Erst im Juni hatten die Pubs in England wieder geöffnet. Nicht jeder hielt danach die Corona-Vorsichtsmaßnahmen ein.
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Erst im Juni hatten die Pubs in England wieder geöffnet. Nicht jeder hielt danach die Corona-Vorsichtsmaßnahmen ein.

Großbritannien

Corona in England: Aus Angst vor zweiter Welle - Boris Johnson beschließt strenge Maßnahmen für Kleingruppen

  • Stefan Krieger
    vonStefan Krieger
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In England steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder drastisch an. Die Regierung von Boris Johnson reagiert mit härteren Bestimmungen.

  • Großbritannien ist mit Blick auf die Todeszahlen das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa
  • Jetzt steigen die Corona-Fälle wieder an
  • Die Regierung verschärft die Verordnungen

In England werden aus Furcht vor einer zweiten Coronawelle Ansammlungen von mehr als sechs Menschen bis auf Weiteres untersagt. Die neue Bestimmung soll ab dem kommenden Montag (14. Oktober 2020) gelten. Bislang dürfen sich in England noch bis zu 30 Personen treffen.

Die verschärfte Regelung betrifft Treffen in den eigenen vier Wänden und im öffentlichen Raum, wie der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Mittwoch mitteilte. Die Regel gilt „bis auf weiteres“, so Hancock. „Ich hoffe aber, dass wir dies vor Weihnachten wieder ändern können. Ich denke, dass Weihnachten bei einer Pandemie noch weit entfernt ist“, sagte der Gesundheitsminister gegenüber BBC Radio 4.

Corona in England: Boris Johnson sieht sich zum Handeln gezwungen

Ausnahmen gelten nur für Haushalte mit mehr als sechs Personen sowie für „Treffen mit beruflichem Hintergrund oder zu Ausbildungszwecken“ - also etwa in Schulen. Auch Hochzeiten, Beerdigungen und einige Sportarten werden von den verschärften Regeln ausgenommen.

„Wir müssen jetzt handeln, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen“, sagte Premierminister Boris Johnson in einem vorab verbreiteten Redetext. Auch er hatte die Covid-19-Erkrankung und auf einer Intensivstation eines Londoner Krankenhauses um sein Leben gekämpft.

Corona-Krise in England: Angst vor dem Winter

Jeder Landesteil in Großbritannien entscheidet im Kampf gegen die Pandemie über seine eigenen Maßnahmen. Das Vereinigte Königreich ist mit Blick auf die Todeszahlen das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Der Regierung wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Corona-Krise reagiert zu haben. Gesundheitsexperten fürchten, dass im Winter - wenn die vielen Grippefälle hinzukommen - der marode und chronisch unterfinanzierte staatliche Gesundheitsdienst NHS kollabieren könnte.

I’ll be answering some of your questions about coronavirus. Ask your questions at https://t.co/FBynuacYFP pic.twitter.com/7cw6hbYQp8 — Boris Johnson (@BorisJohnson) September 8, 2020

Die Zahl der Corona-Infektionen in Großbritannien stieg zuletzt wieder deutlich an. In den vergangenen Tagen gab es jeweils fast 3000 bestätigte Neuinfektionen pro Tag - der höchste Stand seit Ende Mai. Experten warnen daher vor einer zweiten Welle. Auch ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte dem Sender Sky News, er rechne mit weiteren Spitzen der Fallzahlen in Großbritannien.

Mehr als 175.000 Corona-Tests täglich

Derzeit stecken sich vor allem junge Menschen mit dem Virus an. Das erklärt auch den bislang niedrigen Anstieg der Todesfälle, da Covid-19 bei Jüngeren oft glimpflicher verläuft.

Zuletzt hatte die Regierung die steigende Zahl der Infektionen häufig mit der hohen Anzahl an Tests erklärt, die mittlerweile durchgeführt werden. Es waren in jüngerer Vergangenheit mehr als 175.000 pro Tag. So können mehr Infektionen nachgewiesen werden als noch im Frühjahr. Allerdings gab es zuletzt auch immer wieder Corona-Ausbrüche, etwa bei illegalen Partys.

Das Testsystem in England ist unterdessen an seine Grenzen gekommen, so Matt Hancock. „Leider haben wir in den letzten Wochen einen ziemlich starken Anstieg von Menschen ohne Symptome gesehen, die keinen guten Grund haben, sich zu melden und einen Test zu erhalten“, sagte er und fügte an, dass etwa 25 Prozent der Personen, die einen Coronavirus-Test erhielten, eigentlich nicht dafür vorgesehen seien. „Ich habe sogar Geschichten von Leuten gehört, die sagten: ‚Ich fahre nächste Woche in den Urlaub, deshalb werde ich einen Test machen‘. Nein. Dafür ist das Testsystem nicht da“, so der Gesundheitsminister. (mit dpa)

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