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Wenn die Kirche zum Corona-Hotspot wird (Symbolbild)

Drei Tage Gottesdienst

Corona in den USA: Gottesdienst wird zum Superspreader-Event

  • vonMirko Schmid
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Ein mehrtägiger Gottesdienst in Keysville, Virginia, wird zum Superspreader-Event. Mindestens 42 Gemeindemitglieder erkranken an Corona.

  • In einer Kirche in Keysville, Virginia, infizieren sich bei einem dreitägigen Gottesdienst 42 Menschen mit Corona.
  • Die Kirche verteidigt den Gottesdienst in den USA trotz dutzenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus.
  • Auf anhaltende Kritik an ihrem Superspreader-Event reagiert die Kirche auf ihre Weise.

Virginia - 42 Menschen haben sich innerhalb eines dreitägigen Gottesdienstes in den USA mit Corona infiziert. Die Wiedereröffnung des öffentlichen Schulbetriebs musste daraufhin verschoben werden. Veranstaltet wurde die Messe von der Emmanuel Bible Church. Zu dem Vorfall schrieb die Kirche: „Selbst nachdem wir mit vielen Kranken gesprochen haben, wurde uns bestätigt, dass es einer der besten Wiederbelebungs-Gottesdiente aller Zeiten war.“

Dutzende Neuinfektionen mit Corona - auch Pastor der Kirche in Virginia infiziert

Es ist nicht das erste Mal, dass die Religiosität gläubiger Gemeindemitglieder in den USA in eine Infektionskette mündet. In Keysville begann die Corona-Problematik am Wochenende des 20. Septembers 2020, als die Emmanuel Bible Church die dreitägigen Wiederbelebungsgottesdienste abhielt.

Die Kirche bestätigte zunächst laut The Daily Beast auf Facebook, dass „viele“ der Gottesdienstteilnehmer an Corona erkrankt seien - inklusive des Pastors. Zusätzlich führte die Kirche aus, welche Vorkehrungen sie im Vorfeld der Gottesdienste getroffen hatte. Masken und Desinfektionsmittel seien besorgt worden, obwohl ausdrücklich keine Maskenpflicht bestanden hätte. „Niemand wurde davon abgehalten, eine Maske zu tragen, und vor unseren Gottesdiensten wurde angekündigt, dass jeder das tun sollte, was ihm das Gefühl gibt, sicher zu sein“, hieß es in dem Statement.

Die Corona-Pandemie wird nicht als Bedrohung für Leib und Leben wahrgenommen

Die zulässige Auslastung von 50 Prozent sei zu keinem Zeitpunkt überschritten worden. Ein namentlich nicht benannter „Covid-19-Epidemiologe“ habe außerdem gesagt, dass die Frage nicht sei, ob die Mitglieder der Gemeinde an Corona erkrankt seien, sondern wann. Schließlich könne niemand zu 100 Prozent vor dem Coronavirus geschützt werden, hieß es in der Facebook-Mitteilung der Kirche. Nachdem der Pastor am 26. September darüber informiert worden sei, dass er sich selbst infiziert habe, habe er allen Teilnehmern des Gottesdienst mitgeteilt, dass diese nun unter Quarantäne stünden. Von da an sei es laut Robert Nash, Gesundheitsdirektor des Piedmont Healt District, wieder „bergauf“ gegangen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Bundesstaates Virginia wurden im Keysvilles Charlotte County seit Beginn der Pandemie insgesamt 193 Infektionen mit Corona gemeldet. Laut Nash habe es keinen Hinweis auf Covid-19-Todesfälle im Zusammenhang mit dem kirchlichen Ereignis gegeben. Die Pandemie würde lokal weiterhin als abstrakt wahrgenommen, weniger als Frage von Leben und Tod.

Anwohner fordert Entschuldigung der Kirche nach Superspreader-Event mit vielen Corona-Fällen

Unter dem Facebook-Post der Kirche schrieb eine Teilnehmerin des Gottesdienstes: „Es war meine Entscheidung, zu kommen, und ich würde es wieder tun. Ja, ich habe Covid-19 bekommen, aber ich könnte es überall bekommen, im Laden oder im Wal-Mart. Das geht vorbei. Jesus hat seine Arme um uns alle. Viele Gebete für unsere Kirchenfamilie selbst und unseren Pastor. Amen. “ Robert Nash sprach von einer „sozial unverantwortlichen“ Einstellung: „Wir haben die soziale Verpflichtung, für uns selbst, unsere Familien und andere in unserer Gemeinde zu sorgen, die möglicherweise einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, denn das ist alles, was wir haben. Wir haben noch keinen Impfstoff. “

Ein Anwohner äußerte sich in der örtlichen Charlotte Gazette ähnlich empört: „Ich denke nicht, dass es eine dumme Frage ist, zu fragen, warum die Kirche mitten in einer Pandemie einen Wiederbelebungsgottesdienst abhalten muss. Ich kann nicht verstehen, wie eine Kirche einen Gottesdienst abhalten kann, der zu einem Superspreader-Event wird, und sich dafür nicht einmal entschuldigt.“ Seine Anklage: „Wo ist die Entschuldigung an die Gemeinde? Wo ist die Entschuldigung an die Menschen, die krank wurden? Wo ist die Entschuldigung an die Ersthelfer und Mitarbeiter des Gesundheitswesens an vorderster Front, die jetzt ihre Gesundheit riskieren müssen, indem sie sich um diejenigen kümmern, die infiziert wurden?“

Corona in den USA: Kirche löscht ihr Statement nach vehementer Kritik

Auch Gesundheitsdirektor Nash warnte noch einmal eindringlich: „Wenn wir uns nicht umeinander kümmern, werden wir zusammen sterben.“ Die Kirche selbst reagierte schließlich zeitnah auf die sich immer weiter verstärkende Kritik an ihrem zum Superspreader-Event gewordenen Gottesdienst, wie es auch in einer Baptistengemeinde in Frankfurt am Main schon einen gegebenen hatte: Sie löschte ihr Statement auf Facebook kommentarlos. (Von Mirko Schmid)

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