaatlichung der Krankenhäuser angekündigt wird und der Fresenius-Kurs in den Keller rutscht. Zwei Tage später war alles nicht so gemeint, der Kurs klettert wieder nach oben! 

Ich verstehe nicht, wieso niemand eine isländische Untersuchung zur Kenntnis nimmt, dass das Corona-Virus bei keinem einzigen Kind unter zehn Jahren nachgewiesen werden kann. Warum werden Kindergärten und Schulen nicht endlich wieder geöffnet? 

Mir ist schleierhaft, wieso niemand auf die Erkenntnisse des Hamburger Rechtsmediziners Püschel reagiert, dass alle von ihm untersuchten Corona-Todesopfer noch im Verlauf dieses Jahres an ihren schweren Vorerkrankungen gestorben wären. 

Ärzt*innen und Pflegekräfte als Kanonenfutter in der Corona-Krise

Ich verstehe nicht, wieso kein Aufschrei durch alle Länder geht, weil hunderte Ärzt*innen und Pflegekräfte inzwischen gestorben sind, tausende schwer erkrankt und noch mehr infiziert sind, weil sie als Kanonenfutter an der Front dieses „Krieges“ (Macron) verheizt wurden, ohne Schutzkleidung, ohne Atemmasken, ohne Desinfektionsausrüstung

Ich verstehe nicht, wie trotz des Abstandsgebotes in der Universitätsklinik Gießen mindestens elf Personen zusammengequetscht in einer Aufzugkabine fotografiert werden können, dabei auch Gesundheitsminister Spahn, Ministerpräsident Bouffier und Kanzleramtsminister Braun.

Warum ist Jens Spahn nicht längst vom Hof gejagt worden?

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. www.medizinHuman.de

Aktuell von ihm im Buchhandel: „Erkranken schadet Ihrer Gesundheit“.

Ich verstehe nicht, wieso dieser Gesundheitsminister nicht längst vom Hof gejagt worden ist, der für die skandalöse Nicht-Vorbereitung auf diese Pandemie verantwortlich und bis heute nicht in der Lage ist, wenigstens Krankenhäuser, Arztpraxen, Altenheime und Rehabilitationskliniken ausreichend mit Schutzmaterial zu versorgen.

Und vor allem fehlt mir jedes Verständnis für einen bayerischen Ministerpräsidenten, der seine landesväterlichen Hände an eine eben aus China gelandete Boeing 777 legt, um sich für die Ankunft von acht Millionen Atemmasken für Bayern in allen Medien feiern zu lassen.

Wenigstens muss man sich keine Sorgen machen, dass er sich am falschen Flugzeug fotografieren lässt, denn es fliegen ja keine anderen mehr.

Von Bernd Hontschik

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