Covid-19

Corona in England: Boris Johnson ignoriert dringende Empfehlungen von Wissenschaftlern

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
    schließen

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in England steigt zunehmend an. Doch statt dem Rat von Wissenschaftlern zu folgen, beschließt Boris Johnson eigene Maßnahmen.

  • Die Zahl der Neuinfektionen mit Corona in England steigt rasant an.
  • Dokumente belegen, dass Boris Johnson dringende Empfehlungen von Expert*innen ignoriert.
  • Er beschließt stattdessen ein Drei-Stufen-System.

Mehrfach wurde Englands Premierminister Boris Johnson während der Corona-Pandemie bereits vorgeworfen, ihm würde die Situation entgleiten. Die Infektionszahlen steigen zunehmend an – insbesondere der Norden von England ist von dem Virus stark betroffen. Nun wurden Dokumente veröffentlicht, laut derer Johnson dringende Empfehlungen von Wissenschaftlern ignoriert haben soll.

Dem US-Magazin „businessinsider.com“ zufolge riet die wissenschaftliche Beratergruppe für Notfälle (SAGE) aus England dem Premierminister vor drei Wochen in einer Videokonferenz, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen, um die rasante Ausbreitung des Virus einzudämmen. Sie empfahlen demnach einen erneuten nationalen Lockdown.

Im Kampf gegen Corona in England ignoriert Boris Johnson Empfehlungen von Wissenschaftler*innen.

Corona in England: Wissenschaftler*innen raten Johnson zu zweitem Lockdown

Dieser sollte – wie bereits der ersten Lockdown im Frühling – die Schließung aller Restaurants, Bars, Cafés, Fitnessstudios und Friseure sowie ein Kontaktverbot verschiedener Haushalte beinhalten. Boris Johnson weigerte sich jedoch, den dringenden Rat der Wissenschaftler*innen anzunehmen und zog keinen zweiten Lockdown in Betracht. Den Dokumenten zufolge befürchtete er, dass die wirtschaftlichen Schäden durch die strengeren Maßnahmen zu hoch wären.

Die Expert*innen sollen Johnson laut den Berichten zudem davor gewarnt haben, dass ein späterer Beschluss einer Ausgangssperre kaum Auswirkungen auf die Verbreitung des Virus in England hätte. Statt einem Lockdown führte Johnson jedoch nur ein Drei-Stufen-Programm ein, das lokale Sperrungen in denen am stärksten von Corona betroffenen Gebieten vorsieht – so etwa in Liverpool. Der Chief Medical Officer für England, Chris Whitty, sieht dieses Programm jedoch kritisch.

Corona in England: „Test and Trade“-System weniger effektiv als Johnson behauptet

Zwar können die Maßnahmen ihm zufolge dabei helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, eine Verbreitung gänzlich verhindern können sie jedoch nicht. Einem weiteren Dokument zufolge sollen Wissenschaftler*innen der SAGE das „Test and Trade“-System in England kritisieren, das Boris Johnson als „weltbestes“ System im Kampf gegen Covid-19 bezeichnete. Es handelt sich dabei um temporäre Teststationen, in denen sich Einzelpersonen testen lassen können. Mithilfe der gewonnenen Daten wird ein Labornetzwerk aufgebaut, sodass infizierte Personen sowie deren Kontaktpersonen angewiesen werden können, sich in Quarantäne zu begeben.

Laut den SAGE-Wissenschaftler*innen habe das System jedoch nur marginale Auswirkungen im Kampf gegen Corona. Ihnen zufolge werden mit dem Programm nur sehr wenige Menschen ausfindig gemacht und Kontaktpersonen ignorieren oftmals den Rat, sich in Selbstisolation zu begeben. Sie sagen zudem voraus, dass die Effektivität des Programms mit der vermehrten Ausbreitung des Virus abnehme. (tt)

Rubriklistenbild: © Aaron Chown

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare